Mettmann: Mann will Wolf gesehen haben

Erfahrener Hundetrainer : Mann will Wolf in Mettmann gesehen haben

Der Mettmanner Oliver Fredrich berichtet, er habe einen Wolf im Stadtgebiet gesehen. Deshalb hat er Kontakt mit dem zuständigen Landesamt aufgenommen. Das prüft den Fall.

Oliver Fredrich staunte nicht schlecht. Um den neuen Übungsplatz seiner Hundeschule fertigzustellen, war er am Montagabend auf das Gelände in Nähe des Recyclinghofes zwischen Hammer Straße und Bibelskircher Weg gefahren. Er rutschte auf Knien übers Gras, werkte am Zaun. Dann setzte der Regen ein und er kroch in den Unterstand. Reglos wartete er so, bis der Schauer endlich vorbei wäre. „Und da kam dieses Tier auf mich zu“, sagt der 47-Jährige – ein Wolf, so durchfuhr es blitzartig seine Gedanken.

Fredrich ist seit 1986 Hundetrainer und glaubt den Unterschied zwischen dem wilden und dem Haustier zu kennen. „Das war kein Hund, auch kein Hybride“, sagt er. Mit Hybride sind Mischlinge aus Wolf und Hund gemeint. Auf ein Stockmaß von rund 50 Zentimetern schätzt er die Größe des Tieres; der gerade errichtete Zaun habe dafür einen guten Vergleich geboten.

Diese Spur hat das Tier hinterlassen, das Oliver Fredrich am Montagabend in Nähe des Recyclinghofs begegnete. Foto: Oliver Fredrich

Den vermeintlichen Wolf immer im Blick richtete sich Oliver Fredrich auf, und in diesem Augenblick bemerkte ihn das Tier. Es erschrak sich offensichtlich „und hat dann versucht, fluchtartig das Gelände zu verlassen“, erzählt Fredrich. Weil das im umzäunten Gelände zunächst nicht gelang, hatte Fredrich noch Zeit, vom flüchtenden Tier ein Handyfoto zu machen. Angst? „Nein, Angst hatte ich eigentlich nicht. Die tun ja kaum was, die haben ja mehr Angst vor uns“, glaubt er.

Mit seinen Fotos vom Tier und dem Abdruck seiner Pfote im schlammigen Untergrund wandte sich Fredrich zunächst an das Kreisveterinäramt, das ihn an das Landesamt für Natur, Umwelt, Klima und Verbraucherschutz (kurz Lanuv) verwies. „Wir haben hier nicht die Wolfsexperten“, sagt die Sprecherin des Kreises, Tanja Henkel.

Ein solcher tschechoslowakischer Wolfshund soll laut Stadt in der Nähe leben. Foto: tierheim Hilden

Das Lanuv jedoch mag den Verdacht einer Wolfssichtung zurzeit weder bestätigen, noch dementieren: „Wir werden prüfen, wann und wo die Fotos gemacht wurden und ob sie wirklich einen Wolf zeigen“, erläutert Wilhelm Deitermann, Sprecher des Lanuv. Zugleich beruhigt er: „Es gibt kein Gefährdungspotenzial des Wolfs gegenüber dem Menschen.“ In den vergangenen Jahrzehnten seien keine Angriffe von gesunden frei lebenden Wölfen auf Menschen in Deutschland dokumentiert. „Wölfe sind extrem scheu“, heißt es auf der Homepage des Lanuv, das dem „Wolf in NRW“ eigens eine eigene Internetseite widmet. Dort sind auch Hinweise nachzulesen, was zu tun ist, falls Passanten glauben, sich plötzlich einem Wolf gegenüber zu sehen.

Deitermann appelliert an Betroffene, sich bei einem Verdacht sofort an das Lanuv zu wenden: Nur so lasse sich zweifelsfrei nachweisen – nötigenfalls auch durch DNA-Proben – ob es sich tatsächlich um ein wildes Tier gehandelt habe. Diese Nachweise werden von der Behörde kartiert. Die Karte ist unter https://wolf.nrw./wolf/de/nachweise zu finden. Sie zeigt: Im Kreis Mettmann ist bislang offenbar noch kein Wolf aufgetaucht. Dem Kreis am nächsten sind Nachweise in Kerken (Kreis Kleve) sowie im Oberbergischen Kreis, wo am 10. Juli dieses Jahres ein Wolf in der Gemeinde Engelskirchen zwei Schafe tötete und ein weiteres verletzte. Wie Deitermann, Sprecher des Lanuv, berichtet, steige in ganz Nordrhein-Westfalen die Zahl der Wolfssichtungen: Allein in diesem Jahr seien beim Lanuv 300 Hinweise eingegangen.

Die Stadt Mettmann gibt sich zu diesem Thema zurückhaltend. „Es ist bekannt, dass es in der Gegend einen tschechischen Wolfshund gibt, der dem Aussehen eines Wolfs sehr, sehr nahe kommt“, sagt der Sprecher der Stadt Mettmann, Christian Barra. „Das kann man schon leicht verwechseln.“ Weitere Aussagen könne die Stadtverwaltung wegen mangelnder Zuständigkeit nicht treffen. Sicherheitsmaßnahmen habe man nicht ergriffen.

Oliver Fredrich will am Mittwochabend wieder auf sein Gelände gehen und dort weiterarbeiten. Besorgt ist er nicht, eher neugierig. „Ich gehe wieder hin. Wer weiß, vielleicht zeigt sich das Tier ja nochmal.“

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