Kolumne An(ge)dacht aus Mettmann Ostereier als späte Überraschung

Kreis Mettmann · Sind die Osterverstecke zu gut, werden die Eier nicht gefunden. Nicht schlimm, findet Pfarrer Jürgen Artmann aus Mettmann und erklärt in unserer Kolumne, warum auch spät gefundene Schoko-Eier ein schönes Zeichen sind.

 Jürgen Artmann ist Pfarrer in Mettmann.

Jürgen Artmann ist Pfarrer in Mettmann.

Foto: Ev. Kirche

Vor Ostern habe ich eine Frau getroffen, die erzählte, dass sie von allen Eierverstecken Fotos mache, damit sie im Zweifel den Kindern helfen könne, alle zu finden. Und auch meine Kollegin merkte an, wir mögen uns doch alle Verstecke der Eier merken, die wir in der Kirche und um sie herum am Ostersonntag versteckt haben.

Irgendwie clever und richtig, denke ich, damit keins der Eier gammelnd verloren geht oder jemand mit Enttäuschung die weiß gewordene Schokolade auspackt. Aber: Man könnte doch auch sagen, es ist ganz im Sinne der biblischen Osteridee hier und da und immer wieder der Botschaft vom Leben zu begegnen. Die wäre dann mit dem später gefundenen Ei ein bisschen in die Zeit gekommen, grau geworden, nicht mehr ganz so bunt und strahlend, aber sie wäre da.

Denn es bleibt ja abzuwarten, wie sich die Zeit bis zum nächsten Osterfest entwickelt. Gegenwärtig spricht nicht viel dafür, dass wir die Kriege loswerden. Nicht den in der Ukraine, nicht den in Syrien, den man schon gar nicht mehr wahrnimmt, im Sudan beginnen gerade neue Auseinandersetzungen, von Frieden in und um Israel kann keine Rede sein, dann kommen die verstörenden Nachrichten von um sich schießenden Menschen dazu, das Klimathema ist riesig, und wenn es drauf ankommt, sollen es doch bitte die anderen lösen.

Ich glaube, ich wünsche mir und uns bis zum nächsten Osterfest, dass wir hier und da noch ein Osterei finden, selbst wenn es ein wenig angegraut und nicht mehr zum Verzehr geeignet scheint. Denn bei Lichte besehen, also im Licht der Osteridee, steht jedes auch später noch gefundene Ei für die einfache und einfach unmissverständliche Botschaft Gottes: Der Tod hat niemals Recht.

Auch wenn er fraglos da ist und jedes Leben beendet, wird der Tod niemals Gottes Wertschätzung und -erklärung für jedes, wirklich jedes Lebens streichen können. Die gelten für immer. Und es wird immer frevelhaft sein und bleiben, wenn sich jemand – wer auch immer – mit dem Tod zu seinen Gunsten einlässt. Manchmal ist es eben doch ganz einfach: Krieg ist Sünde, Trennung vom Lebenswillen Gottes, und darauf zu warten, dass die anderen erst mal was fürs Klima tun sollen, auch. Darum wünsche ich mir für uns alle noch ein paar Ostereier übers Jahr. Jedes sagt: Nicht der Tod, das Leben hat recht.

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