Kolumne An(ge)dacht aus Mettmann … Zum Davonlaufen

Kreis Mettmann · Die Osterfeiertage sind vorüber – aber in der Bibel bietet auch die Zeit nach Ostern interessantes Material zum Nachdenken. Warum, erklärt Pfarrer Herbert Ullmann in unserer Kolumne An(ge)dacht.

Pfarrer Herbert Ullmann.

Pfarrer Herbert Ullmann.

Foto: Dietrich Janicki/Janicki, Dietrich (jd-)

Nein, nicht, was Sie vielleicht jetzt denken: Dass es wieder um Kirchenkrise und das „Davonlaufen“ der Kirchenmitglieder geht. Nein, ich schreibe von Ostern! Die Erzählungen in der Bibel berichten von außergewöhnlich viel Bewegung. Von einer Mischung aus Furcht und Freude ist da die Rede. Jedoch nur bei den Frauen, den ersten Zeuginnen und Botschafterinnen, allen voran: Maria Magdalena. Sie wagen sich am Ostermorgen zur Grabstätte Jesu und machen die aufsehenerregende Erfahrung, dass das Grab leer ist, alles schön aufgeräumt, und dass Engelsgestalten von der Auferstehung des Gekreuzigten sprechen, und dass er ihnen vorausgeht nach Galiläa. Vom engsten Jüngerkreis, den Aposteln, keine Spur. Die haben sich davon gemacht. Einer, Judas Iskariot, hat sich gar aufgehängt. Die einen flüchten aus dem Ort der Katastrophe, Jerusalem, nach Emmaus. Die anderen schließen sich an einem geheimen Ort ein, voller Angst. Etliche gehen nach einigen Tagen der versuchten Schocküberwindung zurück an ihre Arbeit, als Fischer am See von Tiberias. Das „Halleluja! Jesus lebt“ kommt ihnen so schnell nicht über die Lippen. Und den Frauen am Grab trauen sie ohnehin nicht. Ostern zum Davonlaufen!? Erst später geht ihnen ein Licht auf! Da kommt er, der Lebendige, ins Spiel, handgreiflich, und lässt sich sehen! Und sie erkennen: Das, was Jesus gesagt und getan hat, was sie mit ihm erlebt haben, ist wahr, ist echt, ist autorisiert vom göttlichen Vater im Himmel! Da stehen manche der Apostel ganz schön „bedröppelt“ da: Der Verräter, der Verleugner, der Zweifler. Jesus macht ernst. Auferstehung geschieht. Auferstehung dreht die bürgerliche Prioritätenliste um. Jetzt geht‘s erst richtig los mit der „Jesusbewegung“. Wer das für Welt und Geschichte nicht zulassen kann oder will, für den ist Ostern einfach nur „zum Davonlaufen“.

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