Kolumne An(gedacht) aus Mettmann Sonne, Sand und Me(h)r

Mitten in den Ferien sind viele zum Meer oder See gefahren – oder in den Urlaubsvorbereitungen dafür. Der Strand bietet für Msgr. Herbert Ullmann Möglichkeit, um über Gott nachzudenken.

Herbert Ullmann.

Herbert Ullmann.

Foto: Dietrich Janicki/Janicki, Dietrich (jd-)

Viele sind in diesen Wochen unterwegs zum Wasser und Strand: Nord- oder Ostsee, Mittelmeer oder auch Gardasee und Bodensee. Wie oft habe ich in den Sommerferien als Kind im Sand gespielt, Burgen geformt, tiefe Gräben ausgehoben und auf die Flut gewartet. Später fiel mir dazu die Geschichte ein, die der spätantike Theologe Augustinus mit einem Kind erlebt haben soll: Am Strand hob es ein großes Loch aus und antwortete, danach gefragt, es wolle das Meer ausschöpfen. Der weise Gelehrte soll kopfschüttelnd erwidert haben, dass das weite Meer doch nicht in ein solch kleines Loch hineinpassen könne. Das Kind daraufhin: Und Du versuchst, den großen, unendlichen Gott in dicken Büchern zu erklären! Diese Begebenheit hat Tiefgang. Vielleicht braucht es Sonne, Sand und mehr am Meer (!), um scheinbar Alltägliches und die Sprache der Bilder auf sich wirken zu lassen.

Die Bibel beeindruckt mich immer wieder mit solchen Überraschungen. Wie ist das mit einem Menschen, der „auf Sand gebaut“ hat? Auf der krampfhaften Suche nach langfristiger Sicherheit und Absicherung hat schon Mancher Geld, Kraft und Zeit „in den Sand gesetzt“. Der JüngerInnenkreis des Jesus von Nazareth hat in ihm den Garanten gesehen, dass Leben gelingt, wenn es auf ihn, nämlich den verlässlichen „Fels in der Brandung“ gebaut ist.

„Sand am Meer“ scheint nichts Besonderes zu sein. Jede Menge davon ist zu haben, unzählbar die Sandkörner. Im Ersten Testament (dem „Alten“) ist es ein Bild für die unzähligen Nachkommen des Stammvaters aller Glaubenden in Judentum, Christentum und Islam, Abraham. Gott sagt ihm zu, seine Familie zu mehren wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand und sie zum Segen zu machen.

Vielleicht braucht es den inneren und äußeren Abstand, um sich inmitten einer Flut von Unsicherheiten als Segen zu begreifen, unter der liebevollen Zuwendung jenes Gottes, der jeden auf seine unverwechselbare Weise Sonne, Sand und unendlich mehr entdecken lässt, ob zu Hause oder am Strand.

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