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Mettmann: Kalksteinbruch Hoffnung als Touristen-Magnet

Weiterer touristischer Ausbau des Neandertals : Besuchermagnet Kalksteinbruch

Temporär aus seinem Dornröschenschlaf geweckt, wurde der Kalksteinbruch jetzt bei einer Tour als Mega-Attraktion gelobt. Es gibt Ideen, ihn touristisch zugänglich zu machen. Mehrere Millionen Euro brutto soll der Park mit seinen Attraktionen jährlich bringen. Verwaltung und Bezirksregierung tun sich schwer mit der Erschließung.

Die Resonanz war riesig, 300 Interessierte hatten sich zur Tour um Mettmanns Lagune angemeldet, 30 Teilnehmer fanden sich jetzt am Kalksteinbruch im Neandertal ein. Denn wegen der durch die Corona-Pandemie bedingten Abstands- und Hygieneregeln war die Zahl der Teilnehmer begrenzt. „Die Tour war innerhalb von 24 Stunden ausgebucht“, erklärte Mitorganisatorin Sandra Pietschmann, die gemeinsam mit dem Mitbesitzer des Kalksteinbruchs Willi Schaefer zu dieser Führung rund um den idyllischen See eingeladen hatte. Und wegen des überragenden Interesses sollen weitere Touren organisiert werden.

Mit dabei bei der Auftaktsrunde war etwa Ilona Bungert-Dellit. „Ich bin erstmal neugierig“, verriet die Mettmannerin und gestand, sie habe den „Steinbruch noch nie gesehen“. Auch das Nutzungskonzept interessiere sie. Die Eigentümer planen nach der Stilllegung des Steinbruchs im Jahr 2021/22 rund 9,5 Hektar der Gesamtfläche von 92 Hektar touristisch zu nutzen. „Wenn das mit dem Naturschutz vereinbar ist, ist das super.“ Besonders die geplanten Wohnmobilstellplätze findet sie gut, denn bislang „gibt es nur einen einzigen Stellplatz mitten in Mettmann“.

Bernd Wychlacz von der Touristeninfo war begeistert von der „Mettmanner Lagune“, „was für ein Anblick!“, schwärmte er. Ihn interessiere alles rund ums Neandertal, Neuerungen wie den Spielplatz am Museum lobt er. Nun fehle nur noch die Umsetzung des Nutzungskonzepts des Steinbruchs, dann würde sich alles zusammenfügen.

Willi Schaefer von den Kalkwerken im Neandertal machte zum Tourauftakt exakte Angaben zum Objekt. „Es handelt sich um ein 92 Hektar großes Gelände. Hier befand sich ein warmes Flachmeer mit Korallen. Was Sie hier sehen, ist nichts anderes als ein verfestigtes Korallenriff.“ Der See des Steinbruchs fasst derzeit 80 Millionen Kubikmeter Wasser in Trinkwasserqualität. 1916 ist der Steinbruch in Betrieb gegangen. Die Abbaugenehmigung geht bis Ende 2021. „Bis Ende 2022 haben wir die Rückbauverpflichtung zu erfüllen.“ Bereits vor zehn Jahren wurde ein Nutzungskonzept entwickelt, diese Oase im Neandertal ökologisch-touristisch zu nutzen.

Diese Entwürfe wurden überarbeitet und weiter entwickelt, wie Wolfgang Robrahn, einer der Unterstützer des Nachnutzungsprojekts, weiß. Bisher sind zehn Prozent der Fläche befestigt. Davon werden 20 Prozent bebaut, „die verbleibenden 80 Prozent werden wieder grün.“ Und Willi Schaefer betont: „Alles, was Sie an Grün sehen können, bleibt grün. Die Wege gibt es schon. Es wird kein einziger Baum gefällt, aber es werden weitere 1000 Bäume gepflanzt.“

Bei der Stadtverwaltung allerdings stoße das Nutzungskonzept auf „taube Ohren. Wir sind inzwischen soweit, dass sogar Verbote ausgesprochen wurden, sich mit unserer Sache zu beschäftigen“, erklärte Schaefer. Landtagsabgeordneter Christian Untrieser (CDU) fasste seine Sicht der Dinge zusammen: „Wir könnten das Gelände als Naherholungsgebiet und ökologische Bildungsstätte nutzen – oder es kommt 2022 ein Zaun drum und kann nicht mehr besichtigt werden.“

Die Bezirksregierung täte sich schwer mit der Erschließung. „Das bekommen wir nur hin, wenn wir viel Rückenwind aus der Bevölkerung haben“, erklärte Untrieser.