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Mettmann: Grundschulen schlagen Alarm

Corona-Lage in Mettmann : Mettmanns Grundschulen schlagen Alarm

Die Infektionslage in Mettmann und anderen Kreis-Städten scheint außer Kontrolle zu sein. In den Grundschulen macht sich Unmut breit.

25 Seiten umfasst die Liste der Kitas und Schulen, die im Kreis Mettmann aktuell mit Corona-Fällen zu kämpfen haben: „Alle Einrichtungen sind betroffen“, bestätigt Kreissprecherin Daniela Hitzemann. Die Lage vor Ort sei allerdings sehr unterschiedlich: Von einem Einzelfall bis zur Schließung kompletter Klassen oder Kita-Gruppen taucht in der Liste alles auf. Damit stellen Kinder im aktuellen Infektionsgeschehen einen „hohen Anteil“ der Infizierten dar, erklärt Daniela Hitzemann. Mit der neuen Teststrategie in Förder- und Grundschulen dürfte sich die Lage noch einmal verschärfen, befürchten Lehrer.

Bisher haben die Schüler in Grund- und Förderschulen mehrmals pro Woche einen Pooltest gemacht und parallel dazu eine Einzelprobe abgegeben. Für den Pooltest landeten alle Teststäbchen in einer Tüte und wurden zusammen ausgewertet. Stellt das Labor dabei einen positiven Fall fest, werteten die Mitarbeiter auch die Einzeltests aus. Auf diese Weise sollten die infizierten Schüler vor Unterrichtsbeginn am nächsten Tag bereits von ihrer Infektion wissen und zu Hause bleiben. Alle anderen mit negativem Testergebnis konnten weiterhin die Schule besuchen. Seit dem Ende der Weihnachtsferien gab es diese Regelung.

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Anfangs funktionierte das, nach wenigen Tagen wurde auf die Auswertungen der Laboratorien gewartet. Die ausbleibenden Testergebnisse sorgen für Frust. „In der vergangenen Woche ist das voll gegen die Wand gelaufen“, lautet der Tenor der Mettmanner Schulleiter. Die Labore sind komplett überlastet, „wenn es gut läuft, bekommen wir die Testergebnisse am Abend“, sagt Anja Schlösser-Schnelting von der ALS – damit ist gerne 22 Uhr gemeint. „Oft kommen die Ergebnisse erst am nächsten Tag“, weiß Sabine Melka, Schulleiterin der Katholischen Grundschule. Im Labor irrtümlich vertauschte Tests und dann das Dilemma mit den Infos für die Erziehenden, welche Kinder wie lange in Quarantäne müssen – „das Fazit seit dem Schulstart: Es ist die Hölle“, lautet die Schulleiterbilanz. Aber es geht noch schlimmer.

Die neue Teststrategie, die das Schulministerium nun vorgestellt hat, sorgt für weiteren Ärger: „Grundschule heißt jetzt für alle Beteiligten, also Kinder, Lehrer und Eltern, ein Leben am Limit“, sagt Anja Schlösser-Schnelting über die aktuelle Vorgehensweise: „Es ist keine Abgabe von Einzel-PCR-Rückstellproben an die Labore mehr vorgesehen. Schüler eines negativ getesteten Pools nehmen wie gewohnt am Präsenzunterricht teil. Schüler eines positiv getesteten Pools werden am nächsten Tag zu Unterrichtsbeginn in den Schulen mit Schnelltests getestet“, erklärte das Ministerium. Als müssten 30 Kinder, von denen mindestens eins einen positiven Test hatte, gemeinsam in die Schule kommen, dort einen Schnelltest durchführen – und dabei die Maske abnehmen. Dadurch werden Schüler und Lehrer der Gefahr einer Infektion ausgesetzt. „Dazu müsste uns das Ministerium eine MTA oder einen Medizinstudenten an die Seite stellen“, fordern die Lehrer. „Wir sollen testen?“, fragen die Schulleiter fassungslos. „Da rennen wir ins offene Messer: In Testzentren und Krankenhäusern trägt jeder Schutzbekleidung. Und wir?“

„Wir schlagen angesichts der Situation alle die Hände über dem Kopf zusammen“, erklärt Sabine Melka als Sprecherin aller Mettmanner Grundschulen. „Das ist eine tickende Zeitbombe, bis bei uns die letzten Kräfte verbraucht sind.“ Dürfte sie sich etwas wünschen, wäre das ein „Testzentrum nur für die Grundschulkinder, das sie aufsuchen, bevor sie ins Klassenzimmer kommen“, sagt Sabine Melka. Denn am Präsenzunterricht wird nicht gerüttelt.

Übrigens: Schulen und Kitas gehören ausdrücklich nicht zu den Infektionstreibern, betont Kreissprecherin Daniela Hitzemann. „Die Infektionen fallen dort nur auf, weil regelmäßig getestet wird.“ Infizieren würden sich Kinder oft an anderer Stelle – vor allem im privaten Bereich. Hitzemann: „Das Infektionsgeschehen ist weiter diffus.“ Und angesichts der explodierenden Zahlen offenbar auch außer Kontrolle.

(tobi/von)