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Mettmann: Gastronomen sehnen Wiedereröffnung herbei

Feierabendbier und Absacker wieder in der Lieblingskneipe genießen : Gastwirte sehnen Wiedereröffnung herbei

Die Wirte hoffen auf ein bisschen mehr Normalität. Dass sie nun öffnen dürfen, stimmt sie zuversichtlich – verleitet aber nicht zu Euphorie. Zu massiv waren die Einbußen, die sie während der Zwangspause einstecken mussten.

Ab Montag ist der Einkehrschwung zum Feierabendbier in die Lieblingskneipe wieder möglich. Theoretisch. Praktisch müssen einige Bedingungen erfüllt werden, beim Kneipier seines Vertrauens sollte zuvor reserviert worden sein. Und obwohl auch die Gastronomen viele lange Listen abarbeiten mussten, um nun wieder Gäste begrüßen zu dürfen, atmet die Branche auf.

„Wir freuen uns wie Bolle“, beschreibt Peter Ratajczak wohl stellvertretend für alle die Gefühlsgemengelage. „Jetzt haben wir wieder mehr Timbre in der Stimme, denn wir haben ein Ziel.“

Sein Irish Pub hatte seit St. Patrick’s Day geschlossen. „Wir hatten 60 Tage keinen Umsatz und die Kosten laufen weiter“, beschreibt der Gastronom Ausgaben für Miete, Versicherungen und Beiträge für die Berufsgenossenschaft. Außerdem musste er wie so viele Kollegen Kurzarbeit anmelden. „Wir sind ein gestandenes Familienunternehmen“, beschreibt er sich plus Ehefrau Helga im Team mit Festangestellten und Aushilfen. „Aber noch länger hätten wir nicht durchgehalten.“

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Mit Sorgen um schlimme wirtschaftliche Abstürze ist er nicht allein. „Ja, ich freue mich riesig“, pflichtet auch Nikolaus Karagiannis vom „Türmchen“ bei. „Aber ich habe auch Bauchweh, weil ich nicht weiß, wie die Stimmung ist mit Maske, Hygienevorschriften und dem einzuhaltenden Abstand. Und eventuell gibt es auch Gäste, die in jeder Kleinigkeit ein Problem sehen.“

Ebenso wie der „Dingle’s“-Betreiber reduziert er um 50 Prozent der Plätze, um öffnen zu dürfen. Normalerweise verfügt er über 20 Restaurantplätze und 80 weiteren auf der Terrasse. „Wichtig ist, dass reserviert wird, das ist absolut erforderlich, einmal damit wir die Hygienevorschriften einhalten können, und auch, um Wartezeiten zu vermeiden.“

Mit der einst von Peter Alexander in „Die kleine Kneipe in unserer Straße“ besungener Romantik hat das Gastro-Gewerbe schon lange nichts mehr zu tun. Davon weiß auch Mladen Ivankovic, Betreiber des „Frankenheim“ ein trauriges Lied zu singen. Die Umsatzeinbußen beziffert er mit 100 Prozent. „Wir freuen uns riesig die Stammgäste wiederzusehen“, die erzwungene Pause nutzte er zur Renovierung und um die behördlichen Auflagen umzusetzen. So gibt es neue Kennzeichnungen und Beschriftungen, Aus- und Eingang sind neu strukturiert. Auch „Pizzaleum“-Betreiber Martin Roos war aktiv: der Mindestabstand zwischen den Tischen beträgt zwei Meter, damit Begegnungsverkehr entfällt, gibt es nur eine Laufrichtung, die Kinderspielecke ist passé und Aus- und Eingang sind entkoppelt, der Ausgang geht jetzt über die Terrasse.

Viel Aufwand, um endlich wieder kostendeckende Umsätze zu erwirtschaften. Die hatte auch Roos nicht, obwohl er mit einem Außer-Haus-Verkauf die schlimmsten Ausfälle kompensieren wollte. Letztlich ließen sich damit zehn Prozent der herkömmlichen Einnahmen kompensieren. Dehoga-Pressesprecher Thorsten Hellwig ist skeptisch. „Die Lockerungen werden ohne ein ergänzendes Rettungspaket nicht viel bringen. Die Einschläge sind zu massiv und zu groß. Der Verband forderte etwa finanzielle Zuschüsse, „sonst droht der Kahlschlag – gerade bei kleineren Betrieben.“

Und nicht alle werden wie „Dingle’s“ und Co. Montag öffnen. Außer die Tische auseinander zu schieben, müssten Gastronomen etwa planen, wie viel Personal sie einsetzten, wie sie die Nachverfolgung von Kontakten organisierten und ob die Lieferketten für Lebensmittel wieder funktionierten.