Mettmann: FHDW arbeitet gegen Fachkräftemangel

Kreis Mettmann: FHDW kämpft gegen Fachkräftemangel

Viele kleine und mittelständische Unternehmen in der Region ringen um Fachkräfte. In der FHDW haben sie jedoch einen starken Partner, der angehende Nachwuchskräfte anspricht und sie zu qualifizierten Mitarbeitern ausbildet.

Die Stellenangebote am Schwarzen Brett der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) klingen verlockend. Firmen in der Region suchen gut ausgebildete Fachkräfte und bieten eine attraktive Bezahlung, Boni und Dienstwagen, Anbindung an ein gut funktionierendes Team, die Möglichkeit zur Weiterbildung und internationalen Einsätzen. „Der Mittelstand wirbt intensiv um qualifizierte Nachwuchskräfte“, weiß Professor Andreas Brandt, Leiter der FHDW. Doch der Fachkräftemangel macht sich auch im Kreis Mettmann bemerkbar: „In vielen IT-Berufen dauert die Besetzung offener Stellen sehr lange“, sagt Brandt. Und das ist ein ernst zu nehmendes Problem: „Der Fachkräftemangel ist für den Wirtschaftsstandort schädlich.“

Brandt muss es wissen, denn er hat über dieses Thema promoviert. Als Partner der mittelständischen Unternehmen der Region weiß er um ihre Probleme - und sitzt zugleich mit ihnen in einem Boot. Denn die Betriebe können nur dann eine angehende Fachkraft für ein Duales Studium zur FHDW schicken, wenn sie eine solche auch gefunden haben.

Daher beteiligt sich auch die FHDW aktiv und rege an der Nachwuchswerbung, vor allem im Bereich Wirtschaftsinformatik. „Wir suchen die Nähe zu Schulen im Regierungsbezirk Düsseldorf“, berichtet Brandt. Und auch bei diversen Ausbildungsbörsen ist die FHDW präsent. Die nächste ist am 22. September in Velbert, veranstaltet vom Verein „Die Schlüsselregion“. Dessen Geschäftsführer Thorsten Enge erfährt regelmäßig von seinen Mitgliedsbetrieben, wie schwierig es ist, gute Nachwuchskräfte zu bekommen: „Wir merken das jetzt schon ganz stark, und nach meinem Empfinden ist das auch erst der Anfang.“

Enge berichtet von einer langen Betriebszugehörigkeit, die die Mitarbeiter der meist Familien geführten Unternehmen in der Region vorweisen können. Die Vorteile sind für beide Seiten Kontinuität und Treue. Der Nachteil ist, dass Belegschaften gemeinsam altern, so dass mit den geburtenstarken 1960er-Jahrgängen viele gleichzeitig in Rente gehen werden. Ihre Stellen müssen schon bald wieder besetzt werden.

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Dabei haben die im Kreis Mettmann ansässigen Unternehmen auch jenseits der Großstädte gute Argumente: „Ab einem Alter von Mitte 30 wird unsere Region hochattraktiv“, weiß der Familienvater, der selbst nur noch sehr ungern in einer Großstadt leben wollte. Die Menschen ziehen nämlich dann hierher, wenn die Beschäftigten sesshaft werden, eine Familie gründen und ihren Kindern ein weitgehend intaktes Umfeld bieten wollen.

Die Wurzel des Problems liegt bereits in den Schulen, ist Brandt überzeugt. Von 22.500 Lehrern mit den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften haben in NRW gerade mal 1336 die Lehrbefähigung in Informatik. Hingegen gibt es 8967 Religionslehrer. „Ich glaube, da läuft irgendetwas schief im Zeitalter der Digitalisierung. Wir haben totale Fehlanreize im System“, sagt Brandt. Informatik komme „auch im Abitur nur am Rande vor“, sagt Brandt: Nur 0,6 Prozent aller Schüler in NRW haben Informatik als Abifach. Hier müsse die Politik umgehend handeln: „Das Problem müssen wir lösen. Die nächsten 20 Jahre werden die entscheidenden sein.“

Die FHDW versucht, dem Trend des Fachkräftemangels entgegenzuwirken - und das zum Vorteil auch des Kreises: „Neun von zehn unserer Absolventen haben einen Anschlussvertrag, wenn sie ihr Studium bei uns beenden“, weiß Brandt. „Und viele davon bleiben in der Region.“ Der „Brain-Drain“,  also die Abwanderung von Bildung und Wissen in andere Regionen, ist für die FHDW damit kein Thema.

Die Ausbildungsbörse des Vereins „Schlüsselregion“ ist am 22. September von 10 bis 13 Uhr im Forum Niederberg in Velbert.

(arue)
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