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Mettmann: Fahrradkonzept der Stadt erregt Unmut

Mettmann : Fahrradkonzept der Stadt erregt Unmut

Das Thema „Radverkehr“ schlägt bereits jetzt hohe Wellen, noch bevor sich der Verkehrsausschuss am 21. November damit befasst. Denn mit dem Verwaltungsansatz sind einige Fraktionen unzufrieden.

Wenn sich am Mittwoch kommender Woche eine neue Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Mettmann gründet, dann hat der Verkehrsausschuss über das Thema „Radverkehr“ womöglich schon getagt. Denn seine Sitzung beginnt am gleichen Tag bereits zweieinhalb Stunden zuvor. Die Chancen sind allerdings groß, dass sich die Sitzung aufgrund verstärkten Redebedarfs in die Länge zieht. Denn schon jetzt äußern Fraktionen Unmut zu der Vorlage der Stadtverwaltung.

Von einer „peinlichen Form“ spricht Hans-Günther Kampen, Fraktionsvorsitzender der UBWG. Ähnlich äußert sich auch der Fraktionsvorsitzende der CDU, Richard Bley: „Die entsprechende Sitzungsvorlage für den nächsten Ausschuss kann nur als enttäuschend bezeichnet werden.“ Daher wolle die CDU nötigenfalls auch „Entscheidungen gegen die Verwaltungsmeinung schaffen.

Was ist passiert? Die Stadt Mettmann arbeitet zurzeit an einem Radverkehrswege-Konzept. Das ist dringend nötig, wie sich auch am Stand der Mobilen Redaktion der RP im Sommer zeigte – viele Mettmanner bewegt das Thema, zeigten dazu Gesprächsbedarf. Sie erwarten, dass die Stadtverwaltung die Bedingungen für Radfahrer in der Kreisstadt verbessert. Im September dieses Jahres begab sich Peter Martin von der AG Verkehrspolitik des ADFC, Kreisverband Mettmann, gemeinsam mit Michael Niklas vom Stadtverband der CDU auf eine Besichtigungstour durch Mettmann.

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Dabei erarbeiteten sie mehrere Verbesserungsvorschläge, die die CDU in Form eines Antrags mit Wunsch auf Umsetzung an die Stadtverwaltung weitergab. Einige davon stoßen auf Wohlwollen bei der Stadtverwaltung; teilweise wurden diese auch schon umgesetzt – so zum Beispiel die Aufhebung der Nutzungspflicht des Radweges an der Bahnstraße oder die Aufhebung der Einbahnstraßenregelung für Radfahrer am Königshof. Der ADFC hat darüber hinaus jedoch noch weiter gehende Vorschläge. Auf sie hat die Stadtverwaltung nun eine Antwort formuliert, die der Verkehrsausschuss in der kommenden Woche diskutiert und die bereits im Ratsinformationssystem veröffentlicht ist – eben jene Vorlage, die Politiker jetzt als „peinlich“ und „enttäuschend“ bezeichnen.

Die Vorschläge des ADFC umfassen unter anderem die Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer sowie die Aufhebung der Radwegenutzungspflicht an der Talstraße (maroder Radweg), der Bergstraße (für Radfahrer gefährliche Streckenführung) sowie an der Seibelquerspange ab Einmündung Schwarzbachstraße bzw. ab Einmündung Lutterbecker Straße (drei zusätzliche Straßenquerungen für Radfahrer sind dazu nötig).

Zugleich lehnt der ADFC es ab, ein Radfahrverbot auf der Seibelquerspange einzurichten und eine Benutzungspflicht eines gemeinsamen Fuß- und Radwegs einzuführen. „Dies wäre ein Eingriff in den fließenden Verkehr, der nicht zu rechtfertigen und für die Förderung des Radverkehrs kontraproduktiv wäre“, begründet Radverkehrs-Experte Peter Martin diese Einschätzung.

Die Stadtverwaltung antwortet nun, „den Vorschlägen des ADFC sollte nicht gefolgt werden. Die Straßenverkehrsbehörde wird keine verkehrsrechtlichen Anordnungen erteilen, bei denen die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern schon im Vorfeld in Frage gestellt wird – wie am Beispiel der Freigabe in der Fußgängerzone“, heißt es in der Vorlage. So sei eine Freigabe der Fußgängerzone für Radfahrer aufgrund des starken Gefälles nicht verantwortbar. Und anders als die Radfahrer beurteilt die Stadtverwaltung den Radweg an der Talstraße als „in einem guten bis zufriedenstellenden Zustand“. Genügend Gesprächsstoff also für die kommende Sitzung des Verkehrsausschusses.