Hilfe in Mettmann, Erkrath, Wülfrath Wer nimmt Ukraine-Flüchtlinge auf ?

Mettmann/Erkrath/Wülfrath · In Mettmann fehlen Unterkünfte für geflüchtete. In Erkrath soll über ein seit zwei Jahren verwaistes Hotel erneut gesprochen werden. Wülfrath hat 30 Plätze frei.

 Sie floh vor dem Krief: Mutter und Sohn aus der Ukraine bei der Ankunft in Deutschland.

Sie floh vor dem Krief: Mutter und Sohn aus der Ukraine bei der Ankunft in Deutschland.

Foto: dpa/Boris Roessler

197 geflüchtete Menschen lebten im Dezember 2021 in den fünf städtischen Gemeinschaftsunterkünften in Mettmann. Nun kommen Frauen und Kinder hinzu, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind. Laut dem im Integrationsrat vorgelegten Bericht des Sozialdezernats wird das zum Problem. Dort steht auf Seite vier, dass „der aktuell zur Verfügung stehende Wohnraum für die Unterbringung der im Jahr 2022 neu unterzubringenden Personen nicht ausreichen“ wird.

Auf der anderen Seite gibt es eine große Bereitschaft, zu helfen – bis hin zu privaten Hilfsaktionen und Spendenfahrten an die ukrainische Grenze (wir berichteten). „Ich bin von dem Wunsch der Bürgerinnen und Bürger überwältigt, schnell zu helfen“, erklärt Bürgermeisterin Sandra Pietschmann. Zurzeit prüfe die Stadtverwaltung unterschiedliche Möglichkeiten. Das Sozialamt werde mit den Wohlfahrtsverbänden Kontakt aufnehmen. Man warte auf Weisungen des Landes.

Die Stadt Mettmann möchte auf ihrer Homepage Vereinen, Organisationen, Verbänden oder Privatpersonen, die Hilfsaktionen durchführen oder planen und noch Spenden und Hilfsgüter brauchen, unterstützen. Dazu müssen Kontaktdaten (Telefon, Mail-Adresse) angegeben werden, damit sie auf der Internetseite und / oder auf der städtischen Facebook-Seite veröffentlicht werden können. Hinweise werden unter der Mail-Adresse ukraine-hilfe@mettmann.de entgegengenommen.

Auch die Erkrather Verwaltung macht sich Gedanken über die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen. Zur konkreten Verteilung durch Bund und Land soll es am Mittwoch nach einem Gespräch des Landes mit den kommunalen Spitzenverbänden Informationen geben, dann können erste Maßnahmen erfolgen. Ein Aufruf an die Erkrather Bevölkerung, geeignete Unterbringungsmöglichkeiten in Privathäusern und -wohnungen zur Verfügung zu stellen, sei dabei nicht ausgeschlossen.

Erkraths Grüne haben sich dafür ausgesprochen, einen weiteren Versuch zum Ankauf oder zur Anmietung des seit zwei Jahren leer stehenden, ehemaligen Arcadia-Hotels in Alt-Erkrath zu starten. Die Stadt hatte vor einigen Monaten Gespräche mit dem Eigentümer geführt, die offenbar an überzogenen Preisvorstellungen gescheitert waren. Das Haus verfügt über 81 ehemalige Hotelzimmer und Appartements zuzüglich diverser großer Nebenflächen und einer professionellen Küche, sodass dort „sehr kurzfristig und ohne größere Umbaumaßnahmen eine dreistellige Zahl von Geflüchteten aus der Ukraine und auch anderen Regionen untergebracht werden könnten“, unterstreicht Grünen-Sprecher Peter Knitsch. Als Hotel solle es dem Betreiber zufolge ohnehin nicht mehr genutzt werden. Deshalb wäre diese Lösung in jedem Fall erheblich besser, als wieder das Bürgerhaus oder Turnhallen nutzen zu müssen.

Die Grünen könnten sich sogar vorstellen, eine vorübergehende Nutzung für Menschen in Not auch mit ordnungsrechtlichen Mitteln durchzusetzen, sollte der Eigentümer nicht von seinen „überhöhten Preisvorstellungen weit über dem Verkehrswert“ abrücken. Wie eine Stadtsprecherin auf Anfrage erklärt, will die Verwaltung in jedem Fall erneut Kontakt zu dem Insolvenzverwalter aufnehmen. Für die von den Grünen angesprochene Beschlagnahme fehlten aktuell aber die Voraussetzungen.

In Wülfrath steht das Rathaus in den Startlöchern, um Geflüchtete aus der Ukraine aufzunehmen. Zwischen 20 und 30 Plätze könnte man sofort dafür zur Verfügung stellen, sagt Sozialamtsleiter Mike Flohr auf Nachfrage. Für die Unterbringung von Menschen gibt es in der Stadt insgesamt 300 Plätze. Aktuell sei man noch dabei, weitere freie Plätze zu sondieren. Vom Land habe es bisher keine Anfrage an die Kalkstadt gegeben. „Noch haben wir keine Informationen dazu erhalten, ob und wie viele Menschen überhaupt kommen“, betont Flohr. Er hofft, dass noch im Laufe dieser Woche konkrete Angaben gemacht werden und vermutet, dass es vor allem Familien sein werden, die einen sicheren Zufluchtsort vor dem Krieg in ihrer Heimat finden könnten. Am Dienstagabend waren die städtischen Unterbringungsmöglichkeiten Thema im Sozialausschuss.