Mettmann: Die Geisterhäuser von Mettmann

Ruinen im Stadtzentrum: Die Geisterhäuser von Mettmann

Nachbarn klagen seit Jahren - über Müll, wild wucherndes Grün, Ruinen-Mauern und zugenagelte Fenster. Der Stadt Mettmann entgehen Einnahmen. Dennoch kann sie gegen verfallene Geisterhäuser und ungepflegte Grundstücke nicht vorgehen.

Die Bahnstraße 12 ist ein Geheimtipp zwischen den Satellitenaufnahmen von Google Earth. Denn mitten im Mettmanner Stadtzentrum zeigt das Luftbild plötzlich ein Haus ohne Dach, mit schiefen Mauern und freiliegenden Treppenhäusern. Eine Ruine. Und auch ein ganz irdischer Spaziergang zur Geisterhaus-Adresse ergibt dasselbe Bild: Hier hat noch nie jemand gewohnt.

An der Johannes-Flintrop-Straße wurde zwar vor Jahren mit der Sanierung des Dachstuhls begonnen, aber plötzlich stoppten die Arbeiten. Seitdem hat sich nichts mehr getan. Foto: Stephan Köhlen

Es sieht allerdings auch nicht so aus, als würde sich das in absehbarer Zeit ändern. "Das ist ein furchtbarer Anblick. Und wir haben alle Angst vor den Ratten und dem ganzen Ungeziefer, das sich in der Ruine sammelt", schimpft ein Nachbar. "Da müsste die Stadt doch endlich mal durchgreifen."

Wuchernde Pflanzen, zugenagelte Fenster

Dasselbe Bild, eine andere Adresse: Johannes-Flintrop-Straße 90. Bauschutt und Müll liegen wild durcheinander. Vor mehr als drei Jahren, so berichten Anwohner wurde hier ein Umbau begonnen, dann aber einfach abgebrochen. Seither hat sich das unfertige Haus zu einer Abladestelle für Unrat entwickelt. Und auch hier leiden Anwohner, jeden Tag. "Von wild wuchernden Pflanzen, verstopften Dachrinnen bis hin zugenagelten Fenstern - das Haus ist zu einem Schandfleck in der Straße geworden", schimpft Anliegerin Ulrike Kircher-Poetsch. Auch sie hat bereits städtische Ämter, darunter das Ordnungsamt, um Hilfe gebeten. Vergeblich.

Kurt-Werner Geschorec, bei der Stadt Mettmann unter anderem für Stadtentwicklung zuständig, kennt die Klagen. Eigentlich sollte auch eine Stadt wie Mettmann ein Interesse daran haben, bei einer gegebenen Infrastruktur möglichst optimale Steuereinnahmen zu erzielen.

Von der Pflege des Stadtbildes ganz zu schweigen. Geschorec beteuert dennoch, dass die Verwaltung nicht tätig werden kann: "Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es keine rechtliche Eingriffsmöglichkeit gegen einen 'unschönen Anblick' gibt.

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Der Stadt sind die Hände gebunden

Wenn von dem Grundstück eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht, beispielsweise der freie Zutritt zu ungesicherten Ruinen oder aber Müllablagerungen mit Ungezieferplage, bestehen Zustände, die einen Eingriff rechtfertigen können. Wird hingegen "nur" der Nachbar beeinträchtigt oder geschädigt, ist dies auf dem privaten Rechtswege zu regeln." Letzteres ist offenbar bei den beiden genannten Adressen der Fall.

Dazu muss man aber erst einmal jemanden auftreiben, der für das Grundstück zuständig ist. Laut dem vom Kreis Mettmann geführten Grundbuch gehört die Bahnstraße einem Mann mit einer Adresse in Papenburg. Wer weiterforscht, findet den Hinweis, dass dieser Herr seit Ende August 2016 nicht mehr Geschäftsführer einer Immobilienfirma ist. Ein Kontakt: nicht möglich.

Ähnlich gilt für das andere Geisterhaus-Grundstück: Es ist auf eine Frankfurter Unternehmensberatung eingetragen. Diese Firma hat sich aber überall mit einem passwortgeschützten Konferenz-Telefonsystem registrieren lassen. Verantwortliche sind auch in diesem Fall nicht ohne Weiteres zu ermitteln.

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(RP)