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Mettmann: Corona-Pandemie bremst den Bürgerbus aus

Bürgerschaftliches Engagement in Mettmann : Corona-Pandemie bremst den Bürgerbus aus

Das Angebot sollte im Herbst starten, der Zuwendungsbescheid für die Busbeschaffung liegt seit dem Frühjahr vor. Doch das Risiko ist zu groß: Fahrgäste und Fahrer gehören größtenteils zur Risikogruppe.

Der Start ins Jahr hätte für die umtriebigen Mitstreiter des Bürgerbus-Vereins nicht besser laufen können. Für ihr Projekt standen alle Signal auf „Grün“. Zur Erinnerung: Der „Bürgerbusverein Mettman“ war gegründet, das geplante Konzept, die Linienführung, der Fahrplan, die Finanzplanung wurden der Stadt Mettmann, dem Kreis sowie der Rheinbahn vorgestellt und jeweils einhellig begrüßt.

Alles schien wie am Schnürchen zu klappen, denn auch mehr als 40 Fahrerinteressenten wurden bereits für das Projekt gewonnen, mehrere Informationsveranstaltungen in der Stadt durchgeführt, „die Resonanz in der Öffentlichkeit war äußerst erfreulich“, wie Geschäftsführer Klaus Bartel berichtet. Auf der To-do-Liste stand eigentlich nur noch ein Posten: Ein entsprechender Zuschuss vom Land NRW sollte abgewartet werden, damit der Bus bestellt werden kann. „Im Herbst 2020 sollte es dann losgehen“, erinnert sich Klaus Bartel. Doch dann kam die Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen.

„Der Zuwendungsbescheid für die Busbeschaffung liegt seit dem Frühjahr vor, aber ist die Bestellung eines Fahrzeugs, das ja auch über Fahrgasteinnahmen finanziert werden muss, in dieser Zeit überhaupt zu verantworten?“, fragen sich die Bürgerbusler. Der Lieferungszeitraum beträgt jedenfalls etwa sieben Monate.

Der Vereinsvorstand hatte sich mit dieser Frage intensiv beschäftigt und war einvernehmlich zu dem Ergebnis gekommen, „zunächst von einer Fahrzeugbestellung Abstand zu nehmen. Die damit verbundenen Risiken erschienen einfach zu groß.“ Dieses Vorhaben sollte in den Herbst verschoben werden.

Doch die sogenannte zweite Welle stellt alles auf den Kopf. Die Problematik aber bleibt unverändert: Abstands- und Hygieneregeln müssen beachtet werden, und dies bei einer Nutzung von Personen, die sowohl als Fahrer als auch als Gäste eher zu der Risikogruppe zu zählen sind. Hilfestellung beim Ein- und Ausstieg, so wie man es von einem Bürgerbus erwartet, stellt sich schon als riskant dar; auch das Kassieren erfolgt im persönlichen Kontakt. Die eher beengte Fahrgastsitzanordnung muss hinsichtlich der Abstandsregeln überprüft, ein plausibles Hygienekonzept erarbeitet werden.

„All dies führt zu einer eher schwachen Ausnutzung des Angebotes“, vermutet Klaus Bartel auch mit Blick auf die Situation im ÖPNV sowie bei Bürgerbussen in benachbarten Städten. „Aktuell haben einige Bürgerbus-Vereine in NRW auf Grund der Corona-Lage ihren zwischenzeitlich wieder aufgenommenen Betrieb eingestellt.“

Hinsichtlich dieser Faktenlage hat sich der Vorstand in seiner vergangenen Sitzung entschlossen, von einer Busbestellung noch in diesem Jahr Abstand zu nehmen, dafür aber einen neuen Zuwendungsbescheid für das kommende Jahr bei der Bezirksregierung zu beantragen. Das gesundheitliche, aber auch das wirtschaftliche Risiko wegen einer zu schwachen Auslastung oder Fahrbereitschaft erscheint derzeit schwer kalkulierbar, zumal sich das neue Mobilitätsangebot für Mettmann, im Gegensatz zu bereits länger laufenden Bürgerbusangeboten, erst einmal einspielen muss. „Wir hoffen, dass die Betriebsaufnahme mit einem Jahr Verzögerung im Herbst 2021 umgesetzt werden kann.“