Ausstellung in Mettmann Grenzsituationen gehören zum Polizei-Alltag

Mettmann · Eine Wanderausstellung im Foyer der Kreispolizei zeigt: Beamte sind Menschen in Uniform, keine Roboter. Wegen Covid-19 ist der Zugang zur Schau eingeschränkt.

 Teil der Schau ist eine Stahlkonstruktion mit Grafikwürfeln.

Teil der Schau ist eine Stahlkonstruktion mit Grafikwürfeln.

Foto: Valeska von Dolega

Die allgegenwärtige Pandemie sorgt dafür, dass bei Kunst und Kultur vieles anders. So ist die jetzt eröffnete Wanderausstellung des Zentrums für ethische Bildung und Seelsorge im Foyer der Kreispolizeibehörde Mettmann interessant und sehenswert – und bleibt den meisten doch verwehrt. Nur, wer in der Kreispolizeibehörde einen Termin hat, bekommt sie zu sehen. Und selbstverständlich die Kollegen, die hier berufstätig sind.

„Werteorientierung in der Polizei NRW“ heißt die jetzt von Landrat Hendele als Behördenleiter der Polizei im Kreis Mettmann eröffnete Schau. Im Zentrum stehen die vielfältigen Hilfs- und Unterstützungsangebote, die Polizisten zur Bewältigung ihres Alltags bereitstehen. Das Spektrum reicht vom Seelsorger bis zu Gesprächsgruppen. „Der wichtigste Aspekt ist: Hinter jedem Beamten steckt ein Mensch“, sagt dazu Julia Lappert aus dem Presseteam der Polizei. „Mit den gleichen Problemen wie der Rest der Bevölkerung.“ Oder wie es Polizeiseelsorger Dominik Schultheis formuliert: „Beamte sind keine Roboter, sondern Menschen in Uniform“.

 Ausstellungs-Eröffnung: (v.l.) Landrat Thomas Hendele, Polizeioberrat Stefan Heimbuch, Abteilungsltd. Ursula Tomahogh und Pol.dir. Frank Lambers.

Ausstellungs-Eröffnung: (v.l.) Landrat Thomas Hendele, Polizeioberrat Stefan Heimbuch, Abteilungsltd. Ursula Tomahogh und Pol.dir. Frank Lambers.

Foto: Polizei

Was Polizisten oft an die Nieren geht, ist inzwischen die fehlende Akzeptanz – nicht allein bei Rowdys, sondern vermehrt von Leuten aus der Mitte der Gesellschaft. Die Pandemie hat manches verschärft, sogenannte Querdenker und ihre Demonstrationen sind neu, wie Julia Lappert ein Beispiel nennt.

Ob Demonstration oder Einsatz im Fußballstadion, der Ruf zu einer dramatischen Autokollision oder andere Extremsituationen, „der Polizeiberuf zeichnet sich dadurch aus, dass immer wieder Grenzsituationen erlebt werden“, heißt es dazu in der Ausstellung. „Wer sich fürs Gute einsetzt, begegnet dem Bösen.“ Wiederkehrende Begegnungen mit Sterbenden, Toten, Gefahren- oder Bedrohungsszenarien werden als psychische Belastung erlebt. Aber auch gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen, dass Beziehungen nicht rund laufen oder Freundschaften eher selten sind, weil weder Zeit, noch Energie für soziale Kontakte jenseits des Berufs bleiben, sind ein Thema bei vielen Polizisten.

Das Herzstück der Schau ist eine dreieckige Stahlkonstruktion mit drehbaren Grafikwürfeln. Auf ihnen sind verschiedene Eindrücke von Aktivitäten und Themenbereichen zu sehen, zu den besonderen Räumen, nämlich zum Raum der Stille, dem Kraftraum sowie dem Grenzgang.

Und dieser Verweis ist nicht symbolisch, sondern führt quasi aus der Schau heraus zum ZeBuS, einer Kooperation der Polizei mit der katholischen und evangelischen Kirche. Kraftraum und Grenzgang existieren tatsächlich, nämlich beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten in Selm und Brühl. Beides sind spezielle und weitergehende Angebote, die sich mit den Themen Werte und Belastungen im Polizeiberuf beschäftigen und die moralische Resilienz stärken.

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