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Mettmann: Anwohner sind sauer: "Stadt verharmlost"

Mettmann : Anwohner sind sauer: „Stadt verharmlost“

Mit einer Verkehrszählung wollen Bürger belegen, dass die Belastung in ihren Straßen gewachsen ist.

Konzentriert lehnen Claudia van Kollwijk und Jürgen Philipps an einem Geländer und beobachten die Kreuzung Nordstraße und Lutterbecker Straße. Es riecht nach Abgasen. Und wenn ein Lkw vorbeifährt, verstehen sie kaum ihr eigenes Wort. Doch geredet wird auch nicht viel: Strich um Strich zeichnen die beiden Bürger in ihre Listen ein – Anwohner von Eich- und Lutterbecker Straße zählten gestern den Verkehr.

„Das ist schon ordentlich“, sagt Claudia van Kollwijk, als sie auf ihre Liste mit den vielen Strichen schaut. Schon seit langem leiden die Anwohner unter dem starken Autoverkehr. Doch seit die Schwarzbachstraße im Innenstadtbereich verkehrsberuhigt wurde (“Netztrennung“), sei die Belastung noch einmal angestiegen, erzählen sie. „Morgens quält einen das schon sehr. Ab 6 Uhr können wir nicht mehr schlafen“, sagt die 57-Jährige, die an der Lutterbecker Straße wohnt, und Jürgen Philipps stimmt ihr zu. Er lebt an der Eichstraße, „und die Autos, die fahren da hoch wie die Weltmeister“, sagt der 68 Jahre alte Rentner.

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Beide stellen der Netztrennung, die ja bereits ihren Probelauf in den andauernden Umbauarbeiten der Schwarzbachstraße hatte, ein schlechtes Zeugnis aus. „Dieser Aufwand hat nicht die erhoffte Entlastung gebracht und hat uns total geschadet“, sagt van Kollwijk. Und Phipps ergänzt: „Dank der Innenstadtberuhigung fahren wir in Mettmann nun Riesen-Umwege, und finden trotzdem keinen Parkplatz. Man belastet nur andere Straßen – und der Einzelhandel leidet. Da wird es noch viele Pleiten geben.“

Rund 50 Aktive zählt die Bürgerinitiative, die mit ihren selbst recherchierten Zahlen Druck ausüben will. Denn die Anwohner misstrauen den Zahlen der Stadt. „Die verharmlosen das Problem“, sagt Ulrich Görgens, der gemeinsam mit Corinna Jungblut Sprecher der Initiative ist und den Verkehr bereits seit Januar 2016 zählt, um einen Langzeit-Eindruck zu erhalten. „Rasant zunehmend“, sei das Problem, findet er, und es habe sich seit der Netztrennung noch verschärft. In Stoßzeiten, so schätzt er, rollen bis zu 400 Autos über die Kreuzung. Doch die Stadtverwaltung habe vor einem Jahr „die Hände in den Schoß gelegt“, sagt Görgens. Bei ihren eigenen Zählungen gestern Morgen, Mittag und Nachmittag achteten die Bürger darauf, alle offiziellen Regeln einzuhalten, die für solche Aktionen gelten, damit sie zu belastbaren Ergebnissen führen. Mit den Ergebnissen wollen sie an die Fraktionen im Rat herantreten, um diese nochmals zu Gesprächen zu bewegen. „Ich könnte mir auch einen Workshop oder ein Forum vorstellen, um zu überlegen, wie man diese Probleme lösen kann“, sagt Görgens und verweist darauf, dass auch an anderen Stellen der Unmut der Bürger wegen der Verkehrsverlagerung wächst.

Nach einer halben Stunde ist der Job für Jürgen Philipps und Claudia van Kollwijk beendet, Ulrich Görgens und Wilhelm Gärtner lösen sie ab. „Ich bin hier schon ein Urgestein“, sagt Gärtner, der an der Eichstraße lebt. Schon immer sei der Verkehr eine starke Belastung gewesen, sagt er. „Doch seit der Netztrennung hat sich das noch verschärft.“