Mettmann: "Metropolis" nur mit Klavierbegleitung

Mettmann : "Metropolis" nur mit Klavierbegleitung

Stummfilmzeit im Haus an der Beckershoffstraße. Für Kinder gab's einen "Laurel und Hardy"-Film.

Ob der Filmklassiker "Metropolis" schon einmal hier in der Stadt gezeigt worden ist? Die Gelegenheit ergab sich nun in der Kulturvilla. Gastgeberin Constanze Backes gab dabei eine vorzügliche Conférencieuse. Schon ihr bekannter Bob-Haarschnitt stellte auf den Stilschick der Zwanziger Jahre-Filmwelt ein. Als Filmvorführer jonglierte Bodo Herlyn derweil die technischen Voraussetzungen aus. Den Anfang in die Filmzeitreise machten zwei Spaßgeschichten von "Laurel & Hardy", die der Solinger Sammler Wolfgang Günther für Kinder und ihre Eltern ausgesucht hatte.

Die hundert Zuschauer amüsierten sich prächtig. Besonders zum Quietschen geriet ein Stummfilm-Pantomime-Quiz. Dabei sollten Freiwillige aus dem Publikum auf der Bühne typische Filmsituationen wie "Ein aufziehendes Gewitter" oder "Zu spät auf dem Schulweg" in bester Stummfilmmanier ausdrucksstark, aber eben ohne Worte, darstellen. Untermalt wurden Gestik und Mimik durch das Klavierspiel von Oliver Richters. Der Gruitener Kantor hatte an diesem Tag alle Hände voll zu tun.

Neben dem Ratespiel vertonte er auf dem Bechstein-Flügel zudem in freier Improvisation die beiden "Laurel & Hardy"-Episoden und im Anschluss den fast dreistündigen Filmschatz "Metropolis" aus dem Jahr 1927 von Fritz Lang. Man muss sagen, dass ihm das - samt seiner unterhaltsamen Einführungsrede - meisterlich gelang. Die Töne tröpfelte er wie einen nie abreißenden Bewusstseinsstrom in die Ohren, im gleichen Rhythmus mit dem die schnellen Schnitte auf der Leinwand die Augen befackelten. Zur Pause mussten sich viele Zuschauer zunächst wieder sammeln. So unvorhergesehen hatte das expressionistische Werk voll Megalomanie die Mettmanner Kulturfreunde getroffen.

Viele waren von dem ewiggültigen Gehalt fasziniert; einige fühlten sich von der Bildgewalt erschlagen. Salbende Wirkung zeigten da die ruhewahrenden elf Wandtafeln des Wülfrather Künstlers Klaus Stecher zum Gilgamesch-Epos. Wie der Metropolis-Film behandeln auch sie den Moloch der Stadt als Schicksalsort. Zwischen dem Stuckgesims des goethegelben Villasaals wirken die Bilder wie Filmplakate zum unendlichen Lebensstreifen.

Sie lassen sich nicht davon beeindrucken, ob das nächste stumme Lichtspiel an der Beckershoffstraße nun wie von Backes gewünscht "Nosferatu" oder wie von Richters vorgeschlagen "Der letzte Mann" heißen wird. Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau wirft seine Schatten schon nach Mettmann voraus.

(lard)
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