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Mettmann: Marke Neanderland - ein starkes Pfund

Mettmann : Marke Neanderland - ein starkes Pfund

Bernd Günter sieht Entwicklungspotenzial. Beispielsweise gebe es im Kreis tolle Aussichtspunkte zu vermarkten.

Menschen identifizieren sich mit ihrem Land, mit ihrer Region, vor allem mit ihrer Stadt. Aber kaum einer interessiert sich für die bürokratische Verwaltungseinheit "Landkreis", außer, wenn er ein Autokennzeichen braucht. Ob man das ändern will, und wie man das für den Kreis Mettmann ändern kann, darüber referierte der "Düsseldorfer Marketing-Papst" Professor Bernd Günter vor Vertretern der Mettmanner Wirtschaft.

Günter verknüpfte die Geschichte des "Kreis-Marketings" mit seinem persönlichen Werdegang. Als er 1991 von Berlin ganz bewusst an die Heinrich-Heine-Universität gewechselt sei, habe er sich keine Wohnung in Düsseldorf leisten können. So sei er rein zufällig in Mettmann gelandet. "Ich musste mich geradezu rechtfertigen, wieso ich ins Rheinland gezogen war, und dann noch Kennzeichen ME". Um "Wurzeln zu schlagen", machte er aus seiner Passion, dem Kultur- und Stadtmarketing, ein ehrenamtliches Engagement. Zusammen mit Gerd Weniger (Neanderthal Museum), Klaus Thelen (Museum Ratingen) und Wolfgang Antweiler (Stadtarchiv Hilden) gründete er einen Arbeitskreis.

Sie waren sich einig: Wolle man sich als Landkreis gegen solche "Magneten" wie Düsseldorf, Köln und die Metropolregion Ruhrgebiet behaupten, müssten die zehn Städte zusammenhalten und etwas Verbindendes für sich finden. "Schnell war klar, was unser Alleinstellungsmerkmal ist: der Neandertaler." Bald fiel in der Runde, und niemand kann mehr sagen, von wem genau, der Begriff "Neanderland" - und eine Marke war geboren.

"Zu 80 Prozent sind Slogans von Städten Schrott", findet Günter. "Neanderland" und auch "Die Neandertal-Stadt" gehören zu den restlichen 20 Prozent. Marken finden im Kopf statt, und der Neandertaler ist auf der ganzen Welt bekannt. Bald begannen Kulturmanager, das Wort "Neanderland" zu benutzen, und die IHK Düsseldorf warb in Südamerika für den Kreis Mettmann mit den Worten "Meet the neanderland". "Wir haben diese Marke von unten nach oben eingeführt, das ist beispiellos in der Geschichte des Marketing", so Günter. Nun müsse sie nur noch mit Inhalten gefüllt werden. Das Museum ist vorhanden, die Biennale ein starkes Pfund und der Neanderland-Steig als "exzellenter" Wanderweg sei aus den Startlöchern. Man könne aber noch mehr machen. Zum Beispiel kenne er keine Region mit so tollen Panorama-Aussichtspunkten wie den Kreis Mettmann, sagt Günter. Die solle man stärker nach bewerben, und etwa die Abraumhalde des Kalksteinbruchs ebenfalls zum Aussichtspunkt ausbauen. In erster Linie soll die Marke Neanderland im kulturellen Bereich verwendet werden, etwa bei Touristik-Messen. Aber auch in der Gastronomie, Hotellerie und Industrie erhofft sich Günter Synergieeffekte. Intern betrachtet kann die Marke die Zusammengehörigkeit der Städte stärken und dazu beitragen, "Minderwertigkeitskomplexe" gegenüber Düsseldorf zu überwinden.

(tpp)