Luftfahrtpionier Erbslöh baute in Leichlingen Flughalle und stützte in Pattscheid ab

Leichlinger Luftfahrtpionier Oskar Erbslöh : Traum vom Fliegen zerschellt auf einer Wiese

Vor 140 Jahren wurde der Luftfahrtpionier Oskar Erbslöh in Elberfeld geboren. Er starb tragisch. In Wuppertal, Langenfeld und Solingen tragen Straßen ihm zu Ehren seinen Namen.

Als die Hilfsmannschaften an der Absturzstelle auf einer Wiese in Pattscheid eintrafen, gab es nichts mehr zu retten. Die stolze Luftgondel in der Form einer Zigarre war restlos zertrümmert. Die fünfköpfige Mannschaft war tot.

Oskar Erbslöh (1879-1910) aus Elberfeld war Pilot und Luftfahrtpionier. Sein Tod erschütterte damals viele Menschen. . Foto: stadtarchiv

Zu ihr gehörte der Erbauer der „Zigarre“, der bergische Luftfahrtpionier Oskar Erbslöh. Mit ihm starben am 13. Ju­li 1910 Max Ot­to To­el­le, die In­ge­nieu­re Hans-Leo Höpp, Ru­dolf Kranz und der Tech­ni­ker Jo­seph Spicks. Auf dem Probeflug, der ersten erfolgreichen Versuchen folgte, war es zu ei­ner Ex­plo­si­on gekommen. Der Was­ser­stoff, der das Luft­schiff trug, hatte sich entzündet. Die Gon­del stürz­te 600 Meter tief. Der Ab­sturz des lan­des­weit be­kann­ten Luft­schiffs und seines be­rühm­ten Erbauers löste im gesamten Reichsgebiet Entsetzen und Trauer aus.

Einsatzkräfte und Schaulustige an der Absturzstelle in Pattscheid, wo Oskar Erbslöh und seine vier Begleiter am 13. Juli 1910 starben. Foto: RP-Archiv Opladen/Repro U. Schütz/RP-Archiv Opladen/Repro: U. Schütz

Dabei hatte die Mission so hoffnungsvoll begonnen. An­fang 1909 pach­te­te der in Wuppertal geborene Erbslöh von der Stadt Leich­lin­gen für zehn Jah­re ein Grund­stück für den Bau der Hal­le. Das beschreibt Christoph Kaltscheuer in seinem Beitrag für das Internetportal des LVR „Rheinische Geschichte“. An den Bau­kos­ten in Hö­he von 65.000 Reichs­mark be­tei­lig­te sich das Deut­sche Reich mit 16.000 Reichs­mark und si­cher­te sich so bei Be­darf die mi­li­tä­ri­sche Nut­zung. Am 9. November 1909 wur­de das Bau­werk als ers­te fest­ste­hen­de Luft­schiff­hal­le Deutsch­lands eröffnet.

Oskar Erbslöh bei einem seiner zahlreichen Flugversuche  Foto: Hartmann. Foto: Klaus Dieter Hartmann

Ab Ok­to­ber gab es ers­te Flug­ver­su­che un­ter der Lei­tung Erbs­löhs. „Das nach dem soge­nann­ten un­star­ren Sys­tem ge­bau­te Luft­schiff be­stand aus ei­ner Art ver­grö­ßer­ter Bal­lon­hül­le, wel­che auf ein Me­tall­ge­rüst zur Ver­stei­fung ver­zich­te­te“, schreibt Kaltscheuer. Das un­ter­schied Erbs­löhs Kon­struk­ti­on von den Zep­pe­lin-Luft­schif­fen. „Das Erbs­löh-Luft­schiff war da­durch leich­ter auf dem Land­weg zu trans­por­tie­ren und mit ge­rin­ge­rem Auf­wand zu bau­en, war je­doch klei­ner und we­ni­ger trag­fä­hig.“ Es besaß eine Länge von et­wa 53 Me­ter und hat­te ei­nen Durch­mes­ser von rund zehn Me­tern. Kaltscheuer: „An der Baum­woll­hül­le war an Draht­sei­len die Gon­del be­fes­tigt, an de­ren Spit­ze ein Pro­pel­ler mit ei­nem 110 PS-Mo­tor das Luft­schiff an­trieb und es auf 45 Stun­den­ki­lo­me­ter be­schleu­ni­gen konn­te.“

Das Luftschiff des Pioniers Erbslöh gleicht in seiner Zigarrenform dem Zeppelin, ist aber anders konstruiert.  Repro: Schütz. Foto: RP-Archiv/Repro U. Schütz

Am 12. Dezember 1909 wur­de das Luft­schiff auf den Na­men „Erbs­löh“ ge­tauft. Nach einem gescheiterten Probeflug mit unplanmäßiger Landung überarbeitete Erbs­löh die Luftgondel. Der nächste Versuch brachte ihm den Tod. Er wurde nur 31 Jahre alt.

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