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Lieferdienste der Einzelhändler in Mettmann kommen bei Kunden gut an

Corona-Krise : Lieferdienste kommen bei Kunden gut an

Viele Mettmanner nutzen den neuen Service gern, doch um den Handel zu erhalten, müssten es noch mehr sein.

Die Lieferdienste, deren Zahl in Mettmann stetig wächst, ziehen gut eine Woche nach Beginn der vom Land verhängten Kontaktsperre und der damit einher gehenden Schließung vieler Geschäfte und Gastronomiebetriebe eine durchwachsene Bilanz. Mancherorts werden diese Dienste gerne und dankbar angenommen. Die daraus erwachsenen Umsätze schaffen es jedoch nicht, die durch die Corona-Krise wegbrechenden Einnahmen zu kompensieren. Daher stellen sich die meisten Geschäftsleute in Mettmann auf eine längere Durststrecke ein und leben, so vorhanden, von ihren Reserven.

Das zeigt eine Umfrage unserer Redaktion unter denjenigen Händlern, die der Verein „Mettmann-Impulse“ auf seiner Homepage aufführt – eine kostenlose Initiative, die bei den Kaufleuten auf positive Resonanz stößt, wie Ingo Grenzstein berichtet. „Wir sind überwältigt vom Angebot, von der Flexibilität und von der Kreativität“ – die Angebote reichen vom Pizzaservice bis zum Gassigang. Grenzstein appelliert nun an die Mettmanner: „Unsere Aufgabe sollte nun sein, das lokale Gewerbe zu unterstützen, damit in der ,Nach-Corona-Zeit’ auch noch viele tolle Geschäfte in der Innenstadt existieren und keine Leerstands-Wüste.“

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Die Unterstützung des örtlichen Einzelhandels kann sowohl in einer direkten Bestellung, als auch in einem Gutschein-Kauf bestehen. Für manchen bislang ausschließlich stationär agierenden Einzelhändler ist der via Internet eingerichtete Lieferdienst eine völlig neue Erfahrung: „Ich habe bisher mit Online-Handel oder Lieferservice nichts zu tun gehabt. Es war zwar immer geplant, ließ sich aber zeitlich nicht bewerkstelligen“, sagt Cora Fuchs, Inhaberin des Geschäftes „Miss Fox“, in dem sie Tee, Geschirr, Dekoration und Geschenkartikel anbietet. Allein am Freitag hat sie sechs Lieferungen verbucht, hinzu kommen vier Bestellungen, deren Ware sich die Kunden abholen.

Bestellungen treffen nicht nur aus Mettmann, sondern auch aus Ratingen und sogar Kiel ein. „Bei mir wird viel Tee bestellt, aber auch schon die ersten Ostergeschenke“, hat sie beobachtet. „Und was ich ganz besonders berührend finde, ich habe schon einige Durchhalte- und Mutmach- Überraschungsgeschenke zustellen dürfen. Es ist so schön, mitzubekommen, mit wie viel Herzlichkeit die Menschen gerade in diesen Zeiten aneinander denken. Das macht mir am meisten Freude“, sagt sie.

Auch Gabriele Knell, Geschäftsführerin und gemeinsam mit ihrem Mann Christoph Inhaberin des Elektro- und Küchencenters Hans van der Grinten, kann viel Positives berichten. Vom kleinen Leuchtmittel bis zur Kühl- und Gefrierkombination hat sie in der vergangenen Woche alles verkaufen können, was ihr Sortiment hergibt. Einen Handmixer haben sie ihrem Stammkunden zusammen mit der Rechnung auf die Fußmatte gestellt, „dann haben wir geklingelt und sind wieder gegangen“, erzählt sie. Andere Kunden bitten sie, den Rechnungsbetrag möglichst passend in bar bereit zu halten.

Auch Großgeräte wie eine Waschmaschine, einen Gefrierschrank oder einen Trockner haben die beiden schon verkauft. Und wenn der Kunde die Ware vorher sehen will, dann packt Christoph Knell die Kühl-Gefrierkombination auch schon mal auf die Sackkarre und fährt sie bis ans Schaufenster, damit der Kunde mal gucken kann. Ihre drei fest angestellten Mitarbeiter musste das Ehepaar „leider in Kurzarbeit schicken“. Wie lange halten sie die Durstphase wohl durch? „Bis zum 19. April sind es insgesamt vier Wochen mit der Kontaktsperre. Keiner kann uns sagen, wie es danach aussieht. Ich denke, acht bis zehn Wochen können wir durchhalten, dann wird’s irgendwo doch eng.“

Axel Ellsiepen, Inhaber des Schreibwaren- und Bürofachhandels Bovensiepen, hatte zunächst versucht, mit einer tagsüber geöffneten „Abholstation“ den Außer-Haus-Verkauf noch anzufachen. Vor die Eingangstüre zu seinem Laden stellte er einen Tisch, an dem das Verkaufspersonal die Waren den Kunden anreichte. Doch das Mettmanner Ordnungsamt nahm daran Anstoß: „Es argumentierte, dass unsere Abholstation so wirkt, als würden wir weiterhin frei verkaufen.“ Also bleibt die Ladentüre jetzt geschlossen, „und die Leute rufen vorab an, wir stellen eine Rechnung aus und liefern“. Abholen können sich seine Kunden die Ware nur noch „auf Zuruf“. Die weggebrochenen Umsätze könne über den Lieferdienst jedoch nicht aufgefangen werden, „aus der ganzen Geschichte werden wir sicher nicht ohne Federn zu lassen rauskommen, der finanzielle Schaden ist schon enorm“, sagt Ellsiepen.

Markus Romagno, Inhaber des Kurzwarenkorbs, hat sich erst vor wenigen Tagen auf der Plattform von ME-Impulse angemeldet. „Ich finde, dass für die Plattform bisher viel zu wenig Werbung gemacht wurde.“ Er habe sein Gewerbe in Zeiten von Corona komplett auf den Onlinehandel verlagert. Einen Onlineshop besitzt der Laden für Nähzubehör bereits seit vier Jahren. Er sei zu einem wichtigen Standbein geworden. Für Kunden aus Mettmann seien die Auslieferungen sogar portofrei.

Andreas Kortenhaus, der ein Juweliergeschäft führt, erzählt, dass sein Laden auf einen „Ein-Mann-Betrieb“ geschrumpft sei. Alle Mitarbeiter hat er nach Hause geschickt und macht selbst nur kleine Reparaturen in der Werkstatt. „Bisher haben wir noch keinen einzigen Gutschein verkauft“, beklagt Kortenhaus. Dabei sei die Zustellung via Post einfach möglich.

Rolf Rainer, Schuhmachermeister mit kleinem Geschäft an der Johannes-Flintrop-Straße, hat eine Klappe, in die Kunden rund um die Uhr ihre Schuhe einwerfen können. Das werde auch jetzt gerne genutzt. Die Schuhe lasse er zunächst zwei Tage lang stehen, um ein Infektionsrisiko auszuschließen. Die reparierten Schuhe lasse er dann von den Kunden abholen und per EC-Karte bezahlen. „Die Kunden sind froh, wenn sie das nutzen können“, sagt er, doch auch er muss Umsatzeinbußen hinnehmen: „Wir haben derzeit 40 Prozent vom sonst üblichen Arbeitsaufwand“, schätzt er.

Von einer „überwältigenden Resonanz“ seines Lieferdienstes berichtet Michaela Chironi vom Blumenhaus Speck. „Wir liefern relativ viel“, erzählt sie, und manchmal brechen ihre Kunden dann auch in Tränen aus – wenn zum Beispiel Angehörige älteren Menschen, die keinen Besuch bekommen können, einen Blumenstrauß als Mutmach-Geschenk liefern lassen. Aber auch Mettmanner, die jetzt ihre Balkonkästen bepflanzen wollen, nutzen den Bestellservice. Manchmal, wenn sie im Laden ist, dann klopfen die Kunden an ihr Fenster und recken den Daumen hoch. Das freut sie sehr. „So viel positive Resonanz habe noch nie in meinem Berufsleben erlebt“, sagt sie – und immerhin ist die 48-Jährige schon 32 Jahre im Geschäft. Davon leben aber können sie und die Mitarbeiter jedoch nicht. Und so hofft Chironi, „dass es sich im Mai wieder entspannt.“ Mit einer Hälfte ihres Herzens bangt die gebürtige Italienerin zudem auch noch mit ihrer Heimat: „Wir kommen aus Süditalien. Da ist die Krise noch nicht so schlimm, und meine Familie ist noch nicht betroffen.“ Aber die Sorge sei ein ständiger Begleiter. Dass sich die Corona-Krise in Deutschland ähnlich ausbreitet wie in Italien, glaubt sie indes nicht: „Die Krankenhäuser dort sind nicht mit den deutschen zu vergleichen.“

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