Mettmann: Lehrstück ohne Zeigefinger

Mettmann : Lehrstück ohne Zeigefinger

Spielarten, das Theaterfestival für Kinder und Jugendliche, gastierte in Mettmann.Gruppen präsentierten anspruchsvolle Stücke. Akteure nahmen Problemwelt der Jugendlichen auf.

Jeder weiß, was geschieht, wenn der Prophet nicht zum Berge kommt, und so ähnlich verhält es sich mit der Theaterkultur der „Spielarten“. Dieses jährliche Theaterfestival in NRW präsentiert sich dezentral in den einzelnen Kommunen, Schulen und Kindergärten.

Die Ware: ästhetisch bildendes Theater. Das Konsumverhalten: reflektiert, und dafür gibt es auch Leistungen wie Arbeitsmaterialien mit Anleitung für die schulische Vor- und Nachbereitung des Theaterbesuchs, sowie Projekttage für angehende Erzieher. Eine Theaterpädagogin steht bereit, um Aspekte der Inszenierung, wie Bühnenbild, Charaktere oder Musik aufzubereiten und die Schulvorführungen an den Vormittagen sind gut besucht und gebucht. Hierbei genießen auch jene Schüler Theater, die durch ihr Elternhaus mit der darstellenden Kunst nicht konfrontiert würden.

Futter für Herz und Geist

„Spielarten“ verteidigt und publiziert die kulturelle Lobby Theater und das ist hierbei als hehres Ziel anzusehen, denn die Tournee der Theatergruppen durch die Städte ist keine Kaffeefahrt, sondern Futter für Herz und Geist werden hier bildend ins junge Volk gebracht.

Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff betont die Bedeutung der ästhetischen Bildung für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Er lobt außerdem die Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Eine Auseinandersetzung mit dem Theater als Medium wird kreative Prozesse anregen und den Dialog mit Eltern, Lehrern und Erziehern fördern“. In der Kreisstadt Mettmann organisierte Lydia König zum vierten Mal die Teilnahme der Stadt am Festival: „Ein Gremium aus Vertretern aller teilnehmenden Städte wählt während des Jahres die Theatergruppen aus. Wir hängen die qualitative Messlatte sehr hoch: Bühnenbild, schauspielerische Leistung und die Aussage des Stücks werden kritisch begutachtet!“ Diese Art von Theater sei kein Kasperle-Zeitvertreib, sondern habe eine wertvolle Botschaft: „Die Kinder erfahren, dass speziell für sie Menschen auf der Bühne arbeiten, indem sie ihnen eine spannende Geschichte schenken!“. Dazu komme, dass zwischen Akteuren und Publikum eine Spannung aufgebaut werde, die kein Fernsehfilm erzeugen könne. Lydia König beobachtet eine wachsende pädagogische Verantwortung von Lehrern und Erziehern, da immer häufiger beide Elternteile berufstätig sind und weniger Zeit für die Erziehung ihrer Kinder haben.

(RP)
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