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Erkrath: Langsame Bewegung

Erkrath : Langsame Bewegung

Johannes Maringer möchte in Stockholm einen weiteren Europameister-Titel im Kyudo gewinnen.Die japanische Bogenschießkunst ist für den Handwerksmeister Ausgleich nach harter Arbeit.

Einen Weltmeister- und Europameistertitel im Kyudo hat der Erkrather Johannes Maringer bereits. In Stockholm will er die Chance nutzen, am 24. und 25. Mai einen weiteren Europameistertitel hinzuzufügen. Maringer hat sich nämlich in Hilden bei der Qualifikation für die Europameisterschaft einen der acht Plätze im deutschen Team erkämpft.

Zum Kyudo fand der selbständige Handwerksmeister (er ist Maler und Lackierer) erst im zweiten Anlauf. Vor etwa 15 Jahren suchte er einen Ausgleich zur vielen Büroarbeit, die mit seinem Handwerk verbunden war. Er schloss sich zunächst einem Karateclub an. Auf Dauer sei ihm dieser Sport aber zu aggressiv gewesen, räumt er heute ein.

Nach einer kurzen, sportfreien Phase schloss Maringer sich dann einem Kyudoverein in Köln an. Über seine Frau Darlene kam er schließlich vor vier Jahren nach Erkrath und ist seitdem im Kyudoverein Neandertal aktiv. Neben Reinhard Kollotzek und Günther Dauner (alle 4. Dan) ist er einer der drei Übungsleiter.

Schuss auf Strohballen

Kyudo ist eine über 500 Jahre alte japanische Bogenschießkunst. Da es weniger auf Körperkraft als auf Beweglichkeit ankommt, kann dieser Sport in jedem Alter erlernt werden. Eine gewisse Größe sollte der Interessent aber schon haben, meint Johannes Maringer, schließlich ist der verwendete Bogen etwa 2,30 Meter lang. Geschossen wird in drei Varianten. Zum einen aus kurzer Distanz auf Strohballen, um vor allem die Technik zu trainieren. Dann aus etwa 28 Metern Entfernung auf eine nur 36 Zentimeter große Scheibe oder aus 60 Meter Entfernung. In diesem Fall beträgt der Scheibendurchmesser 1,50 Meter. In Wettbewerben werden in der Regel jeweils dreimal vier Pfeile geschossen. Mit neun Treffern habe er da schon gute Chancen, ganz vorne zu landen, weiß Maringer. Immerhin ist es ihm als erstem Deutschen 2003 gelungen, in Japan den Weltmeistertitel zu holen. Damals mussten acht Pfeile geschossen werden. Der Erkrather landete sieben Treffer und holte damit den Titel.

Die Besonderheit im Gegensatz zum westlichen Bogenschießen ist beim Kyudo der sehr langsame Bewegungsablauf und die Konzentration des Schützen auf sein anvisiertes Ziel. Wie bei den fernöstlichen Kampfsportarten hat das Zusammenspiel von Körper und Geist einen besonders hohen Stellenwert. Es geht halt nicht allein um möglichst viel Kraft, auch die Konzentration auf das Ziel ist wichtig. „Kyudo ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Es bietet die Chance, sich insgesamt zum Positiven zu verändern“, meint Johannes Maringer.

Ein Außenstehender könnte als Zuschauer fast den Eindruck bekommen, eine Art Schattenboxen mit Pfeil und Bogen zu sehen. Dennoch schwirrt der Pfeil mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Kilometern in der Stunde seinem Ziel entgegen.

(RP)