Mettmann/Erkrath: Landwirt sorgt sich um Gefahrenbäume

Mettmann/Erkrath: Landwirt sorgt sich um Gefahrenbäume

An der Talstraße zwischen Jägerhaus und Museum stehen zahlreiche Bäume, die krank sind und bei einem Sturm umfallen können.

Otto Liethen (69), Landwirt und Pferdestallbesitzer von Gut Steinkaule bei Erkrath, kennt das Mettmanner Bachtal und das Neandertal wie seine Westentasche. Und er kennt die zahlreichen Bäume, die am Hang der Talstraße stehen. „Sehr viele von diesen Bäumen sind sogenannte Gefahrenbäume“, sagt Liethen. Sie seien krank, morsch, hätten keine Kronen mehr. „Es ist eine Frage der Zeit, wann der nächste Baum umstürzt“. Außerdem stehen sie auf nacktem Fels. Eine Humusschicht, die den Baum halten soll, gibt es nicht.

Am Rosenmontag brach eine 30 Meter hohe Buche ab und fiel über die Talstraße. „Glücklicherweise ist niemandem etwas passiert. Der 30 Meter hohe Baum mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern hätte einen Bus zerschlagen können“, sagt Liethen. Er ist selbst Waldbesitzer im Tal und kann sich noch gut an den 3. Januar 2014 erinnern. An diesem Tag hatte eine Sturmböe eine 25 Meter hohe Buche, die am Hang etwa 100 Meter hinter dem damaligen Café Schräglage stand, entwurzelt. Der Baum war auf einen Kleinwagen gefallen, der just in diesem Moment über die Talstraße fuhr. Der Fahrer wurde schwer verletzt, sein Beifahrer erlitt einen Schock. Die Buche stand auf dem Grundstück von Otto Liethen. Der Landwirt reagierte sofort und ließ alle Bäume, die am Hang standen, fällen. „Das Risiko, dass noch einmal etwa passiert, war zu groß.“

Liethen beobachtet seitdem die Situation im Tal genau. Nach der großen Baumrodung zwischen Café Schräglage und Museum in 2014 hatte es zahlreiche Proteste von Naturschützern gegeben. „So ein Kahlschlag dürfe nie wieder passieren“, hieß es damals. In der Tat hatten selbst Fachleute von einer zu groß dimensionierten Baumfällung gesprochen. Die Behörden hatten damals die Verkehrssicherungspflicht (VSP) ins Feld geführt. Fürs Tal heißt das: Bäume, die auf die Straße, auf Schienen oder den Geh- und Radweg zu stürzen drohen, müssen entfernt werden.

Liethen hält gerade nach den jüngsten Stürmen die Lage für sehr gefährlich. Beim Gang vom Jägerhaus bis zum Schwarzwaldhaus erklärt der Landwirt, was er meint. „Sehen Sie sich diesen Baum an, der hängt schon über dem Radweg und kann nur auf die Straße fallen. Oder der Baum dort: Die Rinde ist schon aufgeplatzt, ein Zeichen dafür, dass der Baum krank ist“, sagt Liethen. Zahlreiche Bäume besitzen gar keine Kronen mehr und sind abgestorben. „Sicherlich können dort Fledermäuse oder Spechte gut leben. Doch so ein Baum darf nicht an einer Landstraße mit viel Verkehr stehen“.

Eigentümer der Straßenrandfläche, auf der die Bäume stehen, ist der Landesbetrieb Straßen NRW. Die Buchen im oberen Bereich in Richtung Regiobahn gehören Privatleuten. Auch sie sind in der Pflicht, die Gefahrenbäume fällen zu lassen. Straßen NRW sollte 2015 mit den Eigentümern Gespräche führen. Im Zweifelsfall müsste man „Ersatzhandlungen“ vornehmen, hieß es vor vier Jahren. Straßen NRW würde dann die Bäume fällen oder fällen lassen, die Besitzer müssten die Kosten tragen. Da an einigen Stellen gleich mehrere Bäume gefällt werden müssen, seien unschöne kahle Stellen im Wald nicht zu vermeiden, erklärte der Kreis Mettmann damals.

Im selben Jahr waren Experten von Straßen NRW zusammen mit dem landeseigenen Forstbetrieb die Strecke abgegangen und hatten dabei einige Bäume als Gefahrenbäume klassifiziert. Sie wurden gefällt.

Mittlerweile hat sich die Situation aber wieder verändert. Eine neue Experten-Kontrolle der Bäume hält Liethen für unumgänglich. „Die Stürme werden sich vermutlich wiederholen. Bevor etwas passiert, muss gehandelt werden.“

Am Montag hatten wir Straßen NRW um eine Stellungnahme gebeten. Bis gestern Nachmittag blieb eine Antwort des Landesbetriebes aber aus.

Mehr von RP ONLINE