Wülfrath: Kunst einfach weggefräst

Wülfrath: Kunst einfach weggefräst

Wegen der Nordbahntrasse wurden die Street-Art-Kunstwerke der Brüder Os Gemeos von den Wänden des Rotter Tunnels in Wuppertal entfernt. Der Fotograf Frank Pabst aus Wülfrath hat sie als Fotos unsterblich gemacht.

In diesen Tagen geht die Geschichte einer spanischen Hobby-Restauratorin um, die in ihrer Heimatkirche in Borja ein bedeutendes Jesus-Fresko übermalt hat. Ebenso fassungslos macht das Schicksal der Kunstwerke, die auf den dokumentarischen Fotos des Wülfrathers Frank Papst zu sehen sind. Im Rotter Tunnel in Wuppertal hatten für vier Jahre menschengroße gemalte Gestalten ihre Heimstätte gefunden, bis sie im Jahr 2010 bei den Umbauten der Nordbahntrasse zu einem Fuß- und Radweg von der Initiative Wuppertalbewegung von den Wänden gefräst wurden.

"Ein Highlight wurde unwiderruflich zerstört" — lautet der Kommentar des gebürtigen Wuppertalers Pabst, der die 30 Wandbilder kurz nach ihrer Entstehung fotografiert hat. Schöpfer dieser "Armee der verlorenen Seelen" sind die unter dem Künstlernamen "Os Gemeos" weltweit bekannten brasilianischen Zwillinge Gustavo und Octavio Pandolfo sowie Octavios Ehefrau Nina, die unter anderem im Londoner Tate Modern Museum ausgestellt haben.

Zufällig entdeckt

  • Fußball : ASV muss in Solingen ans Limit gehen

Im Rahmen des Street-Art-Projektes "Outsides" hatte der Getränkekonzern Red Bull 2006 bekannte Künstler zusammengerufen, um im öffentlichen Raum Wuppertals Kunst zu schaffen. Die Aktion war unangemeldet. Wahrscheinlich aus diesem Grund konnten sich die städtischen Verantwortlichen nicht mit diesem eindrucksvollen Werk identifizieren.

Auf einer Wanderung hatte Pabst zufällig mit seinem Fotoapparat in den Tunnel geblitzt und war so auf die traurigen Kreaturen aufmerksam geworden. "Irgendwo im Museum hätten die Figuren weitaus weniger Wirkung entfaltet. Für sie war der feuchte, kühle Tunnel der ideale Ort", sagt Pabst. "Die Bilder waren in absoluter Dunkelheit. Bedauerlicherweise wurde es nicht als das geschätzt, was es war." Als Pabst vor wenigen Wochen den Tunnelbewohnern einen erneuten Besuch abstatten wollte, musste er feststellen, dass sie verschwunden waren. Ob das Vernichten von Kunstwerken der Street-Art mit dem Übermalen von religiösen Fresken vergleichbar ist, darüber streiten Kunsthistoriker. Street-Art sei nicht auf Dauer angelegt, sondern gehe mit den urbanen Wandlungsprozessen einher, lautet ein Argument. Entscheidend sei der Wille des Künstlers, meinen andere. Von Os Gemeos ist dieser Kommentar überliefert: "Wir könnten viele Dinge über unsere Arbeit sagen, aber wir ziehen es vor, nichts zu sagen. Wie sagen nur, dass es sehr schön war, Teil des Outsides-Projektes gewesen zu sein." Sicher ist, dass sich die Gestalter der Nordbahntrasse mit dem Entfernen der Bilder um eine touristische Attraktion gebracht haben. Vielleicht finden die "Verlorenen Seelen" ihren Weg als Fotos zurück in den Rotter Tunnel.

(RP/ac)