1. NRW
  2. Städte
  3. Mettmann

Kunden halten sich an die Maskenpflicht

Mettmann/Erkrath/Wülfrath : Kunden halten sich an die Maskenpflicht

Die Händler sind zufrieden: Alle Kunden halten sich an die Maskenpflicht, rausgeworfen werden musste noch niemand. Allerdings sind viele in der Handhabung noch unsicher. Das zeigt ein Beispiel in einem Gemüseladen.

Die ältere Dame hat eine Stoffmaske auf. Vorbildlich. Doch als sie zu den Plastiktüten greift, lupft sie die Maske ein wenig hoch und schleckt sich den Finger, um die Tüte besser öffnen zu können. Dann setzt sie die Maske wieder auf und greift mit derselben Hand zu den Zwiebeln in der Schütte, um sie einzeln – einige davon nimmt sie in die Hand und lässt sie wieder fallen – in die Tüte zu füllen. Gar nicht mehr vorbildlich. „Das habe ich nicht gesehen“, sagt der viel beschäftigte Obst- und Gemüsehändler Ugur Baydar sichtlich bestürzt und weist auf ein Schild am Eingang seines Ladens hin: „Liebe Kunden, bitte nutzen Sie bei Selbstbedienung die Handschuhe. Vielen Dank“, steht dort geschrieben. Tatsächlich hat Baydar auch Einmalhandschuhe zur freien Verfügung ausgelegt. Doch nicht alle nehmen sich welche. „Und manche stecken sich die ein und nehmen sie mit nach Hause“, sagt er.

Seit Montag herrscht beim Betreten von Bus und Bahn oder von Geschäften Maskenpflicht auch in Mettmann. Offenbar halten sich die Kunden daran, „es sind alle ganz diszipliniert“, hat Mercedes Viehbeck von „Mia Wäsche & mehr“ beobachtet. Auch Cora Fuchs (“Miss Fox“) ist erleichtert. Denn „ich habe mir schon überlegt, was ich mache, wenn jemand ohne Maske in mein Geschäft kommt. Schließlich werde ich dafür haftbar gemacht“. Im Notfall will sie den Kunden dann einfach vor die Türe begleiten und dort das Beratungsgespräch führen. Doch das war noch nicht erforderlich.

Mercedes Viehbahn lobt ihre Kunden als „sehr diszipliniert“. Foto: Cordula Hupfer

Auch die Händler gehen mit gutem Beispiel voran und haben Masken oder Visiere aufgesetzt. „Aber ganz ehrlich, das ist nicht gut mit Maske“, sagt eine Verkäuferin bei Tchibo. Einen ganzen Tag lang dieses Ding aufsetzen, „da habe ich am Montag Kopf- und Halsschmerzen von bekommen“, sagt sie. Dennoch hält auch sie die Maskenpflicht für gut: „Eigentlich kommt das Gebot zu spät“, findet sie. Das sagt auch Einzelhändlerin Cora Fuchs: „Lieber trage ich eine Maske, als dass ich zu Hause bleiben muss.“

Michaela Chironi und Kevin Lusger von Blumen Speck halten für Kunden, die ihre Maske vergessen haben, einfache Modelle bereit. Foto: Valeska von Dolega

Kundin Petra Decker schaut sich derweil die Pullover an den Ständern vor dem Modehaus Hoffstaedter an. Die ältere Dame hat eine Maske in schicken, bunten Farben an. „Da beschlägt zwar die Brille, aber es ist wohl notwendig“, sagt sie. Größere Lust zum Einkaufen habe sie dadurch nicht, „das macht noch nicht so viel Spaß. Ich gehe zwar einkaufen, aber nur für den wöchentlichen Bedarf“, erzählt sie. Und fügt dann entschlossen hinzu: „Irgendwann ist der Spuk vorbei.“

Auch eine andere Kundin findet die Maskenpflicht „in Ordnung“. „Ich habe nur Probleme mit den Hörgeräten“, die verrutschen durch die Haltegummis. „Da muss ich mir wohl Masken mit Bändern zum Knoten kaufen“, überlegt sie. Nach Mettmann ist sie an diesem Tag eigens aus Wülfrath gekommen: „Ich muss mal was anderes sehen.“ Wirklich einkaufen will sie aber nicht.

Eine pfiffige Idee haben sich derweil die Raumausstatter Christian und Matthias Schwarz in der Oberstraße einfallen lassen: Bei ihnen können die Kunden kostenlos ihre Hände waschen – unter freiem Himmel an einem Blumenkübel, den sie mit einem berührungslosen Wasserhahn ausgestattet haben. Zur Verfügung stehen mehrere edle Wellness-Seifen. Handhygiene und Abstand halten beide „für viel wichtiger als Masken“, und weil sie es irritierend finden, die Mimik nicht mehr zu erkennen, haben sie für sich selbst Visiere mit Acrylglas ausgesucht. Die Waschgelegenheit werde übrigens tatsächlich genutzt, „letztens waren ganz viele Kinder da“, sagt Christian Schwarz.

Dass bei ihrem Einkauf am späten Montagabend in einem Discounter an der Röntgenstraße in Hochdahl alle Kunden Masken trugen, findet eine Erkratherin, die nicht genannt werden möchte, natürlich vorbildlich. Irritierend fand sie hingegen, dass der Mann, den sie als Schichtleiter identifizierte, ungeschützt im Markt unterwegs war und einem Kassierer mitteilte, dass der seine Maske hinter dem Spuckschutz aus Acrylglas auch abnehmen könne. Bei Edeka Windges am Hochdahler Markt herrschen da strengere Regeln, berichtet sie.

„Bei uns tragen alle Mitarbeiter bereits seit zwei Wochen eine Maske, obwohl das beschwerlich ist“, bestätigt Betreiber Christoph Windges. Es gebe zwar für die acrylglasgeschützten Kassierer keine offizielle Masken-Vorschrift. Aber „die werden ja auch schon mal von der Seite angesprochen und dann ist es einfach für alle Beteiligten sicherer.“ Seine Mitarbeiter haben verschiedene Maskentypen ausprobiert, um herauszufinden, mit welcher sie am besten zurechtkommen.

Windges hat auch Visiere aus Plexiglas angeschafft, falls jemand partout keine Stoffmaske im Gesicht ertragen kann. Generell gilt: Wenn wenig los ist, kann eine dünne Maske getragen werden. Wenn aber viel los ist und beispielsweise die derzeit erlaubte maximale Kundenzahl im Geschäft erreicht ist (einer pro zehn Quadratmeter Freifläche), muss ein dichteres und sichereres Modell angelegt werden.

Die Mitarbeiter dürfen sich in diesem Fall aber auch zeitweilig aus den Abteilungen zurückziehen. „Es ist dann mal egal, dass vielleicht nicht alle Äpfel gleich wieder ordentlich in der Reihe liegen, die Gesundheit geht vor“, sagt Windges. Er hat sich am Montagmorgen darüber gewundert, wie diszipliniert die Kundschaft in Sachen Maskenpflicht ist. Weil viele es anfangs nicht tolerieren wollten, dass pro Person nun ein Einkaufswagen genommen werden muss, hätte Windges auch bei der jetzt geltenden Maskenpflicht mehr Widerstand erwartet. Sein Lebensmittelmarkt bietet im Eingangsbereich übrigens Einwegmasken zum Einkaufspreis an, falls einmal ein Kunde mit defekter Maske kommt. Unbelehrbare ohne Maske sind bei Edeka noch nicht aufgefallen.

Vorbildlich auch die Wülfrather. Ob an Bushaltestelle, in der Medienwelt oder dem Einkaufszentrum, fast nirgendwo in der kompletten Innenstadt gab es ein unmaskiertes Gesicht zu sehen. Selbst an der Leergut-Annahmestelle behielt eine Kundin ihre Maske auf, obwohl sie ganz alleine war. „Man kann ja nie wissen“, kommentierte sie die Vorsichtsmaßnahme. Ebenso verständnisvoll die Einkaufenden im Supermarkt, „die Maske ist nun Pflicht, also tragen wir sie“.

Die Kunden verhalten sich „absolut vorbildlich und zeigen viel Verständnis für unsere bisherigen Schutzmaßnahmen“, fasste Thomas Meuser, Gebietsdirektor der Kreissparkasse Düsseldorf in Wülfrath, zusammen. Wer die Filiale betritt, wird freundlich gebeten, die Hände zu desinfizieren.

Hätte zu Anfang des Jahres jemand mit einer Maske in der Filiale gestanden, hätten sämtliche Alarmglocken geschrillt. „Heute gehört die Maske also zu unserem Alltag. Wer keine Maske trägt, wird nicht in die Kundenhalle gelassen.“ Das klingt hart, ist aber auch so beabsichtigt – die Corona-Ausbreitung muss gehemmt werden.

Nach seiner Beobachtung verhalten sich die Menschen „wirklich vorbildlich. In unserer Kundenhalle können wir natürlich auf Grund der Maskenpflicht nichts Negatives sagen, wir beobachten das aber auch von den Straßen rund um unsere Standorte: Der Großteil der Menschen trägt Maske und hält auch den geforderten Mindestabstand ein.“