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Kriminalitätsstatistik im Kreis Mettmann: Senioren um Millionen betrogen

Kriminalitätsstatistik im Kreis Mettmann : Senioren um Millionen betrogen

Die Kreispolizei legt Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2021 vor: Die Zahl der bekannten Straftaten ging um 6,7 Prozent zurück. Sorgen machen der Betrug an Senioren und ein Anstieg bei Kindesmissbrauch.

Gefühlt und gerechnet – das sind zwei verschiedene Welten, weiß Landrat Thomas Hendele. Er präsentierte am Montag „die beste Kriminalitätsstatistik der zurückliegenden zwölf Jahre“ für den Kreis Mettmann: Im vergangenen Jahr wurden der Kreispolizei 25.688 Straftaten bekannt. Das sind 1832 Delikte – oder 6,66 Prozent weniger als im Jahr zuvor. „Und gleichzeitig sagen mir selbst Bekannte, es wird doch immer unsicherer auf den Straßen“, ergänzte Landrat Hendele ein wenig traurig bei der Bewertung der vielen Zahlen. Manchmal täusche das Gefühl eben.

Die Aufklärungsquote im Kreis Mettmann stieg leicht auf 54,31 (Vorjahr: 53,56) Prozent. Für Hendele ist das ein Erfolg. Bei der Vorlage der NRW-Zahlen hatte Landesinnenminister Herbert Reul, CDU, kurz zuvor in Düsseldorf diese Richtung ausgegeben: Reul will mindesten 60 Prozent der Straftaten aufgeklärt wissen.

Um die Sicherheit von Regionen miteinander vergleichen zu können, setzen Profis die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten ins Verhältnis zur Einwohnerzahl. Diese Kriminalitätshäufigkeitszahl liegt für den Kreis Mettmann im Jahr 2021 bei 5304; NRW-weit steht der Wert bei 6703. Daraus machte Thomas Hendele den Satz: „Die Bürger im Kreis Mettmann leben sicherer als in vielen anderen Teilen des Landes Nordrhein-Westfalen.“

 Präsentation: (v.l.) Thomas Schulte (Direktion Kriminalität), Ursula Tomahogh (Abteilungsleiterin der Polizei) und Landrat Thomas Hendele.
Präsentation: (v.l.) Thomas Schulte (Direktion Kriminalität), Ursula Tomahogh (Abteilungsleiterin der Polizei) und Landrat Thomas Hendele. Foto: Köhlen, Stephan (teph)
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Aber das ist eben der Blick von hoch oben auf alles. Einen Anstieg in der Polizeistatistik gab es bei den Sexualdelikten (+52,4 %), angetrieben von widerlichsten aller Formen – sexueller Missbrauch von Kindern (+10,7 %). Computerkriminalität (+8,93 %) und Vermögens- und Fälschungsdelikte (+0,87 %) nahmen ebenfalls zu.

Die Abteilungsleiterin Polizei, Ursula Tomahogh, lenkte den Blick auf Kriminalität gegen Senioren. Die stehen unverändert im Visier überregionaler Banden. Bei betrügerischen Anrufen geben Gauner vor, Polizisten, Enkel, Bankmitarbeiter oder Lotterieengel zu sein. 1868 solcher Anrufe wurden der Kreispolizei im vergangenen Jahr bekannt - im Schnitt also 161 pro Monat. 61 Mal kamen die Betrüger ans Ziel und zogen mehr als eine Million Euro von den Konten ihrer Opfer ein.

In Coronazeiten habe sich der Schwerpunkt hin zu Schockanrufen verlagert. Beispiel: Ein Angehöriger ringe mit dem Tod und brauche ein teures, noch nicht zugelassenes Medikament. Oder es wird gleich der gute Ruf der Polizei ausgenutzt und es meldet sich ein Fake-Kommissar Im Telefondisplay erscheint sogar eine „110“. Ursula Tomahogh: „Wenn die echte Polizei anruft, steht das niemals in der Anzeige des Telefons.“ Aber leider fallen immer noch viel zu viele Senioren darauf rein; manche sogar zweimal. Tomahogh versprach weitere Anstrengungen bei Vorbeugung und Aufklärung.

Der Leitende Kriminaldirektor Thomas Schulte beleuchtete eine Serie von entdeckten, illegalen Cannabis-Plantagen in der Kreisstadt Mettmann. Zwischen Februar und November 2021 stellte die Polizei in Mettmann 4650 Cannabispflanzen sicher, etwa ein Drittel jener Menge, die zuvor Reul als NRW-Erfolg gepriesen hatte. Die Plantagen waren nach allen Regel der Gärtnerkunst in angemieteten Lagerhallen und dem stillgelegten Hotel Bergmann in Mettmann angelegt worden. Licht, Belüftung, Bewässerung – alles fein ausgezirkelt.

Dass dann einer der Anbauer beim Rauchen selbst einen Brandmelder in Gang und die Feuerwehr in Marsch setzte, half der Polizei. „Tatsächlich haben wir Hinweise von aufmerksamen Einsatzkräften bekommen“, sagt Schulte. Im Fall der Rausch-Plantage im Hotel habe das Landeskriminalamt berechnet – rund 300 Kilogramm Cannabis hätten sich dort erzeugen lassen – errechneter Durchschnittsumsatz: 1,2 Millionen Euro.

Die Polizei hat eine Gruppe von Albanern hinter den Aktivitäten ermittelt. Bis 2014 bauten sie die Rauschmittelpflanzen im Lazarat-Tal an – bis die Polizei dort mit Hubschraubern und Panzerfäusten die Bande vertrieb. Sie habe sich in ganz Europa verteilt.

Zwei Erfolge zum Schluss: Die Zahl der Wohnungseinbrüche sei seit 2015 auf ein Viertel des damaligen Wertes zurückgegangen, sagte Hendele. Und: Im Unterschied zu den Erzählungen von Populisten weist die Statistik der Straftäter im Kreis Mettmann lediglich einen Anteil von vier Prozent Personen anderer Nationalitäten aus.