Kreis Mettmann: Waschbären geht's jetzt an den Kragen

Kreis Mettmann: Invasoren geht’s jetzt an den Kragen

Der Kreis muss noch massiver gegen so genannte invasive Arten vorgehen. Das bedeutet auch: Abschuss.

Was haben die gelbe Schein-Calla, die Nil-Gans und der Waschbär gemeinsam? Alle drei gehören zu den 16 in Deutschland am stärksten verbreiteten, so genannten invasiven Arten. Das heißt, sie gehören zu jenen Tier- und Pflanzenarten, die - einst aus dem Ausland eingeschleppt oder eingewandert - heimische Tier- und Pflanzenarten verdrängen und das Öko-System somit in Schieflage bringen.

Der Kreis beziehungsweise die bei ihm angesiedelte Untere Naturschutzbehörde ist jetzt dazu angehalten, solch invasive Arten in der Region zu identifizieren und sie zu bekämpfen. Das berichtete Klaus Adolphy, Chef der Unteren Naturschutzbehörde, im Umweltausschuss des Kreises. Anlass ist eine EU-Verordnung, die zwischenzeitlich auch ins Bundesnaturschutzgesetz einfloss und die Behörden zum Handeln zwingt. Zurzeit werden daher so genannte „Managementmaßnahmenblätter“ erstellt, also Beschreibungen und Handlungsanleitungen, wie derlei invasive Arten zurückgedrängt werden können. Dabei kann es Nilgans, Waschbär und anderen Tieren buchstäblich an den Kragen gehen, denn dieses „Management“ beinhaltet die „tödliche und nicht tödliche“ Beseitigung dieser Tiere sowie so genannte „Populationskontrollen“. Zu den Partnern, die der Kreis derzeit aktiviert, gehören neben Naturschutzvereinen oder der Biologischen Station Haus Bürgel denn auch Angler, Förster und Jäger.

Auch im Kreis Mettmann gibt es invasive Arten. In der Pflanzenwelt sind dies die im Abtskücher Teich (Heiligenhaus) bereits gesichtete Wasserpest, der Riesenbärenklau oder besagte gelbe Schein-Calla. Sie ist beliebt in Ziergärten, aber gefürchtet in freier Natur, da die mit dem Aronstab verwandte Pflanze in seltene Feuchtwaldgebiete eindringt „und heimische Arten verdrängt“, erläuterte Adolphy.

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Zu den invasiven Tierarten gehören beispielsweise Wasserschildkröten, von denen allein am Abtskücher Teich rund 50 bis 70 davon leben sollen. Auch die Nutrias vermehren sich munter. So wurden an der Winkelsmühle im Neandertal innerhalb von fünf Monaten 37 Tiere gefangen. Auch die Nil-Gans ist gar nicht so harmlos, wie sie wirkt, denn sie vertreibt aggressiv heimische Gänse- und Entenarten. Und der Waschbär sei „der größte Räuber, den man sich vorstellen kann“, sagt Adolphy.

Die Mitglieder des Umwelt-, Landschafts- und Naturschutzausschusses nahmen die Ausführungen des Experten interessiert zur Kenntnis. Sven Kübler von der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (AGNU) in Haan berichtete, dass der Riesenbärenklau auch in der Grube 7 gesichtet werde, einem unter Naturschutz gestellten, ehemaligen Steinbruch. Doch die Bekämpfung dieser Pflanze „wächst uns auch manchmal über den Kopf“, gab Adolphy unumwunden zu. Kübler bot die Zusammenarbeit des AGNU mit dem Kreis an, die Adolphy - „gerne, gerne“ - annahm.

Der Kreis muss sich jetzt in die Thematik auch mittels Fortbildungen beim zuständigen Ministerium einarbeiten und gegen die invasiven Arten vorgehen. Für das kommende Jahr hat er dazu erst einmal 20.000 Euro eingeplant - der weitere finanzielle Aufwand ist noch nicht abzusehen.