Kreis Mettmann: Fußballer Samir Bilalovic lässt sich zum Tischler ausbilden

Weiterbildungsmaßnahmen im Kreis Mettmann : Ein Fußballer wird zum Tischler

Mit 40 Jahren lässt sich Samir Bilalovic umschulen. Denn Fachkräfte werden überall gesucht.

  Er schneidet Holz zurecht, lackiert es, baut Fenster und Türen ein, Küchenschränke auf. Die Arbeit eines Tischlers ist vielseitig. Und doch hätte sich Samir Bilalovic vor rund 20 Jahren nicht vorstellen können, einmal eine Ausbildung an der Werkbank zu beginnen. Damals lebte er vom Fußball, kickte beim TSV 1860 München II, zuletzt bei Fortuna Düsseldorf, als die noch in der Oberliga spielten. „Doch mit 23 Jahren habe ich mich verletzt, da ging  im Profifußball nichts mehr“, erklärt der frühere Mittelfeldspieler. Mittlerweile ist er 40 Jahre alt, hat seitdem viel gejobbt, war unter anderem viel auf dem Bau  – alles Gelegenheitsjobs, eine Ausbildung hatte Bilalovic nicht. Nun möchte er sesshaft werden, hat jüngst geheiratet und nutzt nun die Chance einer betrieblichen Einzelumschulung, um einen vollwertigen Berufsschulabschluss zu erhalten.

Möglich ist das durch alternative Azubi-Rekrutierung von lebenserfahrenen Bewerbern. Dies wird von der Agentur für Arbeit unterstützt. Gefördert werden diese Einzelumschulungen, weil Fachkräfte überall  gesucht werden und das Risiko der Arbeitslosigkeit bei ungelernten Kräften am höchsten ist. „Momentan werden überall händeringend Fachkräfte gesucht und in den kommenden Jahren wird der Kampf um die klugen Köpfe noch größer“, erklärt Karl Tymister, Chef der Agentur für Arbeit Mettmann: „Auch durch die Digitalisierung verändern sich die einzelnen Berufe immer mehr. Daher brauchen wir viel mehr Weiterbildung.“  Die Agentur für Arbeit biete Arbeitgebern sowie Arbeitnehmern interessante finanzielle Angebote.

Dass Samir Bilalovic dann beim Innenausbaubetrieb Bell in Hilden angefangen hat, war Zufall. „Anfang letzten Jahres habe ich einen Job gesucht und hatte eigentlich in einem anderen Betrieb nachgefragt“, berichtet er. Ein Bekannter habe ihn auf Bell aufmerksam gemacht. Dort fing der in Krefeld lebende Bilalovic zunächst als Hilfskraft an. „Ich wollte schon als ich klein war etwas mit Holz machen, weil mein Opa Schreiner war.“

Im August 2019 begann er dann seine betriebliche Einzelumschulung bei Bell mit einer verkürzten Ausbildungszeit von zwei Jahren. Bis Juli 2021 heißt es für den ehemaligen Fußballer also auch, wieder die Schulbank zu drücken. „Das ist mit 40 Jahren schon etwas hart, doch so bekomme ich mein normales Gehalt weiter und habe außerdem eine verkürzte Ausbildungszeit“, erläutert Bilalovic. Mittlerweile hat er erkannt, dass etwas lernen, etwas Gutes sei und beim Hildener Innenausbau fühlt er sich wohl. „Im Jahr sind es kreisweit rund 150 Personen, die von uns bei einer Umschulung unterstützt werden“, berichtet Jürgen Vater, Weiterbildungsberater bei der Agentur für Arbeit.

Tischlermeister Jürgen Bell findet es gut, dass durch das Qualifizierungschancengesetz so kleinere Handwerksbetriebe unterstützt werden. Bell ist seit 28 Jahren selbständig, seit 23 Jahren sitzt seine Firma mit einer Größe von etwa 800 Quadratmetern und fünf Mitarbeitern an der Forststraße. In den vergangenen Jahren hat er festgestellt, dass es immer schwieriger wird, auszubilden. „Tischler ist ein vielfältiger Beruf, denn man muss viele unterschiedliche Materialien kennen“, erläutert Bell.

(isf)