Kreis Mettmann: Kreis kippt Neandertal-Türme

Kreis Mettmann: Kreis kippt Neandertal-Türme

Kreis, Städte und Neanderthal Museum haben den Ausstieg aus dem 6,4 Millionen Euro teuren Plan beschlossen. Der Zeitplan ist zu eng, um EU-Fördergelder zu sichern. 1,65 Millionen Euro Mehrkosten drohten wegen des Bodens.

Aus der Traum: Landrat Thomas Hendele verkündete gestern Vormittag das Ende des 6,4-Millionen-Euro teuren Zwei-Türme-Projekts im Neandertal. "Es drohte, dass aufgrund des engen Zeitplans von Planung, Bauen und Abrechnung EU-Fördergelder von 4,5 Millionen Euro nicht ausbezahlt werden können", sagte er gestern. Außerdem ergab das im März in Auftrag gegebene Baugrund-Gutachten einen extrem instabilen Untergrund. Die Sicherung des Panorama-Turms hätte mit immensem Aufwand, unter anderem deutlich sichtbaren Bohrpfahlwänden, gestützt werden müssen. Das hätte die Gesamtkosten um 1,65 Millionen Euro erhöht. "Wir haben die Notbremse gezogen", sagt Hendele und stoppte gestern alle Förderanträge an die EU.

Foto: Kreis ME

Enormer Kosten- und Zeitdruck

  • Mettmann : Türme-Projekt im Neandertal unsicher
  • Mettmann : Kommentar: Option für den Pfad offenhalten
  • Mettmann/Erkrath : Neandertal: Zuschüsse begrenzt

Der Katzenjammer gestern war groß, als sich die Projektbeteiligten für die bittere Nachricht versammelten. Fakt ist: Der Kreis ist gescheitert mit einem Mammut-Projekt, das dem Neandertal im Rahmen des 2010 beschlossenen Masterplans Neandertal noch mehr nationale und internationale Ausstrahlung gegeben hätte. Der Kreis, die Städte Erkrath und Mettmann sowie das Neanderthal Museum kamen seit 2010 zusehends in die Klemme. Der Grund: Der Kreis musste laut Bezirksregierung das Projekt mit Entdeckerturm und Panoramaaufzug bis zum 31. Mai 2015 bauen und abrechnen. Falls nicht, wären keine Zuschüsse aus dem EU-Förderprogramm von 4,5 Millionen Euro geflossen. "Wir bräuchten die Bewilligungen für die Aufträge, vorher konnten wir nicht aktiv werden. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo klar ist, dass wir das alles zeitlich nicht schaffen können", sagte Hendele gestern."Wenn die Fördermittel aus dem EU-Topf nicht fließen, besteht das hohe Risiko, dass wir selbst alles bezahlen müssen", sagt Hendele. Das Risiko war Kreis, Städten und Museum aber zu groß.

Zumal das Risiko noch größer geworden ist. Die Baugrunduntersuchung im März förderte Probleme zutage. Das fatale Ergebnis: Der Hang in der Umgebung des Infozentrums und des Panoramaturms ist sehr instabil. Die Sicherung des Bodens und des Turmes hätte einen deutlich erhöhten Aufwand in der Baugrube und der Bauwerke verlangt. Das hätte zu Mehrkosten von 1,65 Millionen Euro (gesamt 8,1 Millionen Euro) geführt. Zu viel. Außerdem wären massive Bohrpfahlwände nötig, die für alle Besucher immer sichtbar sein würden, heißt es. Eine Zeitverzögerung von vier Monaten musste einkalkuliert werden. Gestern deshalb die Notbremse und der Stopp des Millionen-Prestige-Projekts.

(RP)
Mehr von RP ONLINE