Mettmann "Kreis besonders hart getroffen"

Mettmann · Interview Landrat Thomas Hendele ärgert sich über die so genannte Abundanzumlage. Er befürchtet eine Benachteiligung für den Kreis Mettmann, für den er ansonsten für die kommenden Jahre großes Potenzial sieht.

Das Finanzielle ist Dauerthema in den Kommunen. Stichwort Wülfrath: Dort ist die Zukunft des Zeittunnels ungewiss.

Hendele Wir müssen einen Weg finden, wie das Projekt weiterbestehen kann. Das kann aber nicht auf Knopfdruck geschehen nach dem Motto: Kreis, übernimm mal. Wir arbeiten gerne daran mit. Aber letztlich muss die Umsetzung für einen Fortbestand aus der Stadt heraus geschehen. Und mit bürgerschaftlichem Engagement.

Der Kreis gibt also kein Geld?

Hendele Das sehe ich im Moment nicht. Wir sind ja für Wülfrath auch schon bei dem Panorama-Radweg in die Bresche gesprungen.

In Mettmann und Erkrath werden die Projekte "Panorama-Aufzug" und "Entdeckerturm" diskutiert.

Hendele Wir werden damit die Infrastruktur im Neandertal deutlich verbessern. Dafür bekommen wir 4,5 Millionen Euro EU-Fördermittel.

Aber auch der Kreis und die Kommunen zahlen. In Zeiten klammer Kassen finden viele Bürger das merkwürdig.

Hendele Denen sage ich: "Ihr unterschätzt, was Tourismus für uns als Wirtschafts- und Arbeitsplatzfaktor bedeutet." Im Jahr 2008 haben wir im Kreis Mettmann 376 Millionen Euro mit dem Tourismus eingenommen. Wir können nun mit den beiden Projekten unsere touristische Attraktivität nachhaltig verbessern. Allein im Neanderthal Museum haben wir 170 000 Besucher pro Jahr.

Von denen viele aus dem Kreis Mettmann kommen.

Hendele Das Gros der Besucher kommt aus dem Raum Nordrhein-Westfalen. Aber das Museum hat Weltrang. Auf der Internetseite sind 75 Prozent der Klicks aus dem Ausland. Der Kostendeckungsgrad des Museums liegt (durch Eintrittsgelder, die Redaktion) bei 70 Prozent. Wenn wir das schleifen lassen, können wir Däumchen drehend zusehen, wie das schwindet — und wie im gleichen Maße dann die öffentlichen Zuschüsse steigen.

Im jetzt beschlossenen rot-grünen Koalitionsvertrag ist für Nordrhein-Westfalen eine Abundanzumlage beschrieben. Was bedeutet das für den Kreis Mettmann?

Thomas Hendele Die Abundanzumlage schlägt im Kreis Mettmann besonders hart zu. Es geht an die Substanz. Kleinere Städte können sich dann in Zukunft Vieles, zum Beispiel Vereinszuschüsse, nicht mehr leisten, weil sie voll damit beschäftigt sind, andere Städte mitzufinanzieren.

Als Bürger kann sich unter dem Begriff "Abundanzumlage" kaum jemand etwas vorstellen.

Thomas Hendele Das ist richtig. Letztlich sollen aus einem einzigen Topf alle Städte und Gemeinden des Landes finanziert werden. Finanzstarke Kommunen sollen einzahlen. Damit werden aber diejenigen bestraft, die gut gewirtschaftet haben. Natürlich muss man einer Stadt helfen, die finanziell am Boden liegt. Aber ob man das durch Städte machen lässt, die vorher gut gewirtschaftet haben, da mache ich mal ein dickes Fragezeichen. Das ist nicht fair.

Was bedeutet es für den Kreis Mettmann konkret?

Hendele Die Frage ist, ob sich die Kommunen zum Beispiel auf Dauer noch ein Schwimmbad leisten können. Oder ob wir im Kreis Mettmann den Ausbau der U3-Betreuung so umsetzen können, wie die Eltern sich das wünschen.

Haben sie eine Vorstellung, wie das Problem zu lösen ist?

Hendele Man muss abwägen, ob man das vom Verfassungsgericht überprüfen lässt.

Gibt es konkrete Pläne?

Hendele Nicht konkret, aber wir sind mit anderen Kommunen und Landräten im Gespräch und diskutieren das.

Corinna Kuhs führte das Gespräch.

(RP)