Mettmann: Korn geht - aber noch nicht so ganz

Mettmann : Korn geht - aber noch nicht so ganz

Der Geschäftsführer der Regiobahn geht mit 65 Jahren offiziell in den Ruhestand. Nachfolger wird Stefan Kunig, der bisher in Monheim tätig war. Den Ausbau der Strecke bis nach Wuppertal wird Joachim Korn aber weiter im Blick behalten und beratend dabei bleiben.

Wer es wagt, ein paar kritische Sätze zur Regiobahn zu sagen, muss bei Joachim Korn mit einem Blick rechnen, der Bände spricht. Auf "seine" Regiobahn lässt der 65-Jährige nichts kommen. Verspätungen und Zugausfälle sollen ja mal vorkommen - aber wenn es soweit ist, kümmert sich Korn, der mit 15 Jahren bei der Bahn anfing, gerne persönlich darum. Nicht umsonst wird er auch "Mister Regiobahn" genannt. Nach dem Orkantief vom Pfingstmontag etwa waren die Arbeiter fast rund um die Uhr im Einsatz. 24 Stunden nachdem viele Bäume und Äste auf die Strecke gestürzt waren, fuhr die Regiobahn wieder - zumindest von Mettmann bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof.

Immer wieder zu kämpfen hatte Korn aber mit dem Aufzug in Mettmann, der auch mal wochenlang ausfiel. Korn kann dann richtig sauer werden. Etwa auf Jugendliche, die nachts in Gruppen den Aufzug betreten und während der Fahrt auf- und abspringen. Doch denen präsentierte er auch eine Quittung. Blieb der Aufzug deshalb stecken und musste mit der Kurbel herunter gelassen werden, wurden bis zu 3000 Euro für die Verursacher fällig. Kein Pardon kennt Korn auch bei Graffiti-Sprayern und "Fahrgästen" die die Sitze aufreißen oder an den Bahnhöfen randalieren. Per Kameraüberwachung versuchte er, so viele Täter wie möglich dingfest zu machen und ebenfalls zur Kasse zu bitten. In den kommenden Jahren wird Korn etwas kürzer treten. Gestern hatte er nach insgesamt 14 Jahren im Dienst der Regiobahn offiziell seinen letzten Arbeitstag als Geschäftsführer. Die Mitteilung kam per E-Mail an die Redaktion. "Wir haben jetzt auf einer Feier oder eine Einladung verzichtet, weil Joachim Korn uns eigentlich noch erhalten bleibt", sagt Marcel Winter, Sprecher der Regiobahn.

Denn ein großes Projekt will Korn, der im Alter von 15 Jahren bei der damaligen Deutschen Bundesbahn anfing und den Knochenjob Gleisbauer lernte, noch stemmen. Beim Weiterbau der Strecke bis nach Wuppertal soll Korn weiterhin beratend tätig sein. Wenn alles glattgeht, sollen 2017 die ersten Wagen Richtung Wuppertal rollen. Wenn - denn vorher ist auf der Strecke noch einiges zu tun. Viel wird vom Natur-, besser gesagt vom Krötenschutz abhängen. Denn so lange die Kröten entlang der Strecke nicht umgesiedelt sind, fährt dort keine einzige Regiobahn lang.

Nachfolger in der Geschäftsführung wird Stefan Kunig. Der Diplom-Ingenieur war bisher bei den Bahnen der Stadt Monheim GmbH (BSM) als Prokurist für den technischen Bereich. Der 46-Jährige hat an in Wuppertal Bautechnik, Verkehrsplanung, Verkehrssysteme, Eisenbahnbau und Öffentliche Transportsysteme studiert. Der Aufsichtsrat der Regiobahn und deren Gesellschafter erwarten von Kunig, dass er sich schnell in die ihm durchaus vertraute Materie einarbeitet und die Regiobahn als kommunale S-Bahn mit Vorzeige-Charakter weiterhin erfolgreich fortführt.

(RP)
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