Kirchenkreis Mettmann: Ab sofort sind weitere 17 ehrenamtliche Notfallseelsorger im Einsatz

Mettmann : Notfallseelsorger zeigen Nächstenliebe in Extremsituationen

Sie sind da, wenn andere Menschen in schwere Krisen geraten, etwa durch den plötzlichen Tod eines Nahestehenden.

Plötzlich ist nichts mehr wie es war: der geliebte Partner, der gestern noch Tennis gespielt hat, stirbt den Sekundentod, das Kind, das morgens fröhlich das Haus verlässt, wird vom Bus überfahren. Situationen, die schon beim Gedanken daran so schmerzhaft sind, dass man sich lieber nicht mit ihnen beschäftigt. Und doch werden Tag für Tag Menschen mit solchen unfassbaren Katastrophen konfrontiert, es sind Momente, in denen jeder anders reagiert.

„Manche fangen an zu schreien, andere laufen durch den Raum, alles ist gut, nur die, die in eine Starre fallen, brauchen unbedingt Hilfe, müssen aus diesem Zustand herausgeholt werden, denn je länger er andauert, umso schwieriger wird die Verarbeitung des Geschehenen“, erklärt Pfarrer Jürgen Artmann in einem ökumenischen Gottesdienst im Evangelischen Gemeindezentrum Donaustraße in Mettmann  anlässlich der Berufung der 17 neuen Notfallseelsorger für den Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann.

„Ich möchte in einer solchen Extremsituation an der Seite eines Betroffenen sein, und ich denke, dass ich eine solche Herausforderung auch recht gut meistern werde“, erklärt die Hildenerin Nicole Schulte bei einem Glas Sekt nach der feierlichen Urkundenübergabe. Die 49-Jährige ist Diplom-Psychologin und bringt dadurch bereits einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit Menschen in Krisen mit. „Ich habe eine mittlerweile 16-jährige Tochter, so dass ich nun einfach auch wieder Zeit für ein Ehrenamt habe, ich habe den Eindruck, dass es mir sehr gut geht, und davon möchte ich etwas zurückgeben.“

Ehemann Ortwin Schulte ist Polizist. Früher, so sagt er, habe er schon mal Todesnachrichten überbringen müssen, ganz alleine, ohne Unterstützung durch ausgebildete Helfer. „Das war normal, dass Rettungsärzte, Feuerwehr und Polizei diese Aufgabe übernehmen und sich irgendwie um Hinterbliebene kümmern mussten. Die Notfallseelsorger sind eine große Unterstützung, denn wir haben ja auch noch jede Menge andere Dinge in solchen Situationen zu leisten.“

In rund neun Monaten haben die 15 Frauen und zwei Männer ihre Ausbildung durchlaufen, 120 Fachstunden, die sich unter anderem mit Ethik, Kommunikationsführung und Traumatisierung befasst haben. „Wir haben auch bei Einsätzen hospitiert, ich war etwa dabei, als eine Frau im Beisein ihres Mannes erfolglos reanimiert wurde“, erinnert sich Nicole Schulte, „ich habe dem geschockten Mann einfach nur zugehört, das war das, was er gerade brauchte.“ Ab Mai wird sie regelmäßig Bereitschaftsdienste haben und bei Bedarf angefordert werden. „Es wird wie eine Wundertüte sein“, mutmaßt die frischgebackene Notfallseelsorgerin, „man weiß nie, was einen erwartet.“ Sie fühlt sich gut gerüstet und vorbereitet für diese neue Aufgabe in ihrem Leben. „Ich denke, dass ich das auch psychisch verkraften kann. Nur bei Einsätzen, bei denen ein Kind verstirbt, da bin ich mir nicht so sicher, dass ich das tatsächlich aushalten werde, ich bin schließlich selbst Mutter. Es wird sich mit der Zeit zeigen.“

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