Kindergarten-Situation in Mettmann

Mettmann: Kindergärtnerinnen sind überlastet

Die städtischen Kitas leiden derzeit unter sehr hohen Krankenständen.Ihr Aufgaben können sie kaum noch erfüllen.

Die Stadtverwaltung Mettmann hat ein dickes Personalproblem – besonders in den Kindergärten. Die Zahl der Mitarbeiterinnen reicht nicht aus, um alle Aufgaben zu erfüllen, die vorhandenen Erzieherinnen sind überlastet. Die Folge ist eine exorbitant hohe Krankenquote.

„Es brennt lichterloh in den Kindergärten“, sagte Dezernent Marko Sucic im Hauptausschuss. „Wir können teilweise noch nicht einmal den Dienstbetrieb im Notfallmodus aufrechterhalten.“

Diese Mitteilung löste große Verwunderung bei den Fraktionen aus. Noch vor Wochen wurde das Fachamt befragt, wie hoch die Krankenquote sei und ob es Überlastungsanzeigen der Mitarbeiter gebe. Die Antwort der Personalverwaltung: Es gebe lediglich eine Überlastungsanzeige im Kitabereich.

Die Wahrheit sieht offenbar ganz anders aus: In einem sogenannten „Brandbrief“ haben sich die Leiterinnen der fünf städtischen Kitas Anfang Januar an die Fachstellenleitung und an den Personalrat gewandt.

Darin werden folgende Punkte genannt, die Ursache einer massiven Einschränkung der Betreuung der Kinder sind: Pflichtaufgaben können nicht voll umfänglich oder termingerecht erfüllt werden, wie Bildungs- und Entwicklungsdokumentationen, Elterngespräche bei der Eingewöhnung oder des Übergangs zur Schule. Sie müssen mehrfach verschoben werden oder fallen aus, es gibt kein verlässliches Angebot der Spielgruppen für Flüchtlingskinder oder für besondere Aktivitäten wie Ausflüge, die Teilnahme an Fortbildungen war nicht möglich. Hinzu kommen Einschränkungen bei den individuellen Bedürfnissen einzelner Kinder hinsichtlich von Ruhezeiten.

Die Folge: Mehrarbeitsstunden bei Mitarbeiterinnen ohne die Möglichkeit des Freizeitausgleichs, Unzufriedenheit, Überlastung, Konflikte im Team, überdurchschnittliche Fluktuation des Personals.

Das ganze Dilemma dokumentiert sich in den Krankheitsausfällen: Der Durchschnittswert bei den Erzieherinnen in Mettmann liegt bei 35 Krankheitstagen im Jahr (Landesdurchschnitt 15), bei den hauswirtschaftlichen Kräften sogar bei 44 Krankheitstagen) Landesdurchschnitt 15). Hierbei, so Sucic, „handelt es sich ausdrücklich nicht um einige langzeiterkrankte Mitarbeiter.“ Insgesamt gingen innerhalb eines Jahres rund 700 einzelne Krankmeldungen aus dem Kita-Bereich ein.

Als besonders problematisch müsse laut Verwaltung im Kita-Bereich die haftungsrechtliche Situation im Hinblick auf die erforderliche Aufsicht berücksichtigt werden sowie die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung aller Kinder insbesondere auch im pflegerischen Bereich. Die im Rahmen der Betriebserlaubnis und des Kinderbildungsgesetzes vorgegebene personelle Mindestbesetzung für den laufenden Betrieb könne bei diesen massiven Ausfällen nicht gewährleistet werden.

Das alles bedeutet: Es muss mehr Personal eingestellt werden. Die Verwaltung geht von acht zusätzlichen Stellen aus. Die Entscheidung fällt im Rat.

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