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Mettmann/Erkrath: Kalkabbau senkt Grundwasser

Mettmann/Erkrath : Kalkabbau senkt Grundwasser

Die Firma Iseke will die Förderung in Osterholz bis ins nächste Jahrhundert sichern. Die Grube soll 43 Meter tiefer abgegraben werden. In Mettmann und Erkrath könnte in heißen Sommern Wassermangel die Folge sein.

Riesige Berge gesägter Baumstämme säumen den Spazierweg im Osterholz. Das Holz stammt von einem Areal am Rand des Kalksteinbruchs der Firma Iseke. Die Fällarbeiten lenkten den Blick der Öffentlichkeit auf den Kalkabbau, für dessen Absicherung bis zur Mitte des Jahrhunderts gerade ein Planverfahren läuft. Jedenfalls gingen bei der Stadt Haan rund 60 Eingaben ein, die am 4. und 5. Juni bei einem Erörterungstermin in Wuppertal angesprochen werden sollen. "Haans Bürgermeister Knut vom Bovert ist auch von Bürgern aus Schöller um Unterstützung gebeten worden", berichtete der Haaner Betriebshofleiter und Grünplaner Claus Hippel.

Bereits Probleme bei Fischteichen

Schon 2010 hatte die Stadt Haan die angestrebte Erweiterung der Grube Osterholz abgelehnt. Die Bedenken, die sich vornehmlich auf die Untersuchung des Aachener Ingenieurbüros Heitfeld-Schetelig stützten, blieben bestehen. Das Büro des renommierten Hydrogeologen hält es für wahrscheinlich, dass sich die für den Kalkabbau nötige "Sümpfung" negativ auf die Grundwasser-Landschaft im Gruiten-Dornaper Massenkalkzug und die angrenzenden Schiefergebiete westlich von Gruiten auswirkt. Dabei schließt der Gutachter Konsequenzen für die angrenzenden Gebiete der Städte Erkrath und Mettmann nicht aus.

Das Unternehmen Iseke möchte den Abbau von derzeit 73 Metern über Meereshöhe auf 30 Meter über Normal-Null vertiefen. Damit der Arbeitsraum trocken bleibt, muss massenhaft Grundwasser abgepumpt werden. Es wird befürchtet, dass sich dadurch die Grundwasserscheide zwischen Gruiten und Erkrath verschieben könnte. "Das könnte Auswirkungen auf die Bebauung, aber auch auf die Bäche haben", sagt Claus Hippel und weist darauf hin, dass schon jetzt zeitweise Probleme für die Fischteiche im Düsseltal bestehen. Genau lassen sich Wirkungen nicht vorhersehen.

Als vor rund 20 Jahren die Grube Oetelshofen erweitert wurde, fiel die Gruitener Grube 7 trocken. Über Jahre wurde Düsselwasser abgepumpt und in den alten Steinbruch eingeleitet, verschwand dort im Untergrund und wurde wenig später beim Kalkabbau wieder abgepumpt. Für den künstlichen Wasserkreislauf diente die Düssel als Transportweg. Später entdeckten die Forscher dann, dass schon auf dem Weg zur Grube 7 viel Wasser im Untergrund verschwand.

Das Gutachterbüro geht davon aus, dass die Wasserscheide bis zu einer Abbautiefe von 50 Metern über Meeresniveau ortsfest bleibt. Die tatsächliche Entwicklung könnte aber anders sein. "Kalkstein ist wie ein poröser Schwamm", sieht Claus Hippel Risiken und verweist auf Wasserprobleme in trockenen Sommern.

Gehe der Abbau noch tiefer, dürfte sich die Wasserscheide um 800 bis 1000 Meter nach Westen verschieben, schätzt das Aachener Ingenieurbüro. Der Grundwasserspiegel könne um bis zu sieben Meter (an der Kläranlage Gruiten) sinken, im Bereich Schragen rechnet der Geologe mit einem Absinken von 0,5 bis 1,5 Metern.

25 Jahre alte Fällgenehmigung

Das Fällen von Waldflächen habe nichts mit dem aktuellen Erweiterungsplan zu tun, sagt Hippel. Vielmehr handelt es sich um Bereich aus einer Genehmigung, die schon vor 25 Jahren erteilt wurde. Der Betriebshofleiter hat das einschlägigen Kartenwerken entnommen. "Einen Vermesser haben wir in der Stadtverwaltung nicht."

(RP)