Mettmann/Erkrath: Kahlschlag: rücksichtslos oder nötig ?

Mettmann/Erkrath : Kahlschlag: rücksichtslos oder nötig ?

Im Neandertal tauschten sich gestern Naturschützer, Kreistagsmitglieder und Behördenvertreter über die Baumfällungen aus. Beim Ortstermin konnten nicht alle offenen Fragen geklärt werden.

Es war ein rücksichtsloser Kahlschlag, sagen die einen. Es war eine verantwortungsbewusste Verkehrssicherungsmaßnahme, behaupten die anderen. Dazwischen liegen Welten und vermutlich auch irgendwo die Wahrheit. Auch der gestrige Ortstermin, zu dem der Beirat der Unteren Landschaftsbehörde eingeladen hatte, konnte nicht alle offenen Fragen klären. Etliche Vertreter der beteiligten Behörden waren ebenso gekommen wie zahlreiche Naturschützer, um endlich Licht in das Dickicht vieler bislang ungeklärter Sachverhalte zu bringen. Sogar Landrat Thomas Hendele war vor Ort, um nochmals mit entsprechendem Bildmaterial an den folgenschweren Unfall im Januar zu erinnern, der offenbar alles ins Rollen gebracht hat.

Wurde bei den Waldarbeiten das Artenschutzrecht missachtet? Gibt es entsprechende Gutachten der Biostation Haus Bürgel? War das sich erst im Zuge der Fällarbeiten abzeichnende Ausmaß der Maßnahme von dort abgesegnet? "Wenn es um Leib und Leben geht, greifen Naturschutzverbote nicht", stellte Georg Görtz unüberhörbar klar, dass artenschutzrechtliche Belange in einem solchen Fall grundsätzlich hinter der Beseitigung vermeintlicher Gefahren zurücktreten müssen. Offenbar sieht der Leiter des Planungsamtes genug Gründe dafür, dass es sich im Neandertal um eine ebensolche Gefahrenlage handelt.

Zudem sei die Initiative zur notwendigen Fällaktion nicht vom Kreis Mettmann selbst, sondern von Straßen NRW ausgegangen. "Man ist an uns herangetreten, da die Lage offenbar über die Jahre hinweg sehr dringlich geworden ist", blickt Görtz auf den Jahreswechsel zurück. Damals hätten sich die Ereignisse schlichtweg überschlagen, da ansonsten nicht mehr genug Zeit geblieben wäre, um die Waldarbeiten noch vor der gesetzlich geschützten Brutperiode abzuschließen. Die Biostation sei ausreichend einbezogen worden und habe zudem ein entsprechendes Gutachten erstellt. Bruthöhlen seien in den Bäumen nicht gefunden worden, so dass der Fällung der vermeintlichen Gefahrenbäume nichts im Wege gestanden habe.

Nachdem der ehemalige Leiter der Unteren Landschaftsbehörde Bernhard May noch vor ein paar Tagen im RP-Interview auf massive Schäden im Feuersalamanderbiotop hingewiesen hatte, das seit Jahrzehnten von der Faunistisch-Floristischen Arbeitsgemeinschaft (Fauflo) gepflegt wird, sieht Goertz die Lage völlig anders. "Dort ist zugegebenermaßen ein Baum trotz Sicherungsmaßnahmen in die falsche Richtung direkt auf das Biotop gefallen", erklärt er die Sachlage, die seiner Ansicht nach weit weniger dramatisch sei als öffentlich dargestellt. "Da wird so allerlei herausposaunt, was nicht der Realität entspricht", verteidigt er sich gegen Angriffe und Unterstellungen.

Als ebensolche Unterstellung wurde gestern auch der Einwand von Beiratsmitglied Jürgen Lindemann abgetan, es könne sich um einen Umweltschadensrechtsfall handeln, bei dem man sich seitens der Behörde schon mal Gedanken über eventuelle Ausgleichsregelungen machen müsse.

"Es gibt keine artenschutzrechtlichen Verstöße", so Görtz, der die Sache damit für geklärt hält. Zukünftig wolle man allerdings offensiver mit derartigen Maßnahmen umgehen, um ähnliche Entwicklungen zu vermeiden.

(magu)
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