Mettmann: Kahlschlag legt neue Ansichten im Tal frei

Mettmann : Kahlschlag legt neue Ansichten im Tal frei

Im Neandertal sind der Laubacher Wasserfall und eine schroffe Felsenwand wieder zu sehen.

Mittlerweile hat Uschi S. wohl wieder eine eigene Dusche. Im vergangenen Sommer hat die Hartz IV-Empfängerin allerdings mit ihren Hunden vier Wochen lang im Neandertal campiert. Dort soll sie sich zwischenzeitlich auch immer wieder mal unter den Laubacher Wasserfall gestellt haben. "Das geht jetzt natürlich nicht mehr ungestört", erzählt Bärbel Auffermann schmunzelnd die Geschichte der "Wald-Uschi", die sich damals sogar bis zum Museum herumgesprochen hatte. Schaut die stellvertretende Museumsleiterin heute auf dass, was jenseits des Neanderthal Museums nach den Fällungen zum Vorschein gekommen ist, so gefallen ihr die neuen An- und Aussichten durchaus.

Das Buch von Hanna Eggerath "Im Gesteins" ist neu aufgelegt worden. Es zeigt Bilder von Landschaftsmalern aus dem 19. Jahrhundert. Foto: privat

"Man muss sich natürlich klarmachen, dass es nicht die ursprüngliche Topografie des Gesteins ist. Da hat sich durch den Kalksteinabbau doch vieles verändert", gibt sie einen Einblick in die Veränderungen der vergangenen 200 Jahre. Der durch den Kahlschlag wieder sichtbar gewordene Laubacher Wasserfall sei ebenfalls nicht mehr die "Originalversion", sondern nachträglich angelegt worden. "Der ursprüngliche Wasserfall lag gegenüber dem hinteren Ausgang der Fundstelle", weiß Auffermann.

Auch Wald-Uschis Duschwasser war keineswegs ein Naturphänomen. "Wir pumpen unser Sümpfungswasser in den Laubach", erklärt Willi Schaefer, aus welchen Quellen der Wasserfall oberhalb des kahl geschlagenen Hanges gespeist wird. Der Kalkwerke-Chef ist sichtlich angetan vom "neuen Neandertal", zu dem die Steinbrucharbeiten längst vergangener Zeiten so einiges beigetragen haben dürften. "Die abgelagerten Geröllberge sind zumindest teilweise Überbleibsel des Kalksteinabbaus", so Schaefer, der die Ansichten derzeit für das Archiv der Kalkwerke archivieren lässt.

"Früher gab es links und rechts der Düssel nur wenig Platz bis zu den hohen Felsen", weiß auch Willi Schaefer, dass vom alten Tal nicht mehr allzu viel übriggeblieben ist. Noch genauer weiß es offenbar Klaus Adolphy: "Die schroffe Felswand, die man jetzt von der Straße aus sehen kann, ist zusammen mit dem Rabenstein das allerletzte Stück des früheren Gesteins", so der Leiter der Unteren Landschaftsbehörde.

Genau an dieser Stelle blickt man nun offenbar auf das, was auch die Künstler der Düsseldorfer Malerschule ins nahe gelegene Neandertal gelockt hat. "Fährt man von Mettmann in Richtung Erkrath, liegt rechts der Laubacher Steinbruch und links der Frauenhofer Steinbruch", erklärt Adolphy, wo man sich in Höhe des Kahlschlags in etwa befindet.

Der Leiter der unteren Landschafsbehörde wagt auch einen Ausblick darauf, wie sich der schroffe und felsige Hang schon bald präsentieren könnte: "Es wird jenseits der Felsen wieder grün werden. Die Natur wird sich die Fläche zurückerobern." Eine Aufforstung sei jedenfalls nicht geplant. "Eher eine Mischung aus Niederwald und Offenlandbiotop", so Adolphy.

(magu)
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