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Justiz in Mettmann: Jeweils 45 Monate Haft für Cannabis-Farmer

Justiz in Mettmann : Jeweils 45 Monate Haft für Cannabis-Farmer

Zwei Albaner waren im Februar inmitten von 2122 Rausch-Pflanzen an der Kleberstraße erwischt worden. Nun wurden sie zu langen Haftstrafen verurteilt.

Im Prozess gegen zwei Albaner, die vor dem Landgericht Wuppertal wegen Drogenhandels angeklagt waren, hat die Kammer am Mittwoch das Urteil verkündet: Beide müssen für drei Jahre und neun Monate in Haft. Zudem droht beiden die Abschiebung nach Albanien nach Verbüßung der Freiheitsstrafe.

Die Männer waren im Februar in einer Gewerbehalle in der Kleberstraße inmitten von 2122 Cannabispflanzen festgenommen worden. Zuvor war dort die Feuerwehr angerückt, weil, vermutlich durch eine Zigarette, der Feueralarm ausgelöst wurde. Die Angeklagten sollen in der Halle eingeschlossen gewesen sein, so dass eine Flucht unmöglich war. Einer der Männer soll den ebenfalls herbeigeeilten Polizeibeamten noch vor Ort berichtet haben, in der Plantage als Gärtner zu arbeiten. Das Gespräch soll mittels Google-Übersetzung stattgefunden haben.

Die Anklage sprach von 150 Kilo Marihuana, die man in der Gewerbehalle bei Weiterbetrieb der Plantage hätte „ernten“ können. Die Angeklagten sollen dort mit ihrer Arbeit erst zwei Wochen vor ihre Festnahme begonnen haben. Für drei Monate Einsatz sollen 3000 Euro als Lohn plus Verpflegung vereinbart gewesen sein. Gezahlt worden sei aber noch nichts. Der Arbeitsauftrag: Putzen und gießen. Einer der Männer soll auch angepflanzt, gedüngt und für die Beleuchtung gesorgt haben.

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Die Anlage wurde hoch professionell betrieben: Im Gerichtssaal war zu hören, dass Strom und Wasser illegal abgezweigt wurden. Am Rande des Prozesses wurde auch deutlich, wie das Geschäftsprinzip funktioniert: Angemietet werden die Hallen über Hintermänner unter falschem Namen. Beim Abzapfen von Strom und Wasser reicht die kriminelle Energie zuweilen soweit, dass Tunnel bis zur Hauptwasserleitung gegraben werden. Auch in der Kleberstraße seien beim Anzapfen der Leitungen die Zähler umgangen worden. 

Über den Dritten im kriminellen Bunde wollten die Angeklagten nichts sagen. Sie fürchten Rache an ihren Familien in Albanien. „Dort kann ihnen die deutsche Polizei auch nicht helfen“, war von einem der Verteidiger zu hören. Beide wollen 2019 in die EU gekommen und auf der Suche nach Arbeit im Januar in Düsseldorf gestrandet sein. Eigentlich hätten sie in der Gastronomie anheuern wollen, das sei wegen des Corona-Lockdowns jedoch nicht möglich gewesen. Verteidiger Reinhard Leis sprach von einem Reisebericht seines Mandanten, der habe sich für drei bis vier Euro Stundenlohn verdingt, um seine Familie in Albanien zu unterstützen. Inmitten des Corona-Lockdowns sei das schwierig gewesen. „Die Leute nehmen jeden Job an, den sie kriegen können“, so Leis. Die existenzielle Not von den Hinterleuten im Drogengeschäft ausgenutzt. Bei der Durchsuchung der Plantage waren im Februar 50 Einsatzkräfte beteiligt und auch Drogenspürhunde zum Einsatz gekommen.