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Wülfrath: Jugendliche legen Geschichte wieder frei

Wülfrath : Jugendliche legen Geschichte wieder frei

Klaus-Peter Rex sucht Teilnehmer für ein Workcamp in Lettland. In Preili wird der jüdische Friedhof wiederhergestellt.

Seit 2005 veranstaltet Klaus-Peter Rex alljährlich internationale Workcamps in Lettland, in denen junge Leute jüdische Friedhöfe wiederherstellen. In diesem Jahr geht die Fahrt vom 29. Juli bis 11. August nach Preili (im Osten des Landes). Die nächste große Stadt ist Daugapils. Östlich von Preili gibt es viele Seen. Gearbeitet wird auf dem verwahrlosten jüdischen Friedhof, der etwas außerhalb der Stadt liegt, teilte Rex mit.

Die Arbeiten umfassen: Reinigung des Geländes, Aufstellen der umgefallenen Grabsteine, Wiederherstellung des Eingangs und der rückwärtigen Abgrenzung des Friedhofs. Zudem werden Inschriften wieder lesbar gemacht. Alle Arbeiten werden dokumentiert. Außerdem werden die Teilnehmer jüdische Spuren in Preili erforschen. "Es gibt Hinweise auf ein Massengrab auf dem Friedhof", schreibt Klaus-Peter Rex in seinem Aufruf zur Teilnahme an dem Workshop. "Alle Arbeiten geschehen in enger Abstimmung mit der jüdischen Gemeinde in Riga beziehungsweise Daugapils."

Gearbeitet wird in der Regel von 8.30 bis 14 Uhr, danach ist Freizeit. Es ist ein Ausflug nach Riga oder Daugapils geplant. Die Unterbringung ist in einem Wohnheim vorgesehen. "Wir erwarten, dass jeder Teilnehmer sich in das Gruppengeschehen einbringt", betont Rex. An diesem Workcamp können bis zu zehn Jugendliche aus Wülfrath teilnehmen. Dazu kommen lettische Jugendliche und junge Leute aus den Niederlanden und Israel. Zur Teilnahme am Workcamp können sich Jugendliche ab 17 Jahren bewerben. Es ist ein Eigenbetrag von 200 Euro je Teilnehmer erforderlich. Nach dem jetzigen Stand der Zuschüsse seien der Hin- und Rückflug, die Transfers in Deutschland und Lettland, die Unterkunft und Verpflegung und eine Versicherung eingeschlossen.

Vor acht Jahren hatte Klaus-Peter Rex das erste Workcamp organisiert. Zehn Tage lang leisteten die Teilnehmer, neben Letten, Niederländern und Österreichern auch Jugendliche aus Wülfrath und Mettmann, auf dem jüdischen Friedhof von Plavinas schwere Arbeit. In ihrer Bewerbung für die Camp-Teilnahme hatten die 18- bis 20-Jährigen (sie stellten die Mehrzahl) angegeben, sie wollten mit der Arbeit etwas gut machen. Andere schrieben, sie freuten sich darauf, mit Jugendlichen aus anderen Ländern über die Nazizeit in Deutschland reden zu können.

Mit 100 Grabsteinen hatte Klaus-Peter Rex auf dem zerstörten Friedhof von Plavinas gerechnet, sie fanden dann 270. Bei Grabsteinen, die unten lagen und nicht so stark der Witterung ausgesetzt waren, war die hebräische Beschriftung noch gut erhalten. Einige Gräber hatten Leute mit Ziegelsteinen abgedeckt.

Im vergangenen Jahr fand auf Empfehlung der jüdischen Gemeinde von Riga das 7. internationale Workcamp zur Wiederherstellung vergessener jüdischer Friedhöfe in Aizpute, der einstigen Hansestadt Hasenpoth, statt. Vier Meter hohe Büsche und Bäume von bis zu 20 Meter Höhe hatten sich den Friedhof erobert, der laut unterschiedlicher Aussagen und Daten auf Gedenk- und Grabsteinen 1795-1941 oder auch schon früher betrieben wurde.

Erste Bestandsaufnahme in dem "Urwald" ergab zwei größere Grabfelder und viele verstreute Einzelgräber. Um neben einem Rundweg Struktur zu erkennen, musste eine Schneise geschlagen, das Gelände gerodet, Gestrüpp und Stammreste weggeschleppt werden.

(RP/rl)