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Erkrath: Jugendbetreuer suchen Räume fürs Boxtraining

Erkrath : Jugendbetreuer suchen Räume fürs Boxtraining

Der Sozialpädagoge Quasim El Hamriui vom Jugendcafé will mit seinem Projekt für Stressabbau sorgen und den Teamgeist fördern.

Boxen liegt im Trend. Das wissen auch die Besucher des Jugendcafés am Kaiserhof. Deshalb kommt ihnen die Idee ihres durchtrainierten Sozialpädagogen Quasim El Hamriui wie gerufen. "Wir möchten Boxkurse anbieten", erklärten am Montagabend Hamriui sowie Ulrike Kronenberg, Leiterin des Jugendcafés. Zur Verstärkung hatten sie gleich Anne Liedke vom Verein Tinkerbell mitgebracht, der das Projekt finanziell mit Spenden unterstützen will.

Café-Besucher Abdelkader Mahnin (18) war dann auch gleich Feuer und Flamme. Jahrelang hat er im gleichen Verein wie Hamriui geboxt, und zwar in Hilden. Die Nachbarstadt sei aber für die Erkrather Jugendlichen sehr schwer zu erreichen, sagt Abdelkader. Außerdem könnten sich viele Kinder die Vereinsgebühr nicht erlauben, ergänzt Kronenberg. "Wenn wir hier boxen können mit Quasim werden ganz viele kommen", sagt Abdelkader, der derzeit seinen Realschulabschluss an den Hauptschulabschluss anschließt und eine Lehrstelle als Anlagenmechaniker sucht. Quasim El Hamriui, der früher Wettkampfboxer war und wegen einer Verletzung pausieren musste, ist das große Vorbild der Jugendlichen. "Er boxt sehr koordiniert, ohne Aggressionen", lobt Abdelkader. Auch Mohamed (17) würde mit Freunden kommen und mehrmals in der Woche trainieren wollen. "Wir kennen uns hier und sind unter uns. Das wird bestimmt Spaß machen. In einer anderen Stadt wäre ich nur fremd." Boxen wollen aber nicht nur die Jungs, sagt Ulrike Kronenberg: "Mindestens fünf Mädels haben Interesse angemeldet. Besonders seit die Kickboxerin Christine Theiss populär ist, wächst die Neugier."

"Boxen", sagt Quasim El Hamriui, "dient dem Stressabbau, der emotionalen Kontrolle und fördert die Teamarbeit. Außerdem macht es Spaß. Das Tollste ist, nach dem Training so richtig kaputt zu Hause auf der Couch zu hängen und zu nichts mehr Kraft zu haben als zum Fernsehen. Dann hat man sich so richtig ausgepowert." Das würde den Kids gut tun, ist Kronenberg überzeugt. "Wir wollen auch dem Trend entgegenwirken, der sich jetzt breitmacht: Über die Straße laufen und mal eben ohne Anlass Passanten eine auf die Zwölf zu klatschen", sagt Hamriui. Was fehlt, sind die Räume für das Boxprojekt. "Wir brauchen um die 120 Quadratmeter Fläche, auf denen wir einen Boxring aufstellen und ein paar Boxsäcke aufhängen können sowie eine Ecke zum Warmmachen", sagt er. Außerdem müssen getrennte Toiletten für Mädels und Jungen da sein. "Es gibt doch so viele leere Hallen in Hochdahl und Unterfeldhaus", sagte Anne Liedke, die sich über Tinkerbell bereits auf die Suche gemacht hat. Die Initiatoren rechnen mit 10 000 Euro Miete, Strom- und Wasserkosten pro Jahr. Am besten wäre es natürlich, wenn ein Sponsor die Räume zur Verfügung stellen könnte. Man könnte die Halle mit Judomatten ausstatten, so dass sie mit normalen Turnschuhen zu betreten ist und ansonsten selbst Hand mit anlegen und ein bisschen improvisieren.

Für Tinkerbell ist es ein Anliegen, sich hinter das Boxprojekt zu stellen. "Wir haben so viele Grundschüler gefördert, jetzt sind mal die Jugendlichen dran", sagt Anne Liedke. "Wir versuchen Kontakt mit Hallenbesitzern zu bekommen und würden Spenden weitergeben."

(RP)