Interview mit Dorothe Emde: In Härtefällen auf den Spagat verzichten

Interview mit Dorothe Emde : In Härtefällen auf den Spagat verzichten

Dorothe Emde (51) ist Trainerin der Tanzgarde Weiss-Rot im Karnevalsausschuss Unterbach und selbst 19 Jahre lang aufgetreten. . Außerdem trainiert sie die Showtanztruppe.

Der Auftritt einer Tanzgarde während der Session ist nicht nur ein Honiglecken. Sie warten in kalten Foyers und müssen ohne Aufwärmen sofort Höchstleistungen bringen.

Emde Das stimmt, wenn die Zeit es erlaubt, machen wir ein paar Dehnübungen. Während der heißen Phase ist das oft nicht möglich. Da kann man nur hoffen, dass alles gut geht.

Und geht immer alles gut?

Emde Bisher ja. Es gibt mal eine Muskelzerrung, und in Hochzeiten des Karnevals zwickt und zwackt es hier und da ein bisschen mehr als sonst. Wir werden damit fertig.

Wie viele Auftritte haben Sie zurzeit an einem Tag zu bewältigen?

Emde An Altweiber hatten wir beispielsweise elf Auftritte von morgens neun bis spät abends. Ein Tanz dauert drei Minuten. Da muss man schon fit sein.

Das bedeutet nicht nur Beine schwingen, sondern auch mal in den Spagat springen?

Emde Bei manchen Schlussbildern gehört ein Spagat dazu. Aber draußen oder wenn der Untergrund in der Halle schlecht ist und Verletzungsgefahr droht, verzichten wir auch manchmal darauf, um uns nicht zu verletzen. Man muss eben immer gut trainiert sein.

Wie lange trainieren Sie für die Karnevalsauftritte?

Emde Ab Mai einmal pro Woche. Wenn es weiter auf den Karneval zugeht, auch zwei- bis dreimal pro Woche. Mitunter dauert eine Trainingseinheit bis zu zweieinhalb Stunden.

Das ist nur was für jüngere Menschen, oder? Wann haben sie mit dem Gardetanz aufgehört?

Emde Bei mir war mit 29 Jahren Schluss. Vor allem, weil ich ein Kind hatte und mich darum kümmern wollte. Unsere Tänzer sind heute in der Regel nicht älter als 30.

Es steckt viel Aufwand hinter den Auftritten, die dann häufig auch noch unter nicht so optimalen Bedingungen stattfinden. Da muss man schon mit sehr viel Herzblut dabei sein?

Emde Man muss Freude am Tanzen haben, außerdem macht das Miteinander beim Training und in unserem Verein sehr viel Spaß. Wir sind eigentlich so etwas wie eine große Familie. Der Nachwuchs muss für das Training nichts bezahlen.

Ihnen haben hartes Training und viele Auftritte früher offenbar nicht geschadet. Wie halten Sie sich heute fit? Als Trainerin muss man sicher beweglich bleiben?

Emde Ich spiele oft viel Tennis, mache viele Übungen selbst vor und bin auch manchmal noch beim Showtanz mit auf der Bühne. Das hält mich fit.

ISABEL KLAAS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP/ac)