Mettmann: Im Takt auf den Kopf gestellt

Mettmann : Im Takt auf den Kopf gestellt

Europameister im B-Boying, Youngung Sebastian Kim, gab Unterricht.Tag für Jungen im Showtanzzentrum Constanze Krauss: Musikalität und Kraft gefragt

Tanzen als Knochenarbeit erfuhren die Jungen im Showtanzzentrum Constanze Krauss. Der Europameister im B-Boying, Youngung Sebastian Kim (23), gab in der Neanderstraße Unterricht in der „coolen“ Mischung aus Akrobatik und Tanz . Beim „Babyfreeze“ einem „Move“, streckten die Schüler Beine und Rumpf in die Höhe – im Handstand. Nicht bei allen klappte es auf Anhieb, aber Timos war nach einer Bruchlandung schnell wieder fit, nachdem seine Beule mit einer Caprisonne aus dem Kühlschrank behandelt war – schließlich wollte er weitertrainieren.

Der Sportstudent aus Köln stellt klar: „Ich zeige Euch hier ein paar Steps und Moves, aber im Grunde müsst ihr das wochenlang zuhause üben, so was klappt nie nach nur einem Tag.“ Immerhin tanzten die älteren schon nach wenigen Minuten synchron eine kleine Choreographie – schweißgebadet, denn Athletik spielt bei diesem Tanz eine wichtige Rolle, auch wenn Kim betont: „Das ist keine Zirkusakrobatik, alles muss mit der Musik harmonieren.“

Eine Jungen-Domäne

Constanze Krauss hatte den didaktisch begabten Top-Tänzer auf einer Schulung kennengelernt angeheuert: „Die Schüler sollen sehen, was man erreichen kann, wenn man dafür übt.“ Als der Profi selber tanzte, gab es großes Staunen; Flips, Airfreezes und Kneedrops neben spektakulären anderen Moves zeigten, was geht, in dieser Sportart, die fast ausschließlich von Jungen getanzt wird: „Der Körperschwerpunkt bei Mädchen ist zu weit unten, die Muskelkraft in den Armen ist geringer und hinzu kommen die vielen blauen Flecken beim Training, auf die Mädchen gern verzichten“, erklärte Kim.

Die Schüchternheit der Jungen, sich zum Tanzen zu bekennen ist Vergangenheit, und ein bisschen cool darf sein. Wer an einem Turnier teilnimmt, geht zu einem „Battle“ und zeigt dem Gegner, dass er technisch besser ist oder zumindest kreativer – im Idealfall beides. Kim gelang das oft und so erreichte er kürzlich in der nationalen „Battle of the Year“ den zweiten Platz. Der Sportstudent aus Köln tanzt seit sechs Jahren und hat vorher lange Kampfsport gemacht. „Davon profitiere ich, denn Elemente aus dem Taek-Won-Do kann ich beim Tanz integrieren. Körperbeherrschung, Rhythmus und Fallschule machen es mir ebenfalls leicht.“

Sein Studium finanziert er durch Seminare und Auftritte. Auch wenn er beim B-Boying abhebt, steht er im Leben fest auf den Füßen. „Das Lehramtsstudium ist meine Rückversicherung, denn körperlich kann ich dies hier nicht ewig leisten. Als Abschlussarbeit möchte ich ein didaktisches Werkbuch zum B-Boying schreiben – das gibt es noch nicht.“ Ob Constanze Krauss es brauchen wird, ist fraglich; der sportlichen Tänzerin gelang der „Babyfreeze“ auf Anhieb.

(RP)
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