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Ihr Band-Mitglied ist der Computer

Musiker mit seltenen Instrumenten in Mettmann : Ihr Band-Mitglied ist der Computer

Margarete Conrads ist vielen Gemeindemitgliedern in der katholischen Gemeinde St. Lambertus als Chorsängerin bekannt. Doch sie hat viele weitere Talente.

Nein, es ist eigentlich kein Instrument, das Margarete Conrads mit großer Leidenschaft für ihre Musik nutzt, ist der Computer mit einer ganz bestimmten Software. Damit erfüllt sie sich einen Traum: komponieren. Ein technisch kniffeliges Verfahren, das immens viele Stunden der Einarbeitung benötigt und ohne profunde Noten- und Harmoniekenntnisse nicht zum Erfolg führen kann.

Margarete Conrads ist von Jugend an mit der Musik verbunden. Nach dem Elementarunterricht an der Musikschule fing sie mit neun Jahren an, Klavier zu lernen bei Karl-Heinz Kensche, dem Urgestein der Musikschule in Mettmann. Parallel sang sie im Kinderchor von St. Lambertus bei August Dreiling, ein weiteres Urgestein im Städtchen, und wiederum bei Kensche lernte sie Harmonielehre. Später sang sie nochmals unter August Dreiling im „Chorus Medamana“. Bühnenerfahrung hat Margarete Conrads aber nicht nur als Chorsängerin gesammelt. In zwei Produktionen, die Regionalkantor Matthias Röttger mit seinen Chören von St. Lambertus aufgeführt hat, hat die erfahrene Sängerin jeweils eine Hauptrolle übernommen.

Warum sie trotz dieser Begabungen und Interessen nach dem Abitur Architektur in Aachen studierte, ist ihr heute fast unverständlich. Aber sie scheint ein Multitalent zu sein, hatte auch beste Noten in Mathematik und konnte phantastisch zeichnen. Damit lag die Berufswahl nahe. Damals jedenfalls.

Heute hingegen fasziniert sie die Musik. Bereits zwei Kompositionen hat die Musikerin im Internet-Videokanal Youtube veröffentlicht. Eine geistliches Werk von Edvard Grieg, „Ave Maris Stella“, in dem sie selbst den Alt gesungen hat und instrumental die anderen drei Chorstimmen unterlegt hat und mal eben das Klavier gegen ein Cembalo getauscht hat. Da muss man schon sehr genau den Klang eines jeden Instrumentes kennen.

Das zweite Werk auf Youtube ist ein selbst getexteter und auch komponierter Coronasong: „Wenn ich so denke, komische Zeiten“, aber immer wieder der auch Refrain: „Das Leben ist schön, nur gerade nicht heute...“

Mit dem Computer erobert sich nun die Jungkomponistin, die 28 Stunden in der Woche in einem renommierten Architekturbüro in Düsseldorf arbeitet, aktiv der katholischen Gemeinde St. Lambertus verbunden ist, dort in der Messe Teile der Liturgie solo singt, ein weiteres musikalisches Genre. Ihr Haus ist der reine Musikalienhandel: Dort stehen ein Klavier, eine Orgel mit drei Manualen und zirka 45 Registern, ein Keyboard und nun noch der Computer mit der „Cubase Software“. Irgendwo werden sicherlich noch ein paar Flöten zu finden sein. Viel Zeit für die Kunst. Gut, dass die Söhne erwachsen sind.

Margarete Conrads träumt davon, ganz Unterschiedliches zu komponieren. So mag sie natürlich geistliche Musik, aber auch Barbershop, träumt von Liedern in lateinamerikanischen Rhythmen und will auf Youtube 100 Prozent eigene Produktionen hochladen. Ihr Kopf ist voller Ideen – so möchte sie das Gedicht des englischen Romantikers William Wordsworth „I wondered lonely as a cloud“ wohl demnächst als vierstimmigen Chorsatz vertonen. Und da kann sie selbst alle vier Stimmen singen, denn die Höhe der Stimme kann auf diesem Wunderwerk der Technik beliebig verändert werden. Und auch das Video-Portal im Internet begeistert sie. Denn es gibt ganz viele User, die ihre Hilfe anbieten und ihr Wissen weitergeben. „Hast du schon einen besonderen Stil für dich gefunden?“, das wurde sie kürzlich gefragt. Verschmitzt antwortete sie: „Noch nicht so ganz, aber ich denke, es wird eine Mischung aus Jazz, Rock, Pop und ein bisschen Margarete werden“.

Und nur zur Erinnerung: Margarete Conrads kann wunderbar zeichnen. Für ihre Gemeinde St. Lambertus hat sie Postkarten erstellt mit den Motiven der Katholischen Kirchen in Mettmann, diese auf dem Computer koloriert und der Gemeinde geschenkt. Viele Goldhochzeiter oder andere Jubilare der Gemeinde werden eine dieser Karten mit persönlichen Worten des Pfarrers und des Kirchenvorstandes bereits erhalten haben. Ein kleiner Gruß aus der Feder des Multitalents von St. Lambertus.