Mettmann: "Ich gebe mir Mühe, klar zu reden"

Mettmann : "Ich gebe mir Mühe, klar zu reden"

Arbeitnehmerpauschbetrag, Deckungslücken, Downsizing und Case-Management – die Sprache der Politiker ist Schülern oft zu kompliziert. Das ergab jetzt eine Umfrage im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, bei der mehr als 800 Berliner Schüler im Alter zwischen 16 und 19 Jahren danach befragt wurden, wie sie die Sprache der Regierenden und tagesaktuelle Debatten im Allgemeinen wahrnehmen.

Arbeitnehmerpauschbetrag, Deckungslücken, Downsizing und Case-Management — die Sprache der Politiker ist Schülern oft zu kompliziert. Das ergab jetzt eine Umfrage im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, bei der mehr als 800 Berliner Schüler im Alter zwischen 16 und 19 Jahren danach befragt wurden, wie sie die Sprache der Regierenden und tagesaktuelle Debatten im Allgemeinen wahrnehmen.

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, unter Teenagern ist die "Grundbereitschaft zum Mitdenken und Mitmachen" weit verbreitet. Mehr als zwei Drittel fanden jedoch, es koste Zeit und Mühe, um sich in den politischen Themen zurechtzufinden. Der CDU-Landtagsabgeordnete Marc Ratajczak fordert politikinteressierte junge Leuten auf, an dem Projekt "ComMit" teilzunehmen.

Das sei eine tolle Chance bei sportlichen Aktivitäten, Besuchen von historischen Orten, in Workshops und bei einer Wochenendreise nach Berlin Politiker auf eine andere, verständlichere Weise kennenzulernen. Doch dieses Angebot gilt nur für einige wenige Jugendliche. Wie will die Politik die übrigen erreichen? Wir sprachen mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Marc Ratajczak darüber.

Politiker verstecken sich gerne hinter rhetorischen Floskeln, kritisieren junge Menschen. Muss man als Abgeordneter politische Sachverhalte zwangsläufig kompliziert ausdrücken?

Ratajczak Nein. Das muss man nicht. Jedenfalls gebe ich mir immer große Mühe, es nicht zu tun. Politik ist aber auch keine einfache Thematik. Man kann die Dinge nicht immer in einem Satz erklären. Alles hängt meist mit allem zusammen.

Wie halten Sie selbst es mit Ihrer Ausdrucksweise? Spricht der Privatmensch Ratajczak anders als der Politiker?

Ratajczak Wenn man hauptberuflich Politik macht, verschwimmen die Übergänge manchmal ein bisschen. Die Bürger unterscheiden kaum noch zwischen Politiker und Privatmensch. Man ist irgendwie immer der Abgeordnete. Das ist ein bisschen schade. Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen den beiden "Personen": Der Privatmensch Marc Ratajczak redet so gut wie nie über Politik und versucht auch aufkeimende politische Debatten im privaten Umfeld abzuwenden.

Glauben Sie, dass klare Sprache mehr junge Menschen für Politik begeistern könnte?

Ratajczak Ja und Nein. Auf der einen Seite ist eine klarere Sprache sicher wichtig. Wichtiger finde ich aber, dass der Politiker authentisch ist. In der Politik muss man oft dicke und harte Bretter bohren. Das kostet Zeit, Kraft und Nerven. Das schreckt junge Menschen eher ab. Leider.

Oft schaltet man auch als Erwachsener ab, wenn die Reden von Abgeordneten und Ministern zu abstrakt werden. Gibt es jemanden, dessen Reden Sie besonders unverständlich finden?

Ja. Aus der rhetorischen Sicht war es der ehemalige Bayrische Ministerpräsident Stoiber. Heute ist es Claudia Roth.

Wundert es Sie, dass Jugendliche den Eindruck haben, die abstrakte Sprache der Politiker sei dazu da, drastische Sachverhalte zu beschönigen?

Ratajczak Jugendliche tendieren heute stark zur Dramatik und den dazugehörigen Ausdrücken. Ich habe in Gesprächen mit Jugendlichen oft eine Schwarz-Weiß-Mentalität erlebt. Die Welt ist aber nicht nur Schwarz-Weiß, und Politik hat immer den Drang, den Menschen die Welt mit allen ihren Facetten zu erklären. Vielleicht kommt daher dieser Eindruck.

Isabel Klaas stellte die Fragen

(RP)
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