Mettmann: Hamlet mit Drei-Gang-Menü

Mettmann : Hamlet mit Drei-Gang-Menü

Interview Regisseur Orlando Schenk spricht über seine jüngste Produktion. Am Samstag findet in der Gesellschaft Verein an der Beckershoffstraße eine Vorpremiere statt. Für das Stück sind auch Laienschauspieler verpflichtet worden.

Im Dezember gab es in der Gesellschaft Verein ein großes Casting, an dem sich jeder beteiligen konnte, ob Schauspiel-Profi oder Amateur. Jetzt steht die Inszenierung von "Hamlet 2012" — bis auf wenige Details. Am 23. und 24. November ist die Aufführung auf der Bühne der Neandertalhalle zu sehen. Vorab gibt es am Samstag, 23. Juni, ab 18 Uhr in der Gesellschaft Verein an der Beckershoffstraße eine Vorpremiere in kleinerem Umfang, begleitet von einem Drei-Gang-Menü. RP-Mitarbeiterin Christine Zacharias sprach mit Regisseur Orlando Schenk über die Produktion.

Ein Casting mit Profis und Amateuren zugleich ist ungewöhnlich.

Schenk Das haben wir bewusst querbeet vorgenommen. Unser Konzept ist ein offenes, deswegen haben wir das Casting und einige Proben offen gestaltet. Letztlich sind doch die Einstellung und das Talent entscheidend und nicht, welche Ausbildung einer vorweisen kann. Sonst hätten wir ja unseren Hauptdarsteller Marc-Oliver Teschke gar nicht entdeckt. Der ist eigentlich ein Amateur — abgesehen davon, dass er bei der Laien-Theatergruppe "Unterfeldmäuse" mitspielt. Aber als er zum Casting kam, stand für uns schon nach wenigen Augenblicken fest: Das ist unser Hamlet.

In der Ankündigung sprechen Sie von dem regionalen Bezug Ihrer Inszenierung. Was ist damit gemeint?

Schenk Zum einen, dass wir mit verschiedenen Mettmanner Institutionen kooperieren, dem Art-Werk, dem Kunsthaus, das uns einen Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie vermittelt, der das Bühnenbild entwirft. Und mit der Gesellschaft Verein, die uns ihre Räume für das Casting und die Proben überließ.

Und zum anderen?

Schenk Unsere Nebendarsteller und Statisten sind Laien aus allen möglichen Amateur-Ensembles aus der Region. Bei der letzten Neanderland-Biennale 2011 hat sich diese regionale Szene im Erkrather Lokschuppen getroffen. Da wurde deutlich, wie viel Leben in der bergischen Theaterszene steckt. Das wollen wir nutzen und zugleich mit unserer regional ausgerichteten Inszenierung diese Vernetzung weiter vorantreiben. Wenn unser Stück gut angenommen wird, planen wir, in der gesamten bergischen Region damit aufzutreten, von Gummersbach bis Wermelskirchen. Und das auch im nächsten und übernächsten Jahr. Derzeit bewerben wir uns um finanzielle Unterstützung der Regionalen Kulturförderung des Bergischen Kreises. So hat Landrat Thomas Hendele die Schirmherrschaft über "Hamlet 2012" übernommen.

Apropos Finanzen, was kostet die Inszenierung?

Schenk Rund 35 000 Euro.

Ist die Vorpremiere im Garten der Gesellschaft Verein mit Drei-Gang-Menü zwischendurch ein Kompromiss, um weitere Sponsoren zu gewinnen?

Schenk Natürlich suchen wir weitere Geldgeber. Aber ich sehe auch nichts Widersprüchliches darin, einen Theater-Genuss mit einem kulinarischen Genuss zu verbinden. Das sieht man im Ausland viel entspannter. Die Vorpremiere wird übrigens in einer kürzeren Fassung und auch noch ohne Bühnenmusik aufgeführt.

Von wem stammt die Musik?

Schenk Sie wurde eigens von dem Düsseldorfer Tobias van de Locht komponiert und wird vom Blechbläser-Ensemble "NRW-Brass" aufgeführt. Diese Musik ist modern und markig, aber mitunter auch humoristisch.

Bei einer Tragödie? Und warum fiel Ihre Wahl überhaupt auf Hamlet?

Schenk Das fragen Sie einen Engländer? Aber im Ernst: In dieser Tragödie stecken auch humoristische Elemente. Es ist eines der interessantesten Schauspiele Shakespeares. Die Charaktere sind besonders vielschichtig, oft dreidimensional angelegt. Das hat mich gereizt.

Info Reservierungen für Samstag, 23. Juni, 18 Uhr unter Tel. 02104 6939368, E-Mail: info@gvm-me.de

(cz)
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