Mettmann: Grundschule statt Förderschule

Mettmann: Grundschule statt Förderschule

Schwierige Schüler sollen an Regelschulen unterrichtet werden. Nur noch jeder fünfte Förderschüler soll künftig an einer Sondereinrichtung unterrichtet werden. Kompetenzzentren machen dies möglich.

Schüler mit sprachlichen Schwierigkeiten, Lernproblemen oder emotionalen und sozialen Auffälligkeiten werden künftig die Grundschule um die Ecke besuchen. Statt in einer oft weit entfernten Förderschule sollen sie gemeinsam mit allen anderen Kindern Rechnen, Schreiben und lesen lernen. Das hat der Kreis Mettmann beschlossen und will damit in einem ersten Schritt die UN-Konvention zur Inklusion (Einbeziehung) behinderter Menschen umsetzen.

Wie das aussehen wird, wenn die I-Dötzchen im Sommer gemeinsam die Schulbank drücken, macht Ulrike Haase deutlich, Dezernentin des Kreises Mettmann. Das neue Konzept ermögliche den Schülern mit Förderbedarf, über ein Regelschulzeugnis einen Zugang zum Arbeitsmarkt. Es drohe gleichzeitig aber, die Schulen stark zu belasten.

Fachpädagogen sollen beraten

"Das Vorhaben kann nur gelingen, wenn wir den Prozess intensiv begleiten. Der Kreistag hat dafür 70 000 Euro zur Verfügung gestellt", betonte Ulrike Haase. Sie versicherte darüber hinaus, die bestehende Landschaft der Förderschulen nicht zerschlagen zu wollen. "Auf keinen Fall möchte ich am Ende des Weges aufwachen und feststellen, dass wir einen Schritt in die falsche Richtung getan haben und dann keine Strukturen mehr vorfinden, auf die wir zurückgreifen können."

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Künftig sollen die Fachleute der kreisweit sechs geplanten Kompetenzzentren gemeinsam mit den Lehrern die Eltern beraten und die Förderbedingungen und -schwerpunkte festlegen. Auf diese Weise soll jedes Kind den für ihn besten Bildungsweg gehen. Zu den sechs Kompetenzzentren sollen in erkrath die Friedrich-Fröbel-Förderschule gehören sowie in Mettmann die Erich-Kästner-Förderschule (auch für das Einzugsgebiet Wülfrath).

"Die Idee ist, schwierige Kinder von Anfang an pädagogisch so zu begleiten, dass sich der Förderbedarf nicht ausweitet", sagte Ulrike Haase. Sie sieht im gemeinsamen Unterricht jedoch auch Vorteile für alle Schüler. "Ein Kind, das lernt, ein anderes mitzunehmen, erlebt einen großen Zuwachs an Bildung, der nichts mit dem Einmaleins zu tun hat." Gleichzeitig musste die Dezernentin jedoch einräumen, dass die halbe Lehrerstelle pro Kompetenzzentrum für eine gezielte Förderung kaum ausreichend ist. Wegen sinkender Schülerzahlen bei gleich vielen Lehrern werde sich die Betreuung in den kommenden Jahren jedoch erhöhen.

"Zunächst wird der Bedarf nicht so groß sein. Wir starten den Prozess langsam, um die Schulen nicht zu überfordern und die Eltern daran zu gewöhnen." Wie ein Austausch zwischen Grund- und Förderschule gelingen kann, hat Brigitta Schümmelfeder-Wanek ausprobiert. Die Leiterin der Friedrich-Fröbel-Schule kooperiert mit der Johannesschule. "Unsere Kollegin geht nicht nur in die Klassen, sie organisiert auch Hilfsmittel und berät die Eltern. Umgekehrt ist es für die Regelschullehrer eine tolle Erfahrung, bei uns zu unterrichten."

(RP)