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Mettmann: Graupensuppe am Heiligen Abend

Mettmann : Graupensuppe am Heiligen Abend

"Nach der Vertreibung Ende November 1945 aus Pommern wurden wir bis Stettin in Viehwaggons transport", berichtet Friedrich Ueker. Es ging weiter über Güstrow und andere Städte. Schließlich wurden die Flüchtlinge mit Pferdefuhrwerken zu einem großen Gut gebracht. Dort wurden die Menschen im Schweine-, Schaf- und Kuhstall untergebracht. "Meine Mutter und ich hausten im Kuhstall. Was ich heute als Glücksfall bezeichnen kann. Denn im Schweine- und Schafstall starben die meisten Menschen."

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p class="text">Tagaus tagein gab es Graupensuppe. "Da sahen mehr Augen rein als raus", schreibt Friedrich Uecker. "Meine Mutter hatte Heiligabend 1945 zwei Portionen Suppe organisiert. So hatten wir irgendwie zwei Liter warmes Wasser. In dem warmen Wasser haben wir uns die Füße gewaschen, die Graupen hatten wir vorher gegessen. Meine Mutter sagte dann, ,Junge, dies ist das Weihnachtsgeschenk für dieses Jahr'. So habe ich es damals auch empfunden. Jedes Jahr an Heiligabend muss ich im Stillen daran denken." Edeltraud Krause aus Erkrath-Hochdahl, erinnert sich an Weihnachten 1944 in ihrer Heimatstadt Oels, einer Kleinstadt in Schlesien. Sie (damals 12) und ihr Bruder (11) bekamen den Auftrag von der Mutter den Weihnachtsbaum zu schmücken.

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p class="text">Nachdem der Christbaumschmuck am Baum hing, bewarfen die Kinder die große Edeltanne mit Lametta. Es gab Weißwürste, Sauerkraut und süße Rosinen-Lebkuchentunke. Elfriede, die Haushilfe, hatte Weißwürste organisiert, die bis Silvester reichten. Auf dem Weg in die Christmette fragte ihr Vater sie: "Was wird wohl in einem Jahr hier sein?". Ihre Antwort kam prompt: "In einem Jahr ist hier alles kaputt und wir sind weg!"

Sie hörte die Stalinorgeln, sah die langen Flüchtlingstrecks. "Schon wenige Tage später, am 20. Januar 1945, mussten wir die Heimat, unser Heim und Geschäft und alles was wir hatten, verlassen. Unsere Eltern haben unser schönes Schlesien und das liebe Oels nie wieder gesehen und für mich bedeutete es das Ende einer glücklichen, unbeschwerten Kindheit."