Mettmann: Gesichter der Demenz

Mettmann : Gesichter der Demenz

Am Weltalzheimertag dankt Kreisdirektor Martin M. Richter drei Frauen und einem Mann stellvertretend für alle, die sich gegen die Krankheit engagieren. Im Kreis Mettmann gibt es fast 8000 Erkrankte und 30 000 Betroffene.

Demenz ist eine persönliche und gesellschaftliche Herausforderung für alle: die Kranken selbst sowie für Familienangehörige, Freunde und pflegende Menschen. Anlässlich des Weltalzheimertages weist Kreisdirektor Martin M. Richter auf fast 8000 Kranke hin, die im Kreis Mettmann am Verlust ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten leiden.

Im sozialen Umfeld sind noch einmal 30 000 Angehörige, Bekannte, Nachbarn, Freunde und andere Beteiligte betroffen. Bei einer Gesamtbevölkerung von 500 000 Menschen im Kreis Mettmann sind folglich fast acht Prozent aller Einwohner mit Demenz konfrontiert. Und die Zahl steigt. Bis 2030, so Richter, werde sich nach Schätzung von Fachleuten die Zahl der Kranken verdoppeln.

Leben lernen mit der Krankheit

Der Kreisdirektor dankte im Mettmanner Kreishaus anlässlich des Weltalzheimertages drei Frauen und einem Mann, die sich beim im Demenznetzwerk des Kreises, das bundesweit als beispielhaft gilt, ehrenamtlich engagieren.Ging es in einer ersten Phase des 2006 gegründeten Demenznetzwerkes darum, eine im Alltag belastbare Struktur der Hilfe aufzubauen, so stand in einem zweiten Projekt, einer Qualifizierungsoffensive, das "Leben lernen mit Demenz" im Mittelpunkt. Hier haben sich die Ausgezeichneten hervorgetan, haben der Demenz – wie es das Motto sagt –, ein Gesicht gegeben.

Edith Ohlendorf aus Erkrath will lernen, wie mit Demenz umzugehen ist und wie sie helfen kann. Als Angestellte in einer Apotheke möchte sie ihre in Gesprächen gemachten Erfahrungen weitergeben. "Ich habe viel gewonnen", sagt sie, "auch wenn ich persönlich nicht betroffen bin." Anders Thomas Buchholz, ebenfalls aus Erkrath, der vor zwei Jahren aus dem Berufsleben ausgeschieden ist und sich seitdem um einen langjährigen Freund kümmert, der damals an Alzheimer erkrankt ist.

Er begründet sein Engagement: "Ich fühle eine Verpflichtung meinem Freund und der Gesellschaft gegenüber." Er unterstützt die Familie des Kranken und hat an einem Kurs der Qualifizierungsoffensive teilgenommen, um die Krankheit besser zu verstehen und zu lernen, was er tun kann.

Gabriele Baade aus Monheim hat ihre Mutter gepflegt und die Folgen von Demenz so in der eigenen Familie erfahren. Sie musste ihre Mutter schließlich in ein Heim abgeben, kümmert sich aber auch dort noch um die Pflege. Durch einen Kursus zur Demenz kann sie heute besser mit ihrer Mutter umgehen. Sie empfindet die Qualifizierungsoffensive als Unterstützung und fühlt, dass Last von ihr genommen ist.

Petra Meli aus Hilden ist geht es darum, Menschen anzunehmen, so wie sie sind – mit allen ihre Lebenserfahrungen. Sie findet es faszinierend, sich in die Welt eines anderen Menschen hineinzuversetzen und zu helfen.

Das Projekt Qualifizierungsoffensive läuft bis 29. Februar 2012. 30-stündige, achttägige zertifizierte Kurse werden in allen Städten des Kreises angeboten. Bis Ende des Jahres werden nahezu 1000 Menschen teilgenommen haben. 21 Kurse werden in 2011 angeboten, sagt Hildegard Heinrich, Projektleiterin des Demenznetzes. 2012 soll es weitere Kurse "Leben mit Demenz" geben.

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(RP)
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