Mettmann: Geschichten aus dem Bauchladen

Mettmann : Geschichten aus dem Bauchladen

Erzähl-Festival: Mettmanner Schüler der dritten Klasse sind los gezogen, um mit wildfremden Menschen kurze Texte zu entwickeln.Dagmar Grotendorst ist mit der Resonanz zufrieden und freut sich mit den Jungen und Mädchen, die ihre Scheu vor Publikum abgelegt haben.

Ein Vierteljahr lang haben sich die Kinder aus der Erzähl-AG der Otfried-Preußler-Schule auf das Erzähl-Festival vorbereitet. Auf dem Marktplatz, zwischen Käse- und Gemüseständen, haben 10 Schüler der 3. Klasse nun ihren ersten großen Auftritt. Mit einem auflockernden Spielchen verwandelt Workshopleiterin Dagmar Grotendorst die Aufregung in Tatendrang. Ausgerüstet mit einem selbstgebauten Bauchladen ziehen sie jeweils zu zweit los, um wildfremden Menschen eine Geschichte zu erzählen.

Alte Dame überrascht

Sophie ist mutig: „Haben Sie einen Moment Zeit? Wir wollen Ihnen eine Geschichte schenken.“ Die Dame am Kuchenstand ist überrascht. Da sie aber sowieso in der Schlange anstehen muss, lässt sie sich auf das Geschenk ein. Allerdings muss sie auch etwas tun. Für jeden Buchstaben ihres Vornamens muss sie einen Begriff überlegen, den sie auf kleine Zettel aus dem Bauchladen schreibt.

Daraus entwickeln Pia und Sophie nun aus dem Stegreif eine ganz individuelle Geschichte. Maurice und Josefin haben sich an eine Gruppe Erwachsener herangemacht, die nichtsahnend zu einem Schwätzchen zusammensteht. Wolfgang Rohr nennt bereitwillig seinen Vornamen. „Es war einmal eine Nähmaschine. Die lebte in einem alten, brüchigen Haus und trank abends gerne roten Wein“, legt Josefin los.

Die Erwachsenen staunen. „Tolle Sache. Das macht denen sichtlich Freude und uns auch“, erkennt der Stichwortgeber an. Nicht minder begeistert waren die Erzähl-Kinder und ihr Publikum am Sonntag im Zelt, als sie ihre vorbereiteten Geschichten aus der Erzähl-AG vortrugen. Selbst die Veranstalterinnen des Vereins KulturKinder, die das Internationale Erzähl-Festival nach Mettmann geholt hatten, waren von der Resonanz positiv überrascht.

„Abgesehen von dem ungünstig gelegenen Termin im Neanderthal-Museum waren alle Veranstaltungen gut besucht“, staunte Dagmar Grotendorst.

Sogar der anspruchsvolle Rilke-Abend (mit einem brillanten Ulrich Maiwald) hatte bei der Gesellschaft Verein für voll besetzte Stuhlreihen gesorgt. Am meisten freut sich Dagmar Grotendorst aber über die Entwicklung bei den Kindern. „Zu Beginn der Erzähl-AG haben sich viele gar nicht getraut, ihre Fantasie zu entwickeln und frei zu erzählen. Jetzt trauen sie sich sogar vor fremden Zuhörern.

Gebannt zugehört

Die Ausdrucksweise ist viel differenzierter geworden. Auch die Reaktion der Kinder im Publikum war beeindruckend. Sie haben gebannt zugehört. Es ist schön, wenn man zeigen kann, dass es auch noch etwas anderes gibt außer Fernsehen und Computer.“ Gabriele von Mauschwitz, Bettina Harms und Dagmar Grotendorst gehen davon aus, dass es in zwei Jahren wieder ein Erzähl-Festival in Mettmann geben wird. „Es war zwar viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt.“

(RP)
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