Mettmann: Für die Stadt zählt jeder Hund

Mettmann: Für die Stadt zählt jeder Hund

2004 Vierbeiner sind in Mettmann angemeldet. Demnächst soll dies überprüft werden.

Die Stadt ist auf den Hund gekommen. In der Aufgabenliste des Steueramtes steht für 2018 eine Hundezählung. Dabei sollen Mitarbeiter eines privaten Dienstleisters von Tür zu Tür gehen und nach unangemeldeten Vierbeinern fahnden. Derzeit sind nach Auskunft der Stadt exakt 2004 Hunde in Mettmann angemeldet. Geschäftsführer Arno Wanders vom Dienstleister Springer Kommunale Dienste GmbH schätzt die Dunkelziffer nicht angemeldeter Hunde auf 25 bis 40 Prozent. Dies sei ein Erfahrungswert. Das Dürener Unternehmen besucht nach eigenen Angaben mehr als eine Million Haushalte pro Jahr.

Bello zur Kontrolle der Hundesteuermarke angetreten - dieser Zähl-Appell sorgte beim bislang letzten Mal in Mettmann für erhebliche Proteste, erinnern sich Alteingesessene. Dementsprechend vorsichtig formuliert Stadtsprecher Thomas Lekies. Eine "mögliche, noch in der Planung befindliche Hundebestandsaufnahme" könne nach Auskunft des Steueramtes "nur durch ein beauftragte spezialisiertes Unternehmen erfolgen." Die Stadt stellt die Listen, die Mitarbeiter des spezialisierten Dienstleisters streifen durch die Straßen und klingeln bei den Anwohnern. Ganz egal, ob ein Hund dabei wütend bellt oder freudig schwanzwedelnd dem besucher gegenübertritt - ohne gültige Hundemarke landen das Tier und sein Besitzer in der Datenbank der saumseligen Steuerzahler. Sowohl in Wülfrath Mitte 2015 als auch in Langenfeld reichte 2016/17 allein schon die Ankündigung einer solchen Hundezählung, um die Anmeldezahlen schlagartig zu steigern. Im vergangenen Jahr erhöhten im Kreis Mettmann die Städte Erkrath (plus 10 auf 110 Euro/Jahr), Wülfrath (plus 12 auf 132 Euro/Jahr), Ratingen (plus 3 auf 112 Euro/Jahr) Hilden (plus 6 auf 114 Euro/Jahr) und Haan (plus 12 auf 120 Euro/Jahr) die jeweiligen Hundesteuersätze. Die Aufzählung bezieht sich jeweils auf den ersten Hund. Kommen weitere Tiere hinzu, steigen die Hundesteuersätze. Sogenannte Kampfhunde sind mit weit höheren Abgaben belegt.

Aus der Sicht des Bundes der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen ist die Hundesteuer ein Relikt aus vergangenen Tagen. Sie gehöre abgeschafft. Die Hundesteuer nehme keine Rücksicht auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Hundebesitzer. Arme zahlen dasselbe wie Reiche. "Das Nachsehen hat dabei der Rentner mit einem knappen Budget, für den sein Hund im Alter oftmals der einzige Bezugspunkt ist und soziale Kontakte zu anderen Hundebesitzern ermöglicht", sagt die Sprecherin des Steuerzahlerbundes, Bärbel Hildebrand. Zudem sei der Aufwand für Erhebung und Kontrolle der Hundesteuer sehr hoch und das Aufkommen im Vergleich zu den klassischen Kommunalsteuern wie der Grundsteuer oder der Gewerbesteuer eher unbedeutend.

Andererseits sind Hundesteuern ein Thema, das kaum jemanden in einer Stadt kalt lässt. Die Hundebesitzer schließen sich sofort an, sobald es um die komplette Abschaffung geht. In zehn europäischen Ländern ist das bereits geschehen. Darunter befinden sich Schweden, Dänemark, Belgien, England, Spanien und Italien. Zudem sind die Steuereinnahmen im fünf- bis sechsstelligen Bereich für manche Kommune im Jahresetat schon spürbar. Und: Es gibt kaum eine Steuer, über die eine Kommune komplett allein entscheiden darf. Neben der Disziplinierung der Hundehalter zählen für den Kämmerer auch die Einnahmen.

(RP)