Freie Trauungen ersetzen das religiöse Ritual

Hochzeiten im Kreis Mettmann : Freie Trauungen ersetzen das religiöse Ritual

(arue) Die freie Trauung ist eine symbolische Zeremonie. Freie, aber auch kirchliche Trauungen begründen keine rechtskräftige Eheschließung. Darauf weisen die Sprecher der Städte Mettmann, Erkrath und Wülfrath auf Nachfrage unserer Redaktion hin.

„In einigen Fällen – wenn keiner der Verlobten deutscher Staatsangehöriger ist – kann eine Ehe auch rechtskräftig im Konsulat geschlossen werden“, erläutert Thomas Lekies, Sprecher der Stadt Mettmann. Das hänge aber von der jeweiligen Staatsangehörigkeit ab.

„Eine freie Trauung ist für viele Paare lediglich ein Ersatz für eine kirchliche Eheschließung“, erläutert Andrea Pabst, Standesbeamtin der Stadt Wülfrath. Thomas Laxa, Sprecher der Stadt Erkrath, fügt außerdem hinzu. dass jeder als Trauredner arbeiten könne. Es gibt keine gesetzlich geregelten Standards für freie Trauungen. Qualifizierungsnachweise müssen Trauredner nicht erbringen.

Dass freie die kirchlichen Trauungen ersetzen, gibt den Kirchen zu denken. „Es ist unverkennbar, dass sich die religiöse Situation in Deutschland seit Jahrzehnten spürbar verändert und die Bindung an Gott und die Kirche gerade in den letzten Jahren in für mich erschreckender Geschwindigkeit zurück geht“, sagt Herbert Ullmann, Leitender Pfarrer in Mettmann und stellvertretender Kreisdechant. Die Menschen suchten sich aus dem gesellschaftlichen „Angebot“ das heraus, was zu ihnen passt. „Im eigenen Freundeskreis habe ich erlebt, dass bei schwindender Glaubenssubstanz nach einer standesamtlichen Trauung – zu der ich übrigens ausdrücklich eingeladen war – eine so genannte freie Trauung auf einem Reiterhof folgte“, erinnert sich Ullmann. „Das war konsequent, zumal ich die Erwartung an eine möglicherweise mit Rücksicht auf mich angedachte kirchliche Trauung im Freien nicht erfüllen konnte. Eine Eventhochzeit mit Elementen aus TV-Vorlagen wäre mit dem sakramental-liturgischen Charakter einer kirchlichen Trauung nicht vereinbar gewesen“, berichtet der Geistliche. Das befreundete Brautpaar habe dafür Verständnis gehabt.

„Insofern habe ich keinen Grund über konkrete Alternativen zu kirchlichen Angeboten zu nörgeln. Wohl aber bedauere ich natürlich die sinkende Nachfrage nach einer Hochzeit im heiligen Raum eines Gotteshauses vor Gott und der Kirche.“ Aber auch dort, wo ein Paar sich vor dem Hintergrund einer christlich-konfessionellen Identität bewusst für eine kirchliche Trauung entscheide, stelle er zunehmend fest, daraus „ein minutiös durchgeplantes und gestyltes Event in der Kirche zu machen, was manchmal schwer mit dem geistlichen Charakter der eigentlichen Feier in Einklang zu bringen ist.“ Da sei dann hohe Sensibilität im Gespräch mit dem Brautpaar erforderlich, um einen gemeinsam verantwortbaren Weg zu finden.

Freie Trauungen werden statistisch nicht erfasst. Wohl aber, wie viele standesamtliche Trauungen es gab: In Mettmann waren es 2019 genau 166, zehn Jahre zuvor 162. In Erkrath waren es im vergangenen Jahr 188, zehn Jahre zuvor 146. In Wülfrath waren es 113 Trauungen, zehn Jahre zuvor 99.

(arue)