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Kreis Mettmann: Frauen verdienen immer noch weniger

Kreis Mettmann : Frauen verdienen immer noch weniger

Zum heutigen Frauentag gibt es wieder ernüchterende Zahlen - die Gleichstellungsbeauftragten haben noch viel zu tun.

Die Teilzeit und der Niedriglohn - im Kreis Mettmann ist beides weiblich: Noch immer sind hier 69 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs in Frauenhand. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Internationalen Frauentag am heutigen 8. März hin. Bei den rund 43.300 Teilzeit-Stellen im Kreis liegt der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 79 Prozent.

Gleichstellungsbeauftragte Annegret Pollmann ist heute eine feste Instanz bei Personalentscheidungen im Erkrather Rathaus. Foto: dj

Torsten Gebehart von der NGG Düsseldorf-Wuppertal spricht von einer "Karrierefalle": Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeit-Verträge stark verbreitet. "Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme", so Gebehart. Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. Das gehe aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach sind für Teilzeit-Beschäftigte auch Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener.

"Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer", kritisiert Gebehart. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Im EU-Durchschnitt lag der so genannte "Gender Pay Gap" dagegen lediglich bei 16 Prozent. Sollte die Politik nicht deutlich mehr gegen die Lohnungerechtigkeit unternehmen, dürfte sich nach Einschätzung der NGG auch die Altersarmut für Frauen im Kreis verschärfen.

Astrid Ferl ist seit April 2013 Frauenbeauftragte der Stadt Mettmann. Sie engagiert sich für die berufliche Gleichstellung von Frauen und Männern und berät zum beruflichen Wiedereinstieg. Sie bietet Rat und Unterstützung zu den Themen Häusliche Gewalt, Trennung, Scheidung für alle Bürger und ist eng vernetzt mit dem SKFM Mettmann. "Innerhalb der Stadtverwaltung bin ich für die Beschäftigten bei Einstellungen oder Beförderungen sowie als Beraterin der Verwaltung tätig."

Im vergangenen Jahr konnte nach langer Vorbereitung von Astrid Ferl ein Gleichstellungsplan (früher Frauenförderplan) für die Verwaltung der Stadt Mettmann vorgelegt werden. In der letzten Ratssitzung hat der Rat diesen Gleichstellungsplan beschlossen. Er enthält Maßnahmen zur Frauen- und Karriereförderung sowie Instrumente für eine familiengerechte Personalpolitik. In Zeiten akuten Fachkräftemangels sind dies Instrumente, um qualifizierte Frauen und Männer als Mitarbeiter der Stadt anzuwerben und sie dann an die Stadt als Arbeitgeber zu binden.

"Auf der Grundlage des Gleichstellungsplans, der von 2018 bis 2022 gilt, werde ich mich für weitergehende Maßnahmen einsetzen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Pflege fördern." Neben unmittelbarer Frauenförderung müssten auch Männer gefördert werden, etwa wenn sie pädagogische Berufe ergreifen oder sich stärker in die Familienarbeit (Kindererziehung und Pflege von Angehörigen) einbringen wollten. Noch immer machten viel zu wenige Männer von den bestehenden gesetzlichen Freistellungsmöglichkeiten Gebrauch. Hier gelte es, positive Signale zu setzen, die zur Verwirklichung einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Erwerbsarbeit und Familienarbeit beitragen.

Seit ihrem Amtsantritt im Jahr 1990 haben zahlreiche Gesetze zu mehr Rechten von Frauen geführt und zu einem größeren Bewusstsein für die Notwendigkeit der Chancengleichheit von Frauen und Männern, berichtet Erkraths Gleichstellungsbeauftragte Annegret Pollmann. Das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde nicht mehr in Frage gestellt und verstärkt umgesetzt, etwa durch den Ausbau von Kindertagesstätten und der Ganztagsbetreuung an den Schulen, mehr Teilzeitmöglichkeiten innerhalb der Verwaltung sowie flexiblen Arbeitszeitmodellen. Und die Frauenquote in der Verwaltung habe sich in vielen Bereichen deutlich verbessert, auch im technischen Bereich. Dennoch bestehe weiterhin großer Handlungsbedarf: Im Führungskräftebereich sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert (ein Bürgermeister mit zwei Beigeordneten, vier Geschäftsbereichsleiter und von 13 Fachbereichsleitungen sind nur fünf Frauen), von den Teilzeitbeschäftigten sind über 80 Prozent Frauen, und männliche Beschäftigte nehmen selten Elternzeit oder Zeit für die Pflege von Angehörigen. Pollmann fordert mehr flexible Arbeitszeitmodelle (Telearbeit, Jahreskonten etc.), und die Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Erkrath müssen dringend weiter ausgebaut werden, um dem gesetzlichen Anspruch gerecht zu werden. Der Schutz der Frauen vor Gewalt im öffentlichen Raum und bei häuslicher Gewalt müsse gestärkt werden, sei es durch mehr finanzielle Unterstützung des Frauenhauses und weiterer Anlauf- und Beratungsstellen, durch mehr Sensibilität in der Bevölkerung und in der politischen Debatte und auch durch flankierende Maßnahmen in der Stadtplanung (Abbau von Angsträumen).

Seit November 2013 ist Gudula Kohn Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wülfrath. Ihre Überzeugung ist es, dass eine erfolgreiche Gleichstellungsarbeit nur gemeinsam geht. Deswegen hat sie, kaum im Amt, ein Wülfrather Frauennetzwerk gegründet. Es setzt sich für die Gleichberechtigung der Frauen auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens ein. Außerdem will es Frauenaktivitäten in Wülfrath sichtbar machen, Kontakte untereinander fördern und Frauen dazu bringen, sich mehr als bisher einzubringen.

Die Gleichstellungsbeauftragte will daran mitarbeiten, dass Ungerechtigkeiten wie Einkommensunterschiede, Zugangsbarrieren und Infrastrukturdefizite, die die geschlechtsspezifische Identität und Rollenbilder prägen, abgebaut werden. Die Angebote der Gleichstellungsbeauftragten stehen mittlerweile auf der Homepage der Stadt Wülfrath.

Im Juni 2016 wurde der Gleichstellungsbericht/Frauenförderplan vom Rat der Stadt Wülfrath beschlossen. Unregelmäßig versendet sie Infobriefe mit interessanten Themen an das Frauennetzwerk und an die weiblichen Beschäftigten in der Verwaltung.

Die vielen oben genannten Themen werden die Gleichstellungsbeauftragte und das Netzwerk auch in den folgenden Jahren beschäftigen. Hinzu kommt ein weiteres Thema: "Altersarmut bei Frauen", bedingt durch fehlende Rentenpunkte durch Familienzeit, Pflege, Mini- und Teilzeitjobs.

(RP)