Flüchtlinge bereiten dem Kreis Mettmann Sorge

Integration : Flüchtlinge bereiten Mettmann Sorge

Die Integration der Flüchtlinge, die nach Mettmann gekommen sind, schreitet nur langsam voran. Flüchtlingskoordinatorin Susanne Butzke hat eine kritische Bestandsaufnahme erstellt.

Mettmanns Flüchtlingskoordinatorin Susanne Butzke wird im nächsten Integrationsausschuss am 1. Februar ein Konzept vorlegen, das sich mit der Integration von Flüchtlingen in der Kreisstadt beschäftigt. Wobei Mettmann stellvertretend für andere Kommunen steht. Denn die Situation ist ähnlich. So viel sei vorweg gesagt: Es wird noch Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis die anerkannten Flüchtlinge in unsere Gesellschaft integriert werden. Und die Gefahr besteht, dass es viele gar nicht schaffen werden, sozial isoliert sind und auf Sozialhilfe angewiesen bleiben.

Es gibt mindestens drei Problemfelder. 1. die Sprache: Flüchtlinge besuchen bei diversen Anbietern (VHS, Tertia, Caritas, Euro Schulen usw.) Deutsch- beziehungsweise Integrationskurse. Die sind Pflicht. Aber nicht alle Flüchtlinge kommen regelmäßig in die Kurse, einige schwänzen den Unterricht. Sanktionen sind nicht einfach. Wenn ja, dann geht das nur übers Geld. Das heißt: Im Falle eines Fernbleibens zahlt das Sozialamt weniger Geld. Allerdings wird diese Sanktion nicht immer angewandt.

Oft melden sich Flüchtlinge gleich bei mehreren Anbietern von Sprachkursen an. Das hat zur Folge, dass eine genaue Auflistung und Kontrolle kaum möglich ist. Butzkes Handlungsempfehlung: bessere Zusammenarbeit der Ämter (Sozialamt, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, und Integration Point). 2. Arbeit: Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, wollen in der Regel schnell Arbeit finden. Egal, ob sie anerkannt oder noch im Verfahren sind. Denn ihre Familien im Ausland erwarten, dass sie Geld von ihnen bekommen, um ihren Lebensunterhalt zu bezahlen. Oft zahlen deutsche Asylbewerber beziehungsweise anerkannte Flüchtlinge auch einen Teil der Schleuserkosten ihrer Angehörigen, die in einem Lager in Libyen leben und darauf warten, mit dem Boot nach Italien zu kommen.

Für Flüchtlinge ist es schwierig, einen Praktikumsplatz und noch schwieriger, eine Arbeitsstelle zu finden. Die Mitarbeiter des Integration Point geben sich Mühe, sind aber oft überfordert, weil sie keine persönlichen Kontakte zu Arbeitgebern haben. Hier sind die (noch wenigen) Ehrenamtler gefragt, die sich im persönlichen Einsatz und über Kontakte zu Betrieben vor Ort um Praktikums-, Arbeits- und im besten Falle Ausbildungsplätze bemühen. In Mettmann gibt es gerade beim Mittelstand vorbildliche Arbeitgeber, die sich seit Jahren mit großem Erfolg bemühen, Flüchtlingen zu helfen. Es gibt aber auch Arbeitgeber, die Flüchtlinge und ihre Arbeitskraft ausbeuten, keinen Mindestlohn oder gar keinen Arbeitslohn zahlen. Allerdings sind sie die Ausnahme. Butzke empfiehlt eine Art "Runden Tisch" von Arbeitgebern, Jobcenter, Stadt und Ehrenamtlern.

3. Wohnraum: In Mettmann fehlen ebenso wie in anderen Kommunen preiswerte Wohnungen. Flüchtlinge, die eine Arbeit haben, halten im Internet Ausschau nach bezahlbaren Wohnungen. Doch viele Vermieter oder Makler legen den Hörer auf, wenn sie erfahren, dass es sich um einen Flüchtling handelt, der sich um ihre Wohnung bewirbt. Rund 230 Menschen, die in städtischen Unterkünften leben, haben eine Aufenthaltserlaubnis, die ihnen grundsätzlich erlaubt, eigenen Wohnraum anzumieten. Die Anzahl derer, so Butzke, die aus den Unterkünften ausziehen könnten, ist 2017 gestiegen und wird perspektivisch weiter steigen.

(RP)
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